Unternehmen neu aufgestellt

Druckhaus: In der Krise kommt der Erfolg zurück

Insolvenz überstanden.
+
Insolvenz überstanden.

Frank Fischer hat eine Insolvenz überstanden und investiert weiter in sein Unternehmen.

Von Björn Boch

Solingen/Haan. Eine Insolvenz ist für viele Firmen ein schwerer Schlag. Das hat auch Frank Fischer erlebt. Kunden springen ab, Fachkräfte suchen sich andere Arbeitgeber. Kurz vor der Insolvenz in Eigenverwaltung hatte das Druckhaus Fischer eine halbe Million Euro investiert, doch drei Kunden brachen wegen eigener finanzieller Probleme weg – „das hat uns die Liquidität gekostet“, sagt Fischer. Im Juli 2019 war das, die beiden Vormonate seien in der gesamten Druckindustrie die schlimmsten Monate seit 20 Jahren gewesen. Zwei Mitarbeiter musste er entlassen, andere verließen zu seinem Bedauern die Firma.

Dann kam Corona. Die Pandemie sorgte dafür, dass es wegen fehlender Gerichtstermine länger dauerte, aus der Insolvenz herauszukommen, berichtet Fischer. Dennoch hat er es geschafft – mitten in der riesigen Wirtschaftskrise, die das Virus mit sich bringt –, die Krise seiner Firma zu überwinden.

Das Druckhaus ist sehr breit aufgestellt.

Das gelang auch, weil Frank Fischer sein Unternehmen neu aufgestellt, die Digitalisierung vorangetrieben und das Druckhaus auf Verpackungen spezialisiert hat. 80 Prozent des Umsatzes machen Faltschachteln und Verpackungen mittlerweile aus, neben Kunden aus der Lebensmittelindustrie gehören Solinger Klingen- und Messerhersteller wie Mozart und Wüsthof dazu. „Fast alle Druckereien, die nur Akzidenzen machen, haben Probleme“, weiß Fischer. Mit Akzidenzen, also Visitenkarten, Flyern und Co., kann eine Firma heute kaum noch überleben. Die Maschinen sind kapitalintensiv, viele kleinere Betriebe müssen sich zusammenschließen.

Sehr breit sei das Druckhaus aufgestellt, fast alles im Bereich der Veredlung, zum Beispiel Kaltfoliendruck, werde angeboten. Manches geht vollautomatisch, manches noch in Handarbeit. Paradoxerweise verdient Fischer bei manchen Verpackungen nur an der Entwicklung, die seine Firma anbietet – einige Kunden drucken aus Kosten- und Logistikgründen in China, denn dort werden auch die Waren mancher Kunden hergestellt. Im April und Mai hatte das Druckhaus Fischer in diesem Bereich mehr Aufträge, weil die internationalen Lieferketten nicht mehr funktionierten: „Der Trend war aber schnell wieder vorbei.“

Neben den „loyalen, sehr guten Mitarbeitern“ hätten sich Kunden und Lieferanten als treue Mutmacher und Partner gezeigt. Geholfen haben vor allem auch Kunden aus der Lebensmittelbranche, die zu Beginn der Krise große Nachfrage hatten. „Da war teilweise im April schon das Auftragsvolumen erreicht, das es normalerweise in einem Jahr gibt.“

Solingen/Haan: Faltschachtel-Klebemaschine tut genau das, was ihr Name sagt

Fischer, der sich in Solingen unter anderem stark für das Kunstmuseum, die Volleys und den HSV Gräfrath engagiert, will weiter investieren, unter anderem eine Druckmaschine austauschen und eine neue Klebemaschine anschaffen. Eine der jüngsten, größeren Investitionen war eine Faltschachtel-Klebemaschine, die genau das tut, was ihr Name sagt: Von Fischer bedruckte und gestanzte Verpackungen werden automatisch ausgerichtet, gefaltet und mit Leim geklebt.

Das funktioniert vor allem bei Massenware, bei anderen Produkten ist noch Handarbeit gefragt. Als Beispiel zeigt Fischer den Adventskalender, den seine Firma voriges Jahr an Kunden verschickte. Der ist eine Leistungsschau des eigenen Könnens. Der Kalender in Form eines Fisches wurde im Kaltfoliendruck hergestellt, ebenso wie die 24 kleinen Boxen, die alle von Hand gefaltet und eingesetzt wurden.

Etwa 350 Aufträge im Monat werden in Haan bearbeitet, bis zu 1000 Produkte können das sein, sagt Fischer. Kaltfolie und Heißfolie bietet er an, glänzen darf es natürlich – für den Verkauf der Produkte oft wichtig – und auch Spezialwünsche wie Hologramme können erfüllt werden.

Nach Haan ist Frank Fischer 2014 auch gegangen, weil es dort rund 75 Prozent mehr Platz gab als in Solingen. Für die Verpackungen braucht er viel Lagerfläche.

Solingen/Haan: Druckhaus Fischer

Kauf: 2014 kaufte Frank Fischer eine Druckerei in Haan, in der heute die Produkte des Druckhauses Fischer hergestellt werden. Eine Vermögensgesellschaft sitzt noch in Solingen – dort wurde die Firma ursprünglich gegründet.

Mitarbeiter: Vor der Insolvenz waren es 57, heute sind es 49. Fischer stellt derzeit wieder ein.

Umsatz: 7,5 Millionen Euro – wie vor der Insolvenz – sollen spätestens 2021 wieder erreicht werden.

Alle neuen Entwicklungen zum Thema Corona in Solingen finden Sie in unserem Live-Blog. Er wird laufend aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Schlieper, Pliester und Reider in einer Person
Schlieper, Pliester und Reider in einer Person
Schlieper, Pliester und Reider in einer Person
Einfach wegsehen darf der Chef nicht
Einfach wegsehen darf der Chef nicht
Einfach wegsehen darf der Chef nicht
Brauerei Erzquell setzt Netzwerk zur Werbung ein
Brauerei Erzquell setzt Netzwerk zur Werbung ein
Brauerei Erzquell setzt Netzwerk zur Werbung ein
In 25 Jahren zum Marktführer geworden
In 25 Jahren zum Marktführer geworden
In 25 Jahren zum Marktführer geworden

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare