Digitale Unsicherheit

Automobil-Zulieferer fürchten Cyberangriffe

Stephan A. Vogelskamp ist Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Archivfoto: Christian Beier
+
Stephan A. Vogelskamp ist Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Kurzarbeit, neue Abläufe und digitale Unsicherheit. Wirtschaftsförderer Stephan A. Vogelskamp berichtet von der Lage der Branche.

Von Daniel Neukirchen

Bergisches Land. Die Coronakrise hat die 250 Automobil-Zulieferer im Bergischen hart getroffen. Für die Unternehmer ergeben sich in der Folge eine ganze Reihe von Problemfeldern und Herausforderungen. Diese Zeitung sprach mit dem Bergischen Wirtschaftsförderer Stephan A. Vogelskamp über die Lage in der Branche.

Ein ganz großes Thema sei Cyberkriminalität. Der Geschäftsführer der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft berichtet: „Tausende von Mitarbeitern sind im Homeoffice. Die Firmen waren darauf teilweise nicht vorbereitet.“ So würden sich Sicherheitslücken ergeben. „Die Einfallstore sind endlos offen gerade“, beschreibt Vogelskamp ein Thema, das die Wirtschaft auch abseits der Automobilindustrie betrifft. Jetzt schon seien ihm drei konkrete Hacker-Angriffe im Bergischen bekannt.

Die Sorge der Zulieferer sei, dass sich Kriminelle jetzt Zutritt verschaffen und die Unternehmen kurz vor dem erneuten Hochfahren des Betriebs mit einem Angriff bedrohen. Laut Vogelskamp fordern die Kriminellen ein Lösegeld in Bitcoin und machen Ernst, wenn dieses nicht zum geforderten Datum bezahlt wird. Dabei könne ein erfolgreicher Angriff ein Unternehmen in etwa so lahmlegen wie ein Brand in der Produktion. Vogelskamp rät Betroffenen: „Schalten Sie sofort das Landeskriminalamt ein.“

Eine zweite Corona-Welle in China wäre „Schlag ins Kontor“

Das für Remscheid und Solingen zuständige Polizeipräsidium Wuppertal berichtet auf Nachfrage von einer weiteren Masche, der sich Kriminelle in diesen Tagen bedienen. So werden derzeit E-Mail-Konten von Geschäftsführern gehackt, so dass die Angreifer Mitarbeitern „vertrauliche“ Nachrichten von der Adresse des Chefs zusenden können. In den falschen E-Mails gehe es laut Polizeisprecher Jan Battenberg um ein „geheimes Geschäft“, das es erforderlich mache, sofort eine größere Summe Geld auf ein bestimmtes Konto zu überweisen. Vogelskamp vermutet, dass auch den Kriminellen in Corona-Zeiten gewisse Einkommenswege weggebrochen sind und sie daher ihre Internet-Aktivitäten ausweiten.

Die Sorgen der Branche, die sich derzeit fast flächendeckend in Kurzarbeit befindet, enden jedoch nicht beim Thema digitale Sicherheit. Viele Unternehmen gehen derzeit davon aus, dass sie nach der Krise nicht mit den gleichen Kapazitäten wieder einsteigen können. Die Unternehmen würden derzeit Konzepte entwickeln, wie in der Produktion mit mehr Abstand zueinander gearbeitet werden kann. Das sei jedoch auch mit Umbauarbeiten verbunden. Die Frage sei auch, wie reibungslos ein Anlaufen der Produktion funktionieren würde. „Das Gesamtkonstrukt könnte schnell ins Wanken geraten“, sagt Vogelskamp, der Vorstandsmitglied von automotiveland.nrw ist. Beispielsweise könnte es die hiesige Wirtschaft blockieren, wenn andere Länder noch länger heruntergefahren bleiben. „Wir haben große Sorge um China“, sagt der Geschäftsführer. Im Moment befinde sich das Land fast in der Normalauslastung – aber das muss nicht so bleiben. Vogelskamp sagt: „Eine zweite Corona-Welle wäre ein Schlag ins Kontor für die Branche.“

Als sei das alles nicht genug, müssen sich die Zulieferer auch mit der Frage auseinandersetzen, ob von den großen Automobilherstellern nicht Regressforderungen wegen der zurückliegenden Produktionsausfälle anstehen. Vogelskamp hält das nicht für ausgeschlossen.

Am Ende steht für die Automobilzulieferer dann noch die Frage, wie sich der Auto-Markt nach der Krise aufseiten des Endverbrauchers entwickelt. In einer schweren wirtschaftlichen Lage könnten die Verkaufszahlen einbrechen. Stephan A. Vogelskamp hofft, dass die Bundesregierung mit einem grünen Konjunkturpaket zumindest den Verkauf von E-Autos ankurbelt. Ansonsten befürchtet der Wirtschaftsförderer „vernichtende Rabattschlachten“.

GESELLSCHAFT

AUFGABE Die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft versteht sich selbst als Schnittstelle und Treiber der regionalen Zusammenarbeit in Remscheid, Solingen und Wuppertal. Zu ihren Aufgabenbereichen zählen Wirtschaftsförderung, Tourismus, Regionalmarketing sowie Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsförderung. Die Gesellschaft wurde im März 2015 gegründet. Der Vorschlag dazu kam von den drei Städten und der Bergischen Industrie- und Handelskammer. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf hatte zugestimmt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Zwilling möchte seinen Wachstumskurs beschleunigen
Vater und Sohn kämpfen fürs Recht
Vater und Sohn kämpfen fürs Recht
Vater und Sohn kämpfen fürs Recht
Solinger bei Einkommen auf Platz 180 in NRW
Solinger bei Einkommen auf Platz 180 in NRW
Legewie stellt Alternative für Transporter vor
Legewie stellt Alternative für Transporter vor
Legewie stellt Alternative für Transporter vor

Kommentare