ST-Uni-Vortrag

Brexit hat negative Folgen für ganz Europa

In der Reihe der ST-Uni-Vorträge zeigte Professor Dr. Paul J. J. Welfens von der Bergischen Uni seinen Zuhörern auf, warum der „Brexit aus Versehen“ auch ein Weckruf für die anderen EU-Staaten sein sollte. Foto: Christian Beier
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In der Reihe der ST-Uni-Vorträge zeigte Professor Dr. Paul J. J. Welfens von der Bergischen Uni seinen Zuhörern auf, warum der „Brexit aus Versehen“ auch ein Weckruf für die anderen EU-Staaten sein sollte.

Beim ST-Uni-Vortrag warnte Paul J. J. Welfens vor einem drohenden Verfall der EU. Er ist der meist publizierte deutsche Ökonom.

Von Michael Kremer

Für einen Wirtschaftswissenschaftler dürfte es international kaum spannender zugehen. Der bevorstehende Brexit führt Professor Dr. Paul J .J. Welfens derzeit rund um den Globus. Die Europäer, die Amerikaner, vor allem die Asiaten wollen wissen: Wie verändert sich die Weltbühne, wenn die Briten, wie geplant, zum 29. März 2019 die Europäische Union verlassen? Dagegen wundert sich der Wissenschaftler von der Schumpeter School of Business and Economics zuweilen über die vergleichsweise Gelassenheit bei den Mittelständlern im Bergischen Land.

Warum sie nicht nervös, aber aufmerksam sein sollten, erläuterte der Lehrstuhlinhaber für Makroökonomische Theorie und Politik an der Bergischen Uni am Montag beim dritten der diesjährigen ST-Uni-Vorträge den knapp 50 Zuhörern im Gründer- und Technologiezentrum. „Brexit aus Versehen“ hatte er seinen Vortrag überschrieben. So heißt auch sein jüngstes Buch, das im Internet bereits 36 000 Mal heruntergeladen wurde. Darin gibt Welfens die Hoffnung noch nicht auf, dass die Briten sich noch eines Besseren besinnen und in der EU bleiben.

Auf 50 Prozent schätzt er die Chancen für ein zweites Referendum ein, mit dem die Inselbewohner ihren versehentlichen Brexit revidieren könnten. „Vielen Menschen, die für den EU-Austritt gestimmt haben, sind sich der Folgen gar nicht bewusst gewesen. Vor allem die klassischen Industriearbeiter stehen vor Einkommensverlusten von zwölf oder 14 Prozent“, sagt Welfens.

VORTRAGSREIHE

TERMIN Professor Dr. Paul J. J. Welfens ist der dritte von vier Referenten der ST-Vortragsreihe mit Wissenschaftlern der Bergischen Universität. Nächster Termin: Montag, 11. Juni, 19 Uhr, Professor Dr.-Ing. Benedikt Schmülling zum Thema Elektroautos.

Und was könnte den Deutschen blühen? Großbritannien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU. Für Welfens steht fest: „Wenn ein so großes Clubmitglied geht, bleibt das nicht ohne Folgen.“ Erst recht nicht in Nordrhein-Westfalen. Schon gemessen an seiner Bevölkerungszahl von 18 Millionen wäre NRW ein mittelgroßes Land in Europa. Das achtstärkste Land, um genau zu sein, wenn NRW denn souverän wäre wie die benachbarten Benelux-Staaten. Zu ihnen unterhält die Wirtschaft im Bergischen enge Beziehungen. „Weitaus engere als zum Vereinigten Königreich“, sagt Welfens. Das Problem: Belgien und die Niederlande unterhalten ihrerseits wichtige Beziehungen zu Großbritannien.

Brexit betrifft nicht nur die bergischen Automobilzulieferer

„Und da wird der Brexit wieder wichtig für uns“, erklärt Welfens. Nicht nur für die Automobilzulieferer und den Werkzeugbau im Bergischen Land. Als Beispiel nennt er die Firma Apetito mit Filialen auch im Bergischen. Der Hersteller von Fertigmenüs liefert Zehntausende Mahlzeiten an Kantinen von Unternehmen in den Benelux-Staaten.

Die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen haben den in Deutschland, Frankreich und der Schweiz aufgewachsenen Wissenschaftler stets interessiert. Welfens wurde in Düren geboren. Er studierte in Wuppertal, Duisburg, Berkeley und Paris. Heute gilt er als der international meistpublizierte deutsche Ökonom.

Der Professor warnt vor einem weiteren Zerfall der Staatengemeinschaft. Bedeute ein Abschied von der europäischen Idee doch den Abschied von der Weltbühne. Gegenüber Russland, China und den USA hätten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien als Einzelkämpfer keine Chance. „Wir befinden uns in einer historischen Phase“, sagt der Professor und sieht alle Demokraten in der Pflicht: „Wir müssen Europa erklären und verteidigen.“ Ein Rückfall in Nationalismen habe nur eines zur Folge: „Neue regionale Konflikte, an denen keiner ein Interesse haben kann.“ Doch auch die EU müsse an sich arbeiten und Reformen umsetzen: „Sie muss einfacher, effizienter und bürgernäher werden.“

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