Immobilien

Beamten-Bauverein plant Siedlung der Zukunft

Karin Spiewak-Berg präsentiert die vielen Ideen zur Siedlung der Zukunft.
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Karin Spiewak-Berg präsentiert die vielen Ideen zur Siedlung der Zukunft.

Genossenschaft hat sich intensive Gedanken über nachhaltiges Modernisieren gemacht.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Wie wollen wir in Zukunft wohnen? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit wohl alle Akteure auf dem Immobilienmarkt. Der Beamten-Wohnungsbauverein Solingen möchte nicht nur darüber nachdenken, sondern ein Pilotprojekt schaffen. Beim Umbau der Siedlung Nachtigallenweg sollen Ökonomie, Ökologie und moderne Lebens- und Arbeitsverhältnisse Berücksichtigung finden. „Es ist dringend notwendig, dass wir uns auf den Weg in Richtung Stadt der Zukunft machen“, ist Karin Spiewak-Berg überzeugt.

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die Solingerin für die Genossenschaft, Mitte der 1990er Jahre wurde sie Vorstandsvorsitzende. Der Bauverein bewirtschaftet 190 Häuser mit 813 Wohnungen in der Klingenstadt. Im vergangenen Jahr flossen 2,1 Millionen Euro in Modernisierung und Instandhaltung, der Überschuss lag bei 938 000, der Bilanzgewinn bei 17 000 Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei 53 Prozent.

„Ich habe mich viel damit beschäftigt, wie wir zukünftig bauen“, erklärt Spiewak-Berg. Dieser Frage wollte sie jedoch nicht alleine auf den Grund gehen. Deshalb holte sie Benedict Baumung ins Boot. Der 19-Jährige absolviert derzeit seine Ausbildung zum Immobilienkaufmann bei der Genossenschaft. „Die junge Generation hat das Recht, dass wir sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen – und sie ein Wörtchen mitreden dürfen“, sagt die Vorstandsvorsitzende.

Also begann Baumung mit der Recherche. Einerseits sammelte er Informationen zum Klimawandel, über nachhaltiges Bauen. Andererseits ließ er in seine Überlegungen einfließen, welche Ansprüche ans Wohnen junge Menschen heutzutage stellen. Seine Erkenntnisse trug er auf Stellwänden zusammen. Sie stehen in der Geschäftsstelle des Wohnungsbauvereins an der Solinger Beckmannstraße.

Ich kann nicht sanieren wie früher – das wäre ein Verbrechen.

Karin Spiewak-Berg, Vorstandsvorsitzende

Das Konzept soll bald den Mietern am Nachtigallenweg vorgestellt werden. Einige Eckpunkte sind Karin Spiewak-Berg besonders wichtig. Da ist zum einen die Energieversorgung. Seit etwa 15 Jahren arbeite die Genossenschaft mit Erdwärme und Luft-Wärme-Pumpen. Auch Photovoltaik spielt in den Plänen eine Rolle. Zudem ist vorgesehen, Autos weitestgehend aus dem Zentrum der Siedlung zu verdammen. Der Raum soll anderweitig, etwa für Grünflächen, genutzt werden. Für diesen Schritt brauche es gleichzeitig neue Angebote für Mikromobilität innerhalb des Quartiers. „Ich kann nicht sanieren wie früher – das wäre ein Verbrechen“, betont die Solingerin. Autarkie und möglichst langlebige Immobilien seien Ziele: „Ein Wunsch ist, weitestgehend Material zu nutzen, das wiederverwendbar ist.“

Derzeit umfasst die Siedlung 27 Häuser mit 159 Wohneinheiten. 60 neue Wohnungen sollen entstehen, vornehmlich durch Aufstockung der bestehenden Immobilien, um keine weiteren Flächen zu verbrauchen. Ob einzelne Häuser durch Neubauten ersetzt werden, stehe noch nicht fest.

Das Projekt ist langfristig angelegt. Ein Objekt wurde bereits modernisiert. Zukünftig sollen drei bis vier pro Jahr folgen, so dass die vollständige Siedlung in acht bis neun Jahren auf dem neuesten Stand sein könnte. Investitionen von zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr sind dafür notwendig, schätzt Karin Spiewak-Berg.

Auch an der Guntherstraße hat der Beamten-Wohnungsbauverein vor einigen Jahren energetisch saniert. Eine Mieterhöhung ging damit nicht einher. Vielmehr gab es eine Einigung mit den Mietern, dass die gesparten Heizkosten an die Genossenschaft zurückfließen. „Dort haben wir gezeigt, dass das Vorgehen funktioniert und sich rechnet.“

Hintergrund

Regiebetrieb: Der Beamten-Wohnungsbauverein verfügt über einen eigenen Regiebetrieb. Er besteht aus 18 Handwerkern, darunter Elektriker, Installateure, Maurer und Maler. „Gerade in der aktuellen Situation ist das ein riesiger Vorteil“, betont die Vorstandsvorsitzende Karin Spiewak-Berg. Die Verfügbarkeit von Handwerkern sei für die Genossenschaft kein Problem, sie könne schnell auf Probleme reagieren.

Miete: Die durchschnittliche Miete der Genossenschaft liegt bei 6,03 Euro pro Quadratmeter.

www.bauverein.net

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