Landesprogramm

So möchten Betriebe pflegenden Angehörigen helfen

Für die Accuride Wheels Solingen GmbH nahm Stefanie Voß die Charta von Staatssekretär Edmund Heller entgegen. Sie ist einer von zwei Pflege-Guides des Räderherstellers. Foto: Servicezentrum Pflegevereinbarkeit
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Für die Accuride Wheels Solingen GmbH nahm Stefanie Voß die Charta von Staatssekretär Edmund Heller entgegen. Sie ist einer von zwei Pflege-Guides des Räderherstellers.

Drei Unternehmen aus der Region nehmen an einem Landesprogramm zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege teil.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Sechs Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland pflegen regelmäßig einen Angehörigen – mindestens. Angesichts des kontinuierlich wachsenden Anteils pflegebedürftiger Menschen dürfte dieser Wert in den kommenden Jahren ansteigen. Und damit die Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Genau dieses Thema rückt das Land Nordrhein-Westfalen mit einem Programm in den Fokus. Teil dessen ist eine Selbstverpflichtung für Arbeitgeber, erarbeitet von Unternehmer NRW und dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Drei Betrieben aus der Region wurde diese Charta jüngst verliehen: der Bäckerei Evertzberg, dem Remscheider Sana-Klinikum und der Accuride Wheels Solingen GmbH.

Claudia Prinz (l.), Feel-Good-Managerin und Pflege-Guide, Geschäftsführer Thomas Bischzur sowie Pflege-Guide Yvonne Ende freuen sich über die Auszeichnung für die Bäckerei Evertzberg.

Das Landesprogramm verfolgt vorrangig zwei Ziele. Mit einer Erleichterung der Situation für betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer soll ein Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet werden. Denn Angehörige zu pflegen, wirke sich immer wieder in Form von steigenden Krankheitstagen, Teilzeitwunsch oder Kündigungen aus.

„Das sind Dinge, die häufig unter der Oberfläche laufen.“

Thomas Bischzur, Evertzberg Geschäftsführer

„Ich freue mich sehr, dass ich die ersten Betriebe auszeichnen konnte, die sich auf die Fahne geschrieben haben, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Pflege von Angehörigen neben dem Beruf zu erleichtern“, erklärt Staatssekretär Edmund Heller in einer Mitteilung. Das Programm biete Unternehmen unter anderem die Möglichkeit, Beschäftigte kostenfrei zu sogenannten Pflege-Guides qualifizieren zu lassen. Sie erhalten das nötige Fachwissen und Know-how, um für pflegende Kolleginnen und Kollegen als Ansprechpartner zu fungieren.

Stefanie Voß hat die dreiteilige Ausbildung mit einem Kollegen durchlaufen. Sie ist Personalleiterin bei der Accuride Wheels Solingen GmbH. Die Pflege Angehöriger spielt auch für viele Beschäftigte des Räderherstellers eine Rolle, bestätigt sie. Dabei gehe es einerseits um akute Probleme, wenn beispielsweise Verwandte von heute auf morgen pflegebedürftig werden. Oftmals beobachtet Voß zudem etwas, das sie „schleichende Pflege“ nennt: „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen zum Beispiel ihren Eltern bei alltäglichen Herausforderungen im Haushalt, bei Behördengängen oder Einkaufen.“ Bei verschiedenen Herausforderung dieser Art können die Pflege-Guides Tipps geben. „Wir unterstützen bei der Suche nach Möglichkeiten und Anlaufstellen“, nennt Stefanie Voß Beispiele.

Sana-Geschäftsführerin Svenja Ehlers hat die Charta empfangen. Sie sieht das Landesprogramm als gute Möglichkeit, das Krankenhaus als familienfreundlichen Arbeitgeber auszuweisen.

Die Qualifizierung der Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner hat die AOK übernommen. Wie Accuride hat die Krankenkasse auch die Remscheider Bäckerei Evertzberg GmbH & Co. KG auf das Programm „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ aufmerksam gemacht. „Wir setzen seit vielen Jahren Projekte mit der AOK um, dieses ergänzt unser Angebot sehr gut“, betont Thomas Bischzur. Der Evertzberg-Geschäftsführer hat festgestellt, dass viele Kolleginnen und Kollegen die Pflege Angehöriger kaum thematisieren. „Das sind Dinge, die häufig unter der Oberfläche laufen.“

Das soll sich ändern. Deshalb planen die Verantwortlichen eine Umfrage innerhalb der Belegschaft, um den Bedarf zu erfassen. Bereits jetzt sei großes Interesse erkennbar, erzählt Bischzur. Fortan sei das Ziel, Betroffene mit Hilfe der beiden Pflege-Guides zu unterstützen. Dabei gehe es in erster Linie um die Frage, wie sich Arbeits- und Pflegezeit unter einen Hut bringen lassen. „Der Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit pflegender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein Ziel für eine familienfreundliche Personalpolitik“, betont Thomas Bischzur. Dabei müsse man beachten, dass jede Pflegesituation und die damit einhergehenden Bedürfnisse individuell sind. Deshalb seien Sicherheit und Flexibilität für die Betroffenen notwendig.

16 Betriebe aus Nordrhein-Westfalen haben die Charta verliehen bekommen, knapp 50 Pflegeguides wurden bislang ausgebildet. Zwei von ihnen sind im Remscheider Sana-Klinikum tätig. Sie stehen ihren Kolleginnen und Kollegen nicht nur bei Rückfragen zur Verfügung. Teil ihres Aufgabenfeldes ist es, günstige Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu schaffen.

Diesbezüglich habe das Sana-Klinikum bereits in den vergangenen Jahren „viele Anstrengungen unternommen“, betont Geschäftsführerin Svenja Ehlers. Dies werde mit der Verleihung der Charta gewürdigt. Zudem entwickle die Teilnahme am Landesprogramm Strahlkraft, „um sich als familienfreundlicher Arbeitgeber auszuweisen und damit neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzusprechen“.

Hintergrund

Das Landesprogramm „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ richtet sich an Unternehmen, Behörden und Organisationen, die dem Thema verstärkt Aufmerksamkeit widmen möchten. Die Teilnahme ist kostenfrei und kann beim Servicezentrum Pflegevereinbarkeit angefragt werden. Dieses ist im Kuratorium Deutsche Altershilfe eingerichtet.

www.berufundpflege-nrw.de

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