Ausbildung

Ausbildungsmarkt erholt sich 2022 leicht

Entwicklung des Ausbildungsmarktes in Solingen
+
Entwicklung des Ausbildungsmarktes in Solingen.

Die Situation in vielen Betrieben bleibt angespannt. Geflüchtete bringen etwas Entlastung.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Der Ausbildungsmarkt im Städtedreieck hat sich 2021/2022 leicht erholt. Zurücklehnen können sich die Verantwortlichen aber nicht. „Mit Blick auf die demografische Entwicklung und die wachsenden Altersübergänge von Fachkräften bedarf es Anstrengungen, die jungen Menschen für die Vielfalt und die Möglichkeiten des dualen Ausbildungssystems zu gewinnen“, betont Martin Klebe. Der Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal stellte gestern mit Vertretern des Handwerks sowie der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) die wichtigsten Entwicklungen vor.

Kommunale Unterschiede: Die Zahl der Bewerber ist im Städtedreieck leicht gesunken: von 3796 auf 3752. Die gemeldeten Ausbildungsstellen nahmen von 3385 auf 3184 ab. Martin Klebe weist auf eine „heterogene Entwicklung“ der Kommunen hin. So gab es ein Mehr an Bewerbern in Wuppertal, während der Wert in Remscheid und Solingen zurückging. In Remscheid übersteigt die Zahl der freien Stellen die der suchenden jungen Menschen bereits seit 2020. Dieser Trend setzte sich 2022 mit einem Verhältnis von 743 zu 549 fort. Erstmals präsentierte sich Solingen im vergangenen Jahr als Bewerbermarkt: 784 Plätzen standen 719 Interessenten gegenüber.

Industrie und Handel: Zum 31. Dezember registrierte die IHK 2082 neue Ausbildungsverträge – ein Prozent mehr als im Vorjahr. „Erfreulich ist, dass die Zahl seit drei Jahren steigt“, sagt die für Aus- und Weiterbildung zuständige Geschäftsführerin Carmen Bartl-Zorn. 723 Azubis entfielen auf gewerblich-technische, 1359 auf kaufmännische Berufe. Trotz des Aufwärtstrends beklagen laut Bartl-Zorn viele Betriebe freie Stellen.

Auch interessant: Ausbildungsmarkt erholt sich noch nicht von den Corona-Folgen

Handwerk: „Zufrieden, aber nicht selbstzufrieden“ zeigt sich Fred Schulz mit 290 neuen Auszubildenden im Remscheider Handwerk. Das Ergebnis sei schlechter als 2019, jedoch besser als im Vorjahr. Doch es gebe noch Luft nach oben. „Die Situation der Betriebe ist angespannt. In der Nachwuchswerbung hat uns Corona zwei Jahre gekostet“, macht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Remscheid deutlich.

Im Solinger und Wuppertaler Handwerk stieg die Zahl der Azubis um 4,8 Prozent auf 622. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Sascha Bomann. Sorgen bereiten dem Ausbildungsleiter der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal die zunehmend schlechten Ergebnisse bei den Abschlussprüfungen. Während der praktische Teil weitestgehend problemlos verlaufe, hapere es beim Schriftlichen häufig an den sprachlichen Fähigkeiten. Bei den Malern und Lackierern sei die Durchfallquote mit mehr als 50 Prozent am höchsten.

Bei der IHK ist die Situation weniger dramatisch: Über alle dort angesiedelten Ausbildungsberufe hinweg bestehen zehn bis zwölf Prozent der Azubis nicht. Die Kammer sei dennoch bemüht, den Sprachgebrauch in den Prüfungen an die heutige Zeit anzupassen, berichtet Carmen Bartl-Zorn. Am inhaltlichen Niveau werde nicht gerüttelt.

Freie Stellen: Ob Handwerkskammern oder IHK – alle Akteure berichten von unbesetzten Stellen zum Ende des Ausbildungsjahres. 344 stehen im Städtedreieck 297 unversorgten Bewerbern gegenüber. „Häufig gibt es ein Matching-Problem: Bewerber und Stelle finden nicht zueinander“, erklärt Martin Klebe. Man sei bemüht, Alternativen für die Betroffenen zu finden – oder sie im neuen Ausbildungsjahr zu vermitteln.

Beliebte Jobs: Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer, Industriekaufleute, Zahnmedizinische Fachangestellte und Medizinische Fachangestellte – in diesen Jobs wurden die meisten Auszubildenden gesucht. Auf Bewerberseite beliebte Berufe: Kaufleute für Büromanagement, Medizinische Fachangestellte, Verkäufer, Kfz-Mechatroniker sowie Kaufleute im Einzelhandel. Martin Klebe bemerkt zudem steigendes Interesse an Jobs mit Umweltbezug. Dazu zählt er etwa Energietechnik, Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Junge Menschen interessieren sich für diese Themen.“

Bewerber: 63,6 Prozent der Interessenten waren männlich, der Anteil der unter 20-Jährigen ist gestiegen. Der Chef der Arbeitsagentur begrüßt das: „Unser Ziel ist, die Bewerber möglichst unmittelbar nach der Schule einzubinden.“

Geflüchtete: 360 Bewerber hatten im vergangenen Jahr einen Fluchthintergrund – ein Anteil von 9,6 Prozent. Martin Klebe betont: „Geflüchtete tragen zunehmen zur Entlastung des Ausbildungsmarktes bei.“ In Remscheid und Wuppertal sei die Entwicklung stärker ausgeprägt als in Solingen.

Ausblick: Die Partner des Bergischen Ausbildungskonsens werben weiter für duale Ausbildung. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bedarf es jedoch weiterer Maßnahmen. Beispielhaft nennt Klebe die Qualifizierung ungelernter Mitarbeiter, Zuwanderung sowie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Hintergrund

Der Bergische Ausbildungskonsens setzt 2023 auf bewährte Formate, um junge Menschen für die duale Ausbildung zu gewinnen. Dazu zählen Bewerberdatings, Ausbildungsbörsen sowie Berufsberatungen beim Einkaufen und auf Schulhöfen. Anfang September ist in Wuppertal die Premiere der Bergischen Fachkräfte-Expo geplant, am Samstag, 28. Januar, findet in der Solinger Cobra erstmals eine Ausbildungsparty statt.

www.the-beginning.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

WebID Solutions will 200 Mitarbeiter einstellen
WebID Solutions will 200 Mitarbeiter einstellen
WebID Solutions will 200 Mitarbeiter einstellen

Kommentare