Waren kommen nicht an

Die Brexit-Folgen sind im Bergischen Land deutlich zu spüren

Bei der Einfuhr von Waren aus der EU nach Großbritannien kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Die Solinger Firma Östling berichtet von einem Paket, das vier Monate unterwegs war. Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa
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Bei der Einfuhr von Waren aus der EU nach Großbritannien kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Die Solinger Firma Östling berichtet von einem Paket, das vier Monate unterwegs war.

Warensendungen sind häufig lange unterwegs – Unsicherheiten auf britischer Seite

Bergisches Land. Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich vorläufig in Kraft getreten ist. Anfang des Jahres war die Erleichterung groß, dass sich die Verhandlungspartner in letzter Minute einigen konnten. Doch die Auswirkungen des Brexits spüren einige Unternehmen auch im Bergischen Land weiter deutlich. „Es ist schon besser geworden, an einigen Stellen hat es sich aber noch immer nicht richtig eingependelt“, erklärt Melanie Klingler. Sie ist Referentin für Außenwirtschaft bei der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK).

Die Probleme sieht sie eher auf britischer Seite. Während sich die hiesigen Betriebe in Erwartung eines harten Brexits frühzeitig auf die bürokratischen Folgen eingestellt haben, herrsche jenseits des Ärmelkanals häufig noch Chaos. Das sei etwa bei der Zollabfertigung der Fall. „Es werden Pakete zurückgeschickt, weil angeblich die nötigen Dokumente fehlen. Es wurde aber einfach nicht richtig hingeguckt“, beschreibt Klingler einen Fall.

Unsicherheiten auf britischer Seite sind groß

Eine Firma, die häufig Waren nach Großbritannien liefert, ist die Solinger Küchenprofi GmbH. Rund 30 Pakete mit Küchenartikel gehen pro Monat an Einzel- und Großhändler auf der Insel. „Im Grunde klappt gar nichts gut“, findet Exportleiterin Claudia Kaldasch deutliche Worte. Das zeit- und dadurch kostenintensive Ausfüllen der Formulare ist nicht der einzige Haken.

Auch Kaldasch hat festgestellt, dass die Unsicherheiten vorrangig auf britischer Seite groß sind. Vor allem kleine Kunden haben Schwierigkeiten, die neuen Vorgaben umzusetzen. Unter anderem müssen sie die anfallenden Einfuhrgebühren an den Paketdienstleister entrichten, sonst bleibt die Sendung im Depot. „Wir sind immer froh, wenn ein Paket nicht zurückkommt“, sagt Kaldasch.

Von einem Extrembeispiel, wie lange Waren bisweilen unterwegs sind, berichtet Nadine Neumann. Eine Rücksendung, die im Januar verschickt wurde, ist erst im Mai angekommen. „Die scheint, zwischenzeitlich verloren gegangen zu sein“, sucht sie nach einer Erklärung. Doch auch abseits dieses Beispiels lasse sich festhalten, dass der Brexit die Prozesse deutlich verlängert habe. Neumann ist Assistentin der Geschäftsführung bei der Östling Marking Systems GmbH. Die Firma mit Sitz an der Broßhauser Straße in Solingen hat eine Niederlassung im englischen Stafford. Die im Bergischen gebauten Markiersysteme müssen dorthin verschickt, um in Großbritannien vertrieben zu werden.

Autoindustrie hat bislang keine negativen Erfahrungen mit dem Brexit gemacht

Durchaus gibt es aber auch Firmen, die bislang keine negativen Erfahrungen mit den Folgen des Brexit-Abkommens gemacht haben. Das gilt beispielsweise für Oerlikon Barmag. Laut Sprecher André Wissenberg liefert das Unternehmen vorwiegend Zahnradpumpen, die vor allem im Automotive-Bereich eingesetzt werden, ins Vereinigte Königreich. „Der Brexit hatte für uns bislang in beide Richtungen (Im- und Export) kaum Auswirkungen, die nicht durch partnerschaftliche Lieferanten- und Kundenverträge gelöst werden konnten“, erklärt Wissenberg. Logistischen Herausforderungen stellen sich demnach die Spediteure, mit denen Oerlikon kooperiert.

Melanie Klingler bestätigt, dass die Schwierigkeiten je nach Spedition oder Paketdienstleister schwanken. Sie hofft, dass sich die Prozesse in den kommenden Monaten einspielen. Derweil wartet bereits die nächste Herausforderung. Aktuell häufen sich Anfragen zur UKCA-Kennzeichnung. Diese ersetzt das CE-Zeichen auf dem britischen Markt. „Viele Unternehmen beschäftigt, ob sie die Kennzeichnung benötigen, woher sie die kriegen und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind.“

Abkommen

Das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich ist am 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft getreten. Ende April dieses Jahres hat das Europäische Parlament seine Zustimmung gegeben, weshalb die Vereinbarung seit dem 1. Mai endgültig in Kraft ist. Die vorangegangenen Verhandlungen erstreckten sich über ungefähr ein Jahr.

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