Schüler zeigen großes Interesse

Eine Schulstunde zu Geldanlagen und Verträgen

Annika Gross ist im Marketing der Stadtsparkasse Wermelskirchen tätig. Foto: Sparkasse
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Annika Gross ist im Marketing der Stadtsparkasse Wermelskirchen tätig.

Sparkassen-Mitarbeiter haben mit Sowi-Leistungskurs lebensnahe Inhalte besprochen.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Sparplan statt soziales Milieu, Mietvertrag statt Mehrebenenanalyse – für die Schüler eines Sowi-Leistungskurs am städtischen Gymnasium Wermelskirchen hielt das aktuelle Halbjahr kurz vor seinem Ende noch eine besondere Unterrichtseinheit bereit. Auf ihren Wunsch hin hatte Lehrer Andreas Osterkamp Mitarbeiter der Stadtsparkasse Wermelskirchen eingeladen, um mit ihnen über Geld zu sprechen.

Eine Doppelstunde lang erklärten Roman Stoffl, Bankkaufmann-Azubi im dritten Lehrjahr, und Marketing-Mitarbeiterin Annika Gross Grundlegendes zu Geldanlage, Absicherung und Verträgen. Und das sei auf großes Interesse bei seinen Schülern gestoßen, berichtet Lehrer Osterkamp: „In den 90 Minuten haben sie nicht einmal nach einer Pause gefragt.“

Immer wieder wird kritisiert, dass Schulbildung in Deutschland zwar sehr formal aber nicht immer lebensnah gestaltet ist, insbesondere finanzielle Bildung komme dabei zu kurz. Auch Andreas Osterkamp verweist in diesem Zusammenhang gerne auf einen Tweet, der 2015 für Aufsehen sorgte. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“, schrieb darin eine Kölner Gymnasiastin. „Aber ich kann ‘ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Im Laufe der Doppelstunde entwickelte sich ein reger Austausch

Die Schüler hatten viele Fragen.

Annika Gross von der Sparkasse will der aktuellen Schülergeneration die finanzielle Bildung gar nicht pauschal absprechen. Aber der Markt sei unübersichtlich – und werde zunehmend komplexer. „Es ist leicht geworden, einen Schritt in die falsche Richtung zu machen“, sagt die 22-Jährige. Dank Trading-Apps fürs Smartphone seien zum Beispiel Aktien, Fonds und sogar Derivate nur einen Klick weit entfernt. „Aber ich möchte bezweifeln, dass das für jeden die richtige Art zu Sparen ist.“

Also habe man versucht, den Wermelskirchener Schülern Basiswissen zum Thema zu vermitteln. Was das ist, das habe man zuvor zusammen mit dem Sowi-Kurs und dessen Lehrer festgelegt, sagt Gross. Themenideen wie das Lesen einer Rechnung und das Ausfüllen einer Überweisung seien dabei verworfen worden: „Weil die Schüler doch schon weiter waren, als wir dachten.“ Stattdessen seien vor allem Mietverträge inklusive Kaution, Investmentfonds und die Frage, welche Versicherungen für wen sinnvoll ist, in den Fokus gerückt. Angefangen beim Hinweis, dass man einen Vertrag lesen sollte, bevor man ihn unterschreibt. Bis hin zu den Unterschieden zwischen einem aktiv gemanagten Fonds und einem ETF.

Was als Vortrag begonnen hatte, sei im Laufe der Doppelstunde zu einem „regen Austausch“ geworden, sagte Annika Gross: „Ich war auch erstaunt.“ Insbesondere beim Thema Geldanlage sei es „plötzlich sehr ins Detail“ gegangen, sagt Andreas Osterkamp: „Die Schüler hatten sehr viele Fragen.“ Schließlich beginne für sie nach dem Abi in einem guten halben Jahr der Ernst des Lebens. „Das war wertvolle Unterrichtszeit, aber die war gut investiert.“

Dass Sparkassen mit Schulen kooperieren, sei eher die Regel als die Ausnahme, sagt Annika Gross. Dass aber eine ganze Unterrichtsstunde so gestaltet wird, hingegen neu. Von einem „Testballon“ spricht Andreas Osterkamp. Aber von einem gelungenen, das habe auch das Feedback der Schüler so ergeben. „Ich hoffe sehr, dass wir das wiederholen können“, sagt der Lehrer. Bei Annika Gross trifft er damit auf offene Ohren: Das Konzept brauche wohl noch etwas Feinschliff, sagt sie. „Aber ich finde, wir sind auf dem richtigen Weg.“

Ähnliche Angebote

Auch andere Sparkassen in der Region haben Angebote, die in eine ganz ähnliche Richtung gehen. Die Stadt-Sparkasse Solingen zum Beispiel mit „Sparkasse macht Schule“: „Dabei kann es um ganz unterschiedliche Themen gehen, von grundsätzlichem Finanzwissen über das Thema Sparen bis hin zu Aktien und Co“, erklärt Sebastian Assé, Referent für Unternehmenskommunikation.

Die Stadtsparkasse Remscheid biete zum Beispiel zwei Module für Grundschulen an, berichtet Sprecher Thomas Wingenbach: „In den zweiten Klassen wird zunächst spielerisch der Umgang mit Geld vermittelt, während es im vierten Schuljahr um eine Kompetenzerweiterung geht.“ Dabei setze man vor allem auf Rollenspiele, bei denen sich die Schüler aktiv einbringen können.

Zudem sei man unter anderem am Remscheider Berufsbildungszentrum der Industrie (BZI) mit Veranstaltungen unter den Titeln „Schuldenfalle“ und „Guter Umgang mit Geld“ präsent. Dabei versuche man, den Azubis zu verdeutlichen, welche Gefahren hinter einem unbedarften Umgang mit Verträgen und Vertragsabschlüssen lauern können. Solche Angebote seien ein Beitrag zur Prävention, betonen Assé und Wingenbach. Und gehören damit auch zum Auftrag der öffentlich-rechtlichen Geldinstitute. Das NRW-Sparkassengesetz nennt neben der „geld- und kreditwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft“ unter anderem die Förderung der „finanzielle Eigenvorsorge und Selbstverantwortung“ als Unternehmenszweck.

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