Eine scharfe Klinge mit einem außergewöhnlichen Griff

Die Solinger Firma Krüth hat zusammen mit Wüsthof einen neuen Messergriff entwickelt. Die Entwicklungscrew präsentierte am Firmensitz an der Stübbener Straße die fertigen Messervariationen. Fotos: Tim Oelbermann
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Die Solinger Firma Krüth hat zusammen mit Wüsthof einen neuen Messergriff entwickelt. Die Entwicklungscrew präsentierte am Firmensitz an der Stübbener Straße die fertigen Messervariationen. Fotos: Tim Oelbermann

Gemeinschaftsprojekt der Solinger Firmen Krüth und Wüsthof

Von Sven Schlickowey

SOLINGEN Das Kochmesser „Performer“ von Wüsthof besticht, wie sollte es anders sein, durch eine besondere Klinge. Schwarz ist die, natürlich scharf, extrem hart außerdem und einen Lotuseffekt hat sie auch noch. Was dabei ein wenig untergeht: Auch der Griff des Messers ist eine Neuheit, in der ganz viel technisches Know-how steckt. Und die darüber hinaus in der Zusammenarbeit zweiter Solinger Unternehmen entstanden ist.

Die Wabenstruktur des Kunststoffgriffs, Hexagon Power Grip genannt, wurde von Wüsthof zusammen mit der J. & F. Krüth GmbH entwickelt. Es war die erste Zusammenarbeit beider Unternehmen, deren Firmensitze kaum drei Kilometer auseinander liegen. Und geht es nach Rebecca John, bleibt es nicht die letzte.

„So etwas ist für uns natürlich ein super spannendes und wichtiges Projekt“, sagt John, Enkelin eines der beiden Firmengründer und damit dritte Generation im Unternehmen. Dabei gehe es nicht nur darum, neue Geschäftsfelder zu erschließen. „Bei so einem Auftrag können wir kreativ werden“, sagt John. „Da können wir zeigen, was wir können.“

Was Krüth kann, ist vor allem die Bearbeitung von Spritzgusswerkzeugen mittels Laser- und Ätzgravur. Die knapp 100 Mitarbeiter sorgen so dafür, dass das Werkstück, das später in dieser Form entsteht, eine besondere Struktur in der Oberfläche hat. „Das ist eine sehr filigrane Arbeit, die nicht viele beherrschen“, sagt Rebecca John. Gefragt ist das vor allem im Automobilbereich, wo Krüth rund 80 Prozent seines Umsatzes macht. Aber auch Hersteller von Haushaltswaren aus Kunststoff und Sportschuhhersteller zählen zu den Kunden.

Meist gehe es dabei um die Optik, erklärt John. Die Verkleidung der A-, B- und C-Säule im Auto soll so zum Beispiel an den mit Stoff bezogenen Himmel angeglichen werden. Hinzu kämen technische Anwendungen. „Beispielsweise damit keine Quietschgeräusche entstehen, wenn zwei Kunststoffflächen aneinander reiben.“

Bei dem Messer-Projekt mit Wüsthof kommt beides zusammen. Das neuartige Griff-Design passt gut zu der mit einer sogenannten Diamond-like-Carbon-Beschichtung überzogenen schwarzen Klinge. Und macht den Griff gleichzeitig wesentlich griffiger.

Projekt ist auch für die Innenwirkung wichtig

Das ganz große Geld lasse sich damit vorerst nicht verdienen, gibt Rebecca John zu. Die Werkzeuge für die Griffe seien geliefert, mit Folgeaufträgen erstmal nicht zu rechnen. Bis zu eine Million Werkstücke ließen sich mit jedem Werkzeug gießen, ehe eine Optimierung der Struktur notwendig sei, sagt John. „Ich schätze mal, die werden jetzt drei bis vier Jahre genutzt.“ Danach werde vielleicht eine neue Messerserie aufgelegt.

Trotzdem sei das Projekt ein Erfolg, ist Rebecca John überzeugt. Um die Firma Krüth und auch den Beruf des Graveurs bekannter zu machen. Und auch für die Innenwirkung im Unternehmen. „Uns ist wichtig, dass unsere Mitarbeiter stolz sind, auf das, was sie machen.“ Und im Gegensatz zu einer Innenverkleidung eines Autos lasse sich ein Messer mit nach Hause nehmen – und vorzeigen. Und vielleicht folgen ja andere Messerhersteller dem Beispiel.

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