Recycling

Aus bergischem Müll werden wertvolle Metalle

Die Schlacke wird in der Wuppertaler Wiederaufbereitungsanlage über zahlreiche Förderbänder unter Magneten und durch Handsortierungen geführt und mehrfach gesiebt, um die verwertbaren Metalle herauszufiltern. Foto: AWG
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Die Schlacke wird in der Wuppertaler Wiederaufbereitungsanlage über zahlreiche Förderbänder unter Magneten und durch Handsortierungen geführt und mehrfach gesiebt, um die verwertbaren Metalle herauszufiltern.

Die Wuppertaler Müllverbrennungsanlage holt Millionen aus der Schlacke.

Von Eike Rüdebusch

Bergisches Land. Müll ist nicht gleich Müll. Und verbrannter Müll ist nicht nur Asche. Das wird deutlich an der Wuppertaler Müllverbrennungsanlage, an deren Betreibergesellschaft AWG auch die Stadtwerke Remscheid und die Stadt Remscheid beteiligt sind. Die produziert nämlich nicht Fernwärme, also Energie, sondern filtert auch etwa 12 000 Tonnen wiederverwertbare Metalle aus dem verbrannten Müll.

2019 wurden 9234 Tonnen Eisenschrott aus der Schlacke gefiltert, 2931 Tonnen Nicht-Eisenmetalle. Das Ganze ist sowohl für die Umwelt als auch für die Bürger ein Gewinn. Denn erstens können Metalle, deren Produktion CO2- und ressourcenintensiv ist, so weiterverarbeitet werden. Zweitens werden durch den Verkauf Gewinne gemacht, die für niedrigere Müllgebühren sorgen. Pro Jahr werden so rund drei Millionen Euro erlöst.

6,5 Millionen Euro in die Anlage investiert

Die Abfallwirtschaftsgesellschaft AWG hat dafür die Wertstoffverwertung Wuppertal (WVW) gegründet. 2014 wurde die Anlage modernisiert und gilt seitdem als eine der modernsten in Europa. Das sagen nicht nur die AWG und WVW, sondern auch das Wuppertal Institut. Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft, bestätigt, dass bei der Anlage in Wuppertal „extrem viel herausgeholt wird“.

Frank Schlenz, Geschäftsführer der WVW, erzählt, man habe die Schlacke analysiert und damals festgestellt, dass viele Metalle, die man prinzipiell verwerten könnte, nicht herausgefiltert wurden. Darum habe man damals modernisiert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Jürgen Reese sagt, es sei ein „mutiger Schritt gewesen“, weil es ja auch um hohe Investitionen ginge. Immerhin 6,5 Millionen Euro wurden in Anlage, Halle, Sozialgebäude, Baumaschinen, Tankstelle und Geländeprofilierung gesteckt. Aber die Schlackeaufbereitung sei ein Erfolgsmodell. Nicht nur wegen der Finanzen. Außerdem sei das System effektiver, als die Metalle vor der Müllverbrennung auszusortieren. Durch die Verbrennung vor dem Sortieren könne man danach sortenreine Metalle filtern - ohne Verbundstoffe.

Die AWG bekommt im Jahr aus dem gesamten Eco City Verbund 400 000 bis 430 000 Tonnen Müll. Nach der Verbrennung – „thermische Behandlung“ genannt – bleiben 100 000 bis 110 000 Tonnen Schlacke übrig. In einer offenen Lagerhalle wird die erst einmal getrocknet, damit sie besser zu sieben ist. Das dauert etwa zwei bis drei Wochen. Dann geht der Siebprozess los.

Für die Eisenmetalle bedeutet das, dass die Schlacke über 53 Förderbänder unter sieben Magneten hindurch und durch zwei Handsortierungen geführt wird. Es gibt insgesamt sieben Siebprozesse, erklärt Schlenz. Im Monat werden so etwa 25 bis 40 Tonnen Felgen, Bleche oder Baustellenabfälle sortiert, der Grobschrott. Hinzu kommen 600 bis 1000 Tonnen Mittelschrott (bis zu einer Größe von 400 Millimeter) und 30 bis 40 Tonnen Nagelschrott.

Dazu kommen die Buntmetalle – Kupfer, Messing, Zinn, Aluminium. Die werden per Hand aussortiert. Oder, weil sie nicht magnetisch sind, mit sogenannten Wirbelstromabscheidern. Die laden die Metalle auf, um sie dann aussortieren zu können. Vor der Modernisierung gab es davon zwei auf Korzert, inzwischen sind es sieben. Die WVW sortiert so im Monat circa 20 Tonnen an Edelstahltöpfen und Pfannen aus, sechs bis sieben Tonnen an Alupfannen und -töpfen und 15 bis 20 Tonnen an Elektromotoren – etwa aus Spielzeug, elektrischen Zahnbürsten oder auch Kühlschränken.

Weil Kupfer und Aluminium nicht immer sauber herausgefiltert werden können, werden Nicht-Eisen-Mineral-Gemische weiterverkauft und dann andernorts aufbereitet und weiterverwertet. Um das selbst zu leisten, sind laut Schlenz die Mengen nicht groß genug. Trotzdem nimmt die VWV 3 bis 3,5 Millionen Euro im Jahr aus den Verkäufen ein. Geld, das in die Kalkulation für die Müllgebühren einfließt und diese niedriger hält.

Für Henning Wilts vom Wuppertal Institut ist die Anlage auch ein Plus an Nachhaltigkeit. Durch die Verwertung recycelter Metalle könne viel CO2 gespart werden, das bei der Gewinnung aus Erzen sonst entstehen würde. „Noch schöner wäre es, wenn die Metalle nicht im Restmüll landen würden“, sagt er. Aber das liege nicht an der AWG.

Hintergrund

EcoCity ist ein Abfallzweckverband, dem neben Remscheid und Wuppertal noch Bochum, der EN-Kreis, Herne, der Kreis Mettmann, der Kreis Recklinghausen und der Regionalverband Ruhr angehören, alle haben sich dem Verband bis mindestens 2033 verpflichtet. Entsorgt wird der Müll von mehr als 2,4 Millionen Bürgern.

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