Tourismus

Camping liegt im Trend – nicht erst seit Corona

In ihrem Betrieb spürt Victoria Pauli deutlich: Urlaub auf vier Rädern wird immer beliebter – und die Gefährte werden luxuriöser. Foto: Michael Schütz
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In ihrem Betrieb spürt Victoria Pauli deutlich: Urlaub auf vier Rädern wird immer beliebter – und die Gefährte werden luxuriöser.

Die Nachfrage ist groß, die Wartezeiten für neue Wohnmobile sind jedoch im Bergischen zurzeit lang.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Camping boomt. Als nahezu einzige Sparte der Tourismus-Branche hat der Urlaub mit Zelt und Wohnmobil während Corona zugelegt. Auch im Bergischen. Doch kaum ist das Interesse groß, grätscht der Mangel an Chips und Rohstoffen dazwischen. „Die Lieferzeiten sind inzwischen extrem“, berichtet zum Beispiel die Remscheider Wohnmobil-Händlerin Victoria Pauli. „Je nach Modell und Hersteller muss man mindestens ein Jahr auf sein Fahrzeug warten.“

Der Camping-Boom in Corona-Zeiten überrascht kaum. Statt Schulter an Schulter im Flieger und Tisch an Tisch im Frühstückssaal des Hotels zu sitzen, haben Camper ihren eigenen Bereich immer dabei. „Man hat einfach weniger Kontakt zu anderen Menschen“, sagt Victoria Pauli, die aber auch betont, dass der Aufschwung lange vor der Pandemie begonnen hat.

„Campingmobile sind über die Jahre viel luxuriöser geworden.“

Victoria Pauli, Wohnmobil-Händlerin

„Das fing so vor fünf Jahren an“, erinnert sie sich. In dieser Zeit seien vermehrt junge Familie zu ihr gekommen. Jahrelang hatte die Branche dafür gekämpft, das leicht miefig-piefige Image abzulegen. Die Campingplätze wurden aufgehübscht, die Fahrzeuge neu designt. „Campingmobile sind über die Jahre viel luxuriöser geworden“, beschreibt Victoria Pauli eine Entwicklung. „Heute haben die meisten zum Beispiel eine vollwertige Dusche.“ Und mit dem veränderten Image kamen die Vorzüge immer besser zur Geltung: „Camping ist gerade mit Familie super“, so Pauli. „Man hat viel mehr Ruhe als im Hotel.“

Davon profitieren auch die Campingplätze, so wie Waldcamping Glüder in Solingen. Inhaber Bastian Liedgens kämpft derzeit zwar noch mit den Folgen des Hochwassers Mitte Juli, kann den Boom aber klar bestätigen: „Wer über ein langes Wochenende oder in den Ferien zu uns kommen will, sollte reservieren.“

Die gestiegene Nachfrage macht Liedgens vor allem in einer bestimmten Altersklasse aus: „Es kommen auf jeden Fall viel mehr jüngere Leute“, hat er beobachtet. Was der Solinger hier vor Ort bemerkt, lässt sich auch bundesweit belegen: Im August 2021 zählte das Statistische Bundesamt fast 9,5 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen. Ein Plus von mehr als 2,2 Millionen Übernachtungen im Vergleich zum August 2013.

Diese Entwicklung ging natürlich auch am Autohaus Pauli nicht spurlos vorbei: „Wir haben deutlich mehr Fahrzeuge verkauft“, berichtet die Geschäftsführerin über die letzten Jahre. Werkstatttermine mussten plötzlich einige Wochen im Voraus gebucht werden. „Und wir haben auch zwei neue Leute eingestellt.“ Corona kam dann noch obendrauf.

Doch inzwischen hat die Branche ähnliche Lieferschwierigkeiten, wie man sie auch von Pkw kennt. Grundsätzlich seien noch Fahrzeuge verfügbar, sagt Victoria Pauli. Zum Beispiel, indem man Vorbestellungen übernimmt. Doch je spezieller der Wunsch, desto kleiner die Chance.

Und da helfen auch keine Beziehungen, wie die Händlerin selbst beweist: „Wir haben unser eigenes Wohnmobil letztes Jahr im Februar bestellt“, weiß Pauli zu berichten. Eigentlich sei eine Lieferung im Oktober angekündigt gewesen. „Jetzt kommt es Ende Juli.“

Auch der Markt für gebrauchte Mobile sei weitgehend leer gefegt, so die Remscheiderin: „Die sind ultra teuer geworden, das ist Wahnsinn.“ Dass die Nachfrage ewig so bleibt, glaubt sie allerdings nicht: „Irgendwann ist der Markt gesättigt.“ Auch weil Wohnmobile meist sehr viel länger genutzt würden als zum Beispiel Pkw.

Was Victoria Pauli nach wie vor in gewohnter Zahl bieten kann, sind Mietfahrzeuge, 26 insgesamt. Die seien auch wichtig, um Urlaub im Camper auszuprobieren, sagt sie: „Wir raten allen Kunden, das erst mal zu testen.“ Schließlich würden die Wohnmobile zwischen 40 000 und 500 000 Euro kosten. „Da sollte man schon wissen, was man möchte und was man braucht.“

Einen wird sie aber selbst damit nicht überzeugen können: Campingplatz-Betreiber Bastian Liedgens freut sich zwar über den Boom, macht selber aber lieber ganz anders Ferien: „Ich sehe ja das ganze Jahr über Camper. Das brauche ich nicht auch noch im Urlaub.“

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