Beruf

Azubi-Suche: Kleine Unternehmen bieten Vorteile

Gerda Becker (stehend), hier bei einem Vortrag über das Projekt, möchte mit „Betriebliche Ausbildung in Bewegung“ kleine Unternehmen im gesamten Bergischen Land unterstützen. Foto: Roland Keusch
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Gerda Becker (stehend), hier bei einem Vortrag über das Projekt, möchte mit „Betriebliche Ausbildung in Bewegung“ kleine Unternehmen im gesamten Bergischen Land unterstützen.

Projekt „Betriebliche Ausbildung in Bewegung“ unterstützt Firmen bis 49 Mitarbeiter.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Fachkräftesicherung – das ist doch was für die Großen, könnte man meinen. Doch die Statistik sagt etwas anderes. Zwar nahm der Anteil großer Betriebe beim Thema Ausbildung in den vergangenen Jahren zu, doch heute noch absolvieren vier von zehn Azubis ihre Lehre bei Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Solche Ausbildungsbetriebe zu unterstützen, das ist das Ziel des Projekts „Betriebliche Ausbildung in Bewegung“, das sich von Remscheid aus um das Bergische kümmert.

Dabei agieren Gerda Becker und Daniela Blum, die das Projekt am Remscheider BZI (Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie) betreuen, als eine Art Bindeglied zwischen Firmen und Bewerbern. Sie überzeugen Betriebe, die gar nicht ausbilden oder es lange nicht mehr getan haben, Ausbildungsplätze einzurichten, klären über rechtliche Rahmenbedingungen auf und besorgen auch Fördermittel. Vor allem aber helfen sie kleineren Unternehmen, die richtigen Azubis zu finden.

„Es ist fest in den Köpfen verankert, dass die geringe Betriebsgröße negativ ist.“
Gerda Becker, Projektbetreuerin

Denn viele Bewerber wollen gerne zu großen, bekannten Firmen. „Wenn ich mich in Remscheid mit jungen Leuten unterhalte, die Zerspaner werden wollen, sagt jeder dritte, er wolle zu Vaillant“, nennt Becker ein Beispiel. „Es gibt aber auch kleinere Unternehmen, die das ausbilden – und das gar nicht mal schlecht.“

Das Problem sei eher ein Image-Problem, sagt Becker: „Es ist fest in den Köpfen verankert, dass die geringe Betriebsgröße negativ ist.“ Deswegen würden sich Bewerber für große Arbeitgeber entscheiden. Und sich die Kleineren teils unter Wert verkaufen. „Aber eine Ausbildung in einer kleinen Firma hat auch Vorteile“, ist Gerda Becker überzeugt. Und nennt ein breiteres Aufgabenspektrum und eine bessere Einbindung ins Team als Beispiele.

Doch nicht nur der Zugang zu Bewerbern stellt sich für kleine Unternehmen als Herausforderung dar. Viele Firmen dieser Größe hätten zum Beispiel keine Personalabteilung – und deswegen schon mit der Formulierung der Ausschreibung Probleme, hat Gerda Becker beobachtet. Auch hier hilft das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt. Dazu gehört auch ein umgebauter VW-Bus, der als Besprechungsraum dient. „Vorher fanden Beratungen zum Teil in der Werkstatt statt“, erinnert sich Becker. „Weil das Büro Teil des Wohnzimmers des Inhabers war.“

Bei diesen Beratungen spielen auch alternative Formen der Ausbildung eine Rolle. In Teilzeit zum Beispiel für junge Eltern. Oder als Verbundausbildung mit anderen Firmen, wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, alle Ausbildungsinhalte anzubieten. Zum Beispiel weil es der Maschinenpark nicht hergibt.

Ist der richtige Auszubildende gefunden, ist die Arbeit von Daniela Blum und Gerda Becker aber noch nicht getan. „Wir begleiten durch das erste Ausbildungsjahr, damit es nicht zu unnötigen Ausbildungsabbrüchen kommt“, erklärt Becker. Und sogar finanzielle Unterstützung kann das Remscheider Projekt besorgen: Über das „Ausbildungsprogramm NRW“ gibt es für bis zu 1000 zusätzliche Azubis in den ersten beiden Jahren einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung.

Obwohl beim Berufsbildungszentrum der Remscheider Metall- und Elektroindustrie angesiedelt, kümmert sich „Betriebliche Ausbildung in Bewegung“ ausdrücklich um alle Branchen. Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen: Zum einen muss es sich um eine duale Ausbildung handeln. Zum anderen darf das Unternehmen nicht mehr als 49 Mitarbeiter haben.

Und auch dass das aktuelle Ausbildungsjahr schon läuft, sei kein Hinderungsgrund für eine Beratung, sagt Gerda Becker. „Die können jederzeit beginnen.“ Ein Ausbildungsbeginn sei teilweise noch bis Ende Januar möglich. Und selbst wer erst im kommenden oder gar im übernächsten Jahr ausbilden will, sei herzlichen willkommen: „Dann können wir schon mal alles dafür vorbereiten.“

Hintergrund

„Betriebliche Ausbildung in Bewegung“ wird als Jobstarter-Projekt von Bund und EU gefördert. Kontakt zu Gerda Becker gibt es per Telefon, Tel. (02191) 93 87 250 oder per Mail. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des BZI.

g.becker@bzi-rs.de

www.bzi-rs.de

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