Frühjahrsuntersuchung

Bergischer Mittelstand blickt verunsichert in die Zukunft

Ole Kirschner von der Creditreform. Archivfoto: Christian Beier
+
Ole Kirschner von der Creditreform.

Fast 90 Prozent der Unternehmen berichten von gestiegenen Bezugspreisen.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Die Wirtschaft in der Region erlebt unruhige Zeiten. Zwar seien die vergangenen sechs Monate erholsam gewesen. Trotzdem blicken viele Betriebe sorgenvoll auf das kommende Halbjahr. Diesen Schluss zieht Ole Kirschner. Er ist Geschäftsführer der Solinger Creditreform. Die Wirtschaftsauskunftei hat in dieser Woche die Ergebnisse ihrer Frühjahrsuntersuchung zur Wirtschaftslage im Mittelstand vorgestellt.

Die Befragung fand zwischen Ende März und Mitte April statt, also nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Teilgenommen haben 250 mittelständische Betriebe mit zehn bis 500 Mitarbeitern aus den Großstädten Solingen, Remscheid und Leverkusen sowie deren Umgebung. Mehr als drei Viertel der antwortenden Unternehmen weisen maximal 50 Beschäftigte auf.

Der Blick auf das zurückliegende Halbjahr ist geprägt von der sich allmählich entspannenden Corona-Krise. 64,8 Prozent der Firmen bewerten ihre Auftragslage als „gut“ oder „sehr gut“. In nur 2,3 Prozent der Fälle wurde „mangelhaft“ angegeben. In Schulnoten ausgedrückt ergibt sich für die Region damit durchschnittlich eine 2,2 nach einer 2,3 im Vorjahr. Positiv sticht der Bausektor mit einer Bewertung von 1,6 heraus, die Industrie ist das Schlusslicht mit 2,6.

21,6 Prozent erwarten positive Geschäftsentwicklung

„Der Mittelstand blickt verunsichert auf die kommenden sechs Monate“, erklärt Ole Kirschner. Dafür gebe es viele Gründe, beispielsweise die allgemeinen Kostensteigerungen, Inflation, Fachkräftemangel sowie die Auswirkungen des Krieges in Osteuropa. 21,6 Prozent der Betriebe erwarten im kommenden Halbjahr eine positive Geschäftsentwicklung. Vor einem Jahr lag der Wert noch mehr als doppelt so hoch. 54,5 Prozent gehen von einem stagnierenden Geschäft aus, 23,9 Prozent fürchten Rückgänge. Letzteres hatte vor einem Jahr niemand angegeben.

„Wir erleben momentan ein etwas wirres Gesamtumfeld“, beschreibt Ole Kirschner. Ablesbar sei das unter anderem an den derzeitigen Preisentwicklungen. In der Creditreform-Umfrage gaben 87,6 Prozent der Teilnehmer an, dass ihre Bezugspreise in den zurückliegenden sechs Monaten gestiegen seien. Bei 71,9 Prozent zogen auch die Angebotspreise mit, in Bauwirtschaft und Industrie sogar bei neun von zehn Unternehmen.

„Das geschieht oftmals zum Leidwesen der Verbraucher“, sagt Kirschner. In diesem Jahr dürfte sich an der Entwicklung nicht viel verändern. 77,3 Prozent der Betriebe gaben an, in der nächsten Zeit auf eine weitere Steigerung ihrer Angebotspreise zu hoffen.

Trotz der schwierigen Situation gibt es auch positive Aussichten. So planen 31,8 Prozent der Betriebe, neue Stellen zu schaffen. Mit einem Abbau rechnen lediglich 2,3 Prozent. Diese Werte sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben. Gleiches gilt für geplante Investitionsvorhaben: Diese existieren bei mehr als der Hälfte der Befragten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Im Juni soll Leben in die Prinzenstraße einkehren
Stiftung Warentest: Solinger Messer bei den besten
Stiftung Warentest: Solinger Messer bei den besten
Christine Kelch ist Chefin bei Triangle
Christine Kelch ist Chefin bei Triangle
Christine Kelch ist Chefin bei Triangle

Kommentare