Christine Volkmann: „Neugründungen haben Potenzial“

Christine Volkmann von der Uni Wuppertal ist Expertin für Unternehmensgründung. Foto: Özlem Eryigit
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Christine Volkmann von der Uni Wuppertal ist Expertin für Unternehmensgründung.

Leiterin des Lehrstuhls für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung spricht über hohe Investitionen in deutsche Start-ups

Von Uwe Blass

Wuppertal Man muss sich die Investitionssumme in deutsche Start-up-Unternehmen erst einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die Rede ist von 7,6 Milliarden Euro. Auch in der bergischen Wirtschaft wird einiges investiert. Wo kommt das Geld eigentlich her? Prof. Dr. Christine Volkmann, Leiterin des Lehrstuhls Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung und Unesco-Lehrstuhlinhaberin für Entrepreneurship und Interkulturelles Management der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft an der Schumpeter School of Business and Economics, erklärt die Chancen, die sich für Gründungsprojekte auftun.

„Die Leitzinsen der EZB liegen bei null, und die Geschäftsbanken werden für ihre Einlagen mit Negativzinsen belastet, die sie zum Teil an ihre Kunden weitergeben“, beginnt Volkmann. „Zudem fluten die Zentralbanken die Märkte mit Geld. Investoren können, bei einem gegenwärtig hohen Anlagebedarf, mit festverzinslichen Anlagen eigentlich keine Rendite mehr erwirtschaften. Die Erwirtschaftung einer Rendite ist jedoch notwendig“, erklärt sie, „ansonsten entsteht, bei einer vergleichsweise hohen Inflationsrate, ein Vermögensverlust“.

Das Geld sei aber da und müsse auch investiert werden. „Börsen und Immobilien sind Möglichkeiten. Das sehen wir aktuell an den steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Eine andere Möglichkeit für professionelle Investoren sind eben auch Beteiligungen an Start-ups.“ Der Bedarf an alternativen Anlagemöglichkeiten sei vor dem Hintergrund des aktuellen Zinsumfeldes enorm.

Viele deutsche Gründungskonzepte, die vor ein paar Jahren noch kein Gehör fanden, werden mittlerweile finanziert. Das liegt nach Volkmanns Einschätzung auch daran, dass sich die Gründungskultur sowie die Infrastruktur für Unternehmensgründungen sehr fortschrittlich entwickelt hätten. „Es gibt viele Inkubatoren beziehungsweise Innovationslabore, die Start-ups beherbergen und unterstützen. Um das Wachstum der Start-ups zu beschleunigen, sind Akzeleratoren entstanden. Es gibt heute Coworking-Spaces in den meisten deutschen Städten. Start-ups sind in den letzten Jahren auch wesentliche Treiber für den regionalen Strukturwandel geworden, die hiesige Gründungskultur wandelt sich in Richtung des Vorbilds der amerikanischen Start-up-Kultur.“ Die positiven Entwicklungen in Deutschland ermutigten internationale Investoren, vor allem auch aus den USA. Und diese Investoren seien dabei natürlich nicht uneigennützig, wie Volkmann weiß, denn die Bewertungen der Start-ups in den USA seien derzeit sehr hoch. Daher werde im europäischen Ausland nach günstig bewerteten Alternativen gesucht, also nach Start-ups, die ein hohes Wachstumspotenzial erwarten lassen.

Und wie ist die Situation im Bergischen? „Wir haben eine sehr gute Unterstützungsinfrastruktur. Die Gründer- und Technologiezentren leisten hervorragende Arbeit, etwa das Technologiezentrum Wuppertal W-Tec, das Gründer- und Technologiezentrum Solingen und die Gründerschmiede Remscheid. Mit Blick auf die Bergische Universität haben wir im letzten Jahr ein universitätsweites Start-up-Center gegründet, das erfolgreich arbeitet. Hierbei erwarte ich, dass noch zahlreiche spannende Ausgründungen aus unserer Universität heraus erfolgen“, sagt Volkmann.

Die Spitze des Investitionsvolumens sieht Volkmann noch nicht erreicht, die bergischen Start-ups sind gut aufgestellt. Das Schöne an den Gründungsinitiativen sei vor allem, betont sie, „dass bei Erfolg ein Vertrauen entsteht, auf das man aufbauen kann, um zukünftig weitere unternehmerische Projekte im Bergischen gemeinsam umzusetzen“.

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