Übernahme

Bergische Kooperation sichert Arbeitsplätze

Antonia und Jörg Ramme treiben den Expansionskurs von Dr. Franke voran.
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Antonia und Jörg Ramme treiben den Expansionskurs von Dr. Franke voran.

Solinger Unternehmen Dr. Franke übernimmt Remscheider Firma ALGRO.

Bergisches Land. Es ist eine bergische Kooperation: Die Solinger Dr. Franke GmbH & Co. KG übernimmt die Remscheider Alfred Großsteinbeck Werkzeugfabrik GmbH & Co. KG (ALGRO). Begleitet wurde das Sanierungsverfahren von Dr. Jens Schmidt. Der Insolvenzverwalter ist bei der Wuppertaler Kanzlei Runkel tätig.

Seit dem 24. Februar befand sich ALGRO in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Der Lüttringhauser Betrieb ist auf Schlösser und Schließsysteme für die deutsche Automobilindustrie spezialisiert – als Direktzulieferer. Nach der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs initiierte der Insolvenzverwalter eine Investorensuche. „Die bisherige Gesellschafterfamilie, die seit 1926 Eigentümer des Unternehmens war, hat während des Prozesses an der Sanierung mitgewirkt“, heißt es in einer Mitteilung.

Jörg Ramme ist die Schieflage von ALGRO nicht verborgen geblieben. Der Geschäftsführer von Dr. Franke nahm Kontakt zum Insolvenzverwalter auf und erhielt die Möglichkeit, das Remscheider Unternehmen „bis ins Detail zu analysieren“. Zudem habe er, „die Handlungsbedarfe auf Augenhöhe mit den Kunden“ diskutiert. Dabei habe man eine „einvernehmliche Regelung zur Weiterbelieferung“ erzielt. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Ramme optimistisch, was die Zukunft des Standorts angeht. Dr. Franke hat alle 28 Mitarbeiter in Lüttringhausen übernommen.

Die Solinger befinden sich auf Expansionskurs. Bereits im Oktober 2020 hat der Spezialist für Stanz- und Umformtechnik die Fichthorn GmbH & Co. KG mit ihren knapp 40 Beschäftigten gekauft. Der Schwelmer Betrieb sollte mangels Nachfolge schließen.

Für die Übernahme seien mehrere Aspekte ausschlaggebend gewesen, blickt Jörg Ramme zurück. Zum einen sei Dr. Franke an seinem Hauptsitz, der Brühler Straße in der Klingenstadt, an räumliche Grenzen gestoßen. Zum anderen erweitere Metallverarbeiter Fichthorn das Angebot mit höherer Presskraft, einer hausinternen Roboterschweißanlage – und neuen Kunden. Letzteres habe auch für die ALGRO-Übernahme gesprochen.

Grundsätzlich sei in der Branche ein Trend zur Zentralisierung festzustellen, berichtet Rammes Tochter Antonia. Kleinen Zuliefererbetrieben falle es zunehmend schwer, den Anforderungen der Global Player gerecht zu werden.

Weitestgehend sollen sich die drei Firmenstandorte autark auf ihre Stärken konzentrieren, erklärt Jörg Ramme. Dennoch spiele Bündelung eine Rolle. So befinden sich etwa weite Teile der Verwaltung ebenso in Solingen wie der Werkzeugbau für alle Niederlassungen. Knapp 100 Menschen beschäftigt Dr. Franke in der Klingenstadt.

30 Prozent der Kunden verteilen sich auf verschiedene Industriezweige, darunter Elektro, Sanitär, Beschläge, Werkzeug und Kosmetik. Wichtigster Abnehmer für Produkte von Dr. Franke ist mit rund 70 Prozent jedoch die Automobilindustrie. Kein einfaches Pflaster, vor allem in der Corona-Pandemie. Dennoch sei das Unternehmen alles in allem gut durch die Krise gekommen, betont der Geschäftsführer. „Durch Flexibilität kann man viel ausgleichen“, betont die 28-jährige Antonia Ramme, die als Assistenz der Unternehmensleitung fungiert und für Personal verantwortlich ist.

Das sei bislang gelungen – und soll es auch in Zukunft. „Unser Vorteil ist, dass wir nicht von einzelnen Kunden oder Fahrzeuggruppen abhängig sind“, sagt Jörg Ramme. Zudem sei Dr. Franke im Automotive-Bereich auf Bauteile spezialisiert, die unabhängig von der Antriebsart benötigt werden. Das sei ebenfalls wichtig für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens.

Die sieht Ramme von den gesamtwirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen nicht gefährdet. So habe der Krieg in der Ukraine mit all seinen Konsequenzen ihn nicht von seinen Übernahmeplänen für ALGRO abgebracht. „Jede Krise bietet Chancen“, ist der 63-Jährige überzeugt. Diese möchte er mit breiterem Angebot und neuen Kunden nutzen.

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