Technologie

Die Blockchain-Revolution hat längst begonnen

Obwohl der Sitz seiner Firma Berlin ist, ist Michael Geike in Remscheid noch fest verwurzelt. Foto: Roland Keusch
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Obwohl der Sitz seiner Firma Berlin ist, ist Michael Geike in Remscheid noch fest verwurzelt.

Michael Geike ist Vorstand der Berliner Advanced Blockchain AG – zu Hause ist er im Bergischen.

Von Sven Schlickowey

Remscheid/ Berlin. Die Blockchain-Revolution hat längst begonnen. Und sie geht weit über Kryptowährungen wie Bitcoin, das wohl bekannteste Anwendungsbeispiel der neuen Technologie, hinaus. Gesteuert und vorangebracht wird diese Revolution auch vom Bergischen aus. Der Remscheider Michael Geike ist Mit-Gründer und Vorstand der Berliner Advanced Blockchain AG. Deren erklärtes Ziel ist es, die Technologie weiterzuentwickeln und für sie neue Anwendungsgebiete zu finden. Jenseits von Bitcoins.

„In einigen Jahren wird ein signifikanter Teil unseres Inlandsprodukts mit auf Blockchain basierenden Techniken erwirtschaftet“, sagt Geike. „Auch wenn die Leute in vielen Fällen gar nicht merken werden, dass das dahinter steckt.“ Die Einsatzmöglichkeiten seien vielfältig – und in den meisten Fällen noch gar nicht entdeckt. „Ich bin überzeugt, dass es keine Industrie gibt, in der Blockchain nicht einen Fußabdruck hinterlassen wird.“

Seit 2012 beschäftigt sich Geike mit der Technologie. „Ich habe früh gemerkt, dass es sich dabei um etwas Revolutionäres und Einzigartiges handelt“, erinnert er sich. Damals arbeitete der ehemalige Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums nach seinem Mathematik-Studium in England als Investmentbanker bei JP Morgan.

Nach einer weiteren Station beim Online-Modehändler Zalando und der Geburt ihres zweiten Kindes zog es Michael Geike und seine Frau, die auch aus Remscheid stammt, zurück in die Heimat, wo Geike bei Obi anheuerte. 2017 gründete er schließlich seine heutige Firma, um sich ganz dem Thema Blockchain zu widmen.

Dahinter verbergen sich stetig erweiterbare Datensätze, die so miteinander verbunden sind, dass sie aufeinander aufbauen und jeweils die Berechnungen der vorherigen bestätigen. So können die Daten dezentral gespeichert werden, was unter anderem vor Datenverlust schützt, und sind trotzdem sicher vor Manipulation. Jede nachträgliche Veränderung würde durch die Verkettung auffallen. Bei Bitcoins ersetzt das etwa die Garantien, die bei klassischen Währungen eine Zentralbank gibt.

In der Industrie könnte Blockchain eingesetzt werden, um Lieferketten zu überwachen, sagt Michael Geike. So könnte an jedem Punkt der Kette jede Veränderung dokumentiert werden, transparent und manipulationssicher. Statt „nur“ auf gegenseitiges Vertrauen würde sich eine Geschäftsbeziehung dann auch auf belastbare Daten stützen. „Das könnte auch kleineren Lieferanten den Zugang zum Markt ermöglichen und ihn fairer machen“, so Geike. Weil in diesem System Qualität wichtiger sei als Beziehungen. „Mehr Teilnehmer bedeuten meist auch, dass es effizienter und günstiger wird.“

Weitere mögliche Anwendungsgebiete für Blockchain sehen Experten in der Vermeidung von Geldwäsche und bei der Speicherung von Gesundheitsdaten. Oder im sogenannte Identitätsmanagement. So wickele eine der zu Advanced Blockchain gehörenden Firmen gerade ein großes Projekt mit dem japanischen Kommunikationsunternehmen NTT Data ab, berichtet Geike.

Dabei soll ein neues System erstellt werden, das den Zugang zu den Rechenzentren des Unternehmens regelt, physisch zu den Gebäuden wie auch digital zu den Daten. „Wenn da mal etwas schief geht, kann man in Bruchteilen von Sekunden sehen, wer da was gemacht hat“, nennt Geike einen Vorzug. „Weil alle Daten total strukturiert vorliegen.“

„Ich bin überzeugt, dass es keine Industrie gibt, in der Blockchain nicht einen Fußabdruck hinterlassen wird.“
Michael Geike, Vorstand der Advanced Blockchain AG

Obwohl sich die ersten Projekte der Advanced Blockchain AG bereits in der praktischen Umsetzung befänden, liege noch viel unentdecktes Land vor dem Unternehmen, macht Michael Geike deutlich: „Wie der Markt mal aussehen wird, weiß heute noch keiner.“ Ideen gebe es viele. Und Geike und seine Leute entwickeln ständig neue – während sie parallel andere in der Praxis umsetzen.

Und das, zumindest teilweise, auch vom Remscheider Homeoffice aus. „Die ganze Branche ist sehr dezentral aufgestellt“, sagt Michael Geike. Deswegen sei die Entfernung zwischen dem Wohnort Remscheid und dem Firmensitz Berlin für ihn ein überschaubares Problem. „Ich lebe gerne im Bergischen“, sagt er. Trotzdem sei es auch wichtig, regelmäßig in Berlin zu sein: „Da bekommt man noch mal ganz andere Innovationsimpulse.“

Und auf die ist Geike in einer solch dynamischen Branche, deren Entwicklung noch am Anfang steht, angewiesen. „Es bleibt extrem spannend“, sagt er. Die Blockchain-Revolution hat längst begonnen. Zu Ende ist sie noch lange nicht.

Bitcoin

Der Begriff Bitcoin setzt sich aus den Worten Bit, eine elektronische Speichereinheit, und Coin, das englische Wort für Münze, zusammen. Demzufolge handelt es sich bei Bitcoin um eine digitale Währung, die unabhängig von Banken und Staaten ist. Die Geschichte der Kryptowährung geht auf das Jahr 2008 zurück. Wer hinter dem Konzept steckt, ist bis heute unbekannt.

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