Ursache Corona

Ausbildung: Zahl der Bewerber weiter gesunken

Früher Schmied, heute Verfahrenstechnologe Metall: Wie viele andere Firmen ist Dirostahl darauf angewiesen, den eigenen Nachwuchs auszubilden. Auch in den eher unbekannten Berufen.Archivfoto: Roland Keusch
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Früher Schmied, heute Verfahrenstechnologe Metall: Wie viele andere Firmen ist Dirostahl darauf angewiesen, den eigenen Nachwuchs auszubilden. Auch in den eher unbekannten Berufen.

Unternehmen im Bergischen Land suchen zum Teil händeringend Azubis.

Von Sven Schlickowey

Bergisches Land. Wer mit Dr. Roman Diederichs über das Thema Ausbildung spricht, merkt schnell, wie wichtig ihm das ist. Den eigenen qualifizierten Nachwuchs auszubilden, sei elementar für die gesamte bergische Industrie, sagt der Geschäftsführer der Remscheider Freiformschmiede Dirostahl. Und für sein eigenes Unternehmen erst recht. Umso mehr sorgt es ihn, wenn zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Ein Problem, das sich durch Corona offenbar noch einmal verschärft hat.

Azubis zu finden, erst recht im gewerblichen Bereich, sei schon länger schwierig gewesen, sagt Diederichs. Doch seit dem vergangenen Jahr fehlen noch mehr Bewerber als zuvor: „Da ist ein ganzer Jahrgang verschwunden“, formuliert es der Geschäftsführer. „Die jungen Menschen sind auch nicht an irgendwelchen Schulen oder an den Unis wieder aufgetaucht.“ Und das könnte sich, so sieht es derzeit aus, in diesem Jahr wiederholen. Oder noch verschlimmern.

„Die Chancen für Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz sind so groß wie seit vielen Jahren nicht mehr.“

Carmen Bartl-Zorn (IHK)

„Die Bewerberzahlen sind erneut zurückgegangen“, berichtet Carmen Bartl-Zorn, für Weiterbildung zuständige Geschäftsführerin der Bergischen IHK. Entsprechend seien noch viele Stellen unbesetzt. „Trotzdem, dass die Unternehmen in ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nachlassen, beschreibt sie die aktuelle Bewerbungsphase als schleppend.

Eine Einschätzung, die die Agentur für Arbeit mit Zahlen untermauern kann. So waren dort im März für Remscheid und Solingen mehr als 100 freie Ausbildungsplätze mehr als noch vor einem Jahr gemeldet, insgesamt über 1200. Aber auch über 150 Bewerber weniger. „Der Ausbildungsmarkt leidet deutlich stärker als der Arbeitsmarkt unter den Auswirkungen der Pandemie“, lautet das Fazit der Agentur.

Als Grund dafür haben die Fachleute Corona ausgemacht: „Eine wesentliche Ursache für die bisherige Entwicklung ist die durch die Pandemie stark beeinträchtigte Berufsorientierung“, heißt es von der Arbeitsagentur. Carmen Bartl-Zorn sagt: „Es macht sich bereits jetzt bemerkbar, dass die berufliche Orientierung unter der Pandemie stark gelitten hatte, da es kaum Angebote in Form von Praktika, Ausbildungsmessen und Berufsfelderkundung gab.“ Und das wirke sich übrigens nicht nur auf die Zahl der Bewerber aus, sondern auf deren Verhalten: „Sie sind noch unverbindlicher und unzuverlässiger geworden, so erscheinen sie zum Beispiel nicht zu vereinbarten Vorstellungsterminen.“

Was des einen Leid ist, ist des andren Freud, der bergische Ausbildungsmarkt verändert sich immer stärker zum Bewerbermarkt. „Die Chancen für Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz sind so groß wie seit vielen Jahren nicht mehr“, sagt Bartl-Zorn. Und rät dazu, die zahlreichen Beratungsangebote (| Kasten) zum Thema zu nutzen, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit, den Kammern oder bei den Studien- und Berufswahllehrern. Auch Eltern könnten bei der Berufswahl unterstützen.

Die meisten Firmen im Bergischen würden ihre Bemühungen eher noch verstärken als darin nachlassen, betont Dr. Roman Diederichs, der zudem stellvertretender Vorsitzender des Remscheider Arbeitgeberverbandes ist. Geplant sei bei Dirostahl zum Beispiel, verstärkt an Schulen zu gehen, um das Unternehmen und die Ausbildungsberufe vorzustellen. „Berufe wie der Schmied sind heutzutage wenig bekannt und gelten schon als exotisch“, hat Ausbildungsleiterin Karina Bisterfeld festgestellt. Dem gelte es entgegenzuwirken.

Denn die Unternehmen sind auf die so ausgebildeten Fachkräfte angewiesen. Sie von anderen Firmen zu übernehmen, sei nahezu unmöglich, sagt Bisterfeld. „Wir müssen in diesem Bereich unseren Nachwuchs selber ausbilden.“ Gelinge das mal ein, zwei Jahre nicht, ließe sich das kompensieren. „Aber irgendwann wird es schwierig.“

Beratungsangebote

Die Agentur für Arbeit bietet Beratung am Telefon an, Tel. (0212) 2 35 53 45 und Tel. (02191) 4 60 63 45.

Die Handwerkskammer Düsseldorf hat eine eigene Ausbildungsbörse online. hwk-duesseldorf.de

Die Bergische IHK hat ihr Beratungsangebot auf ihrer Internetseite zusammen gefasst, zu finden, indem man die Dokumentennummer 5407978 in das Suchfenster auf der Startseite eingibt. bergische.ihk.de

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