Bergische Wirtschaft

Aufschwung erhält einen kleinen Dämpfer

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Corona-Pandemie, Lieferschwierigkeiten und hohe Preise trüben die Stimmung der Wirtschaft.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Der Aufwärtstrend der bergischen Wirtschaft ist vorerst gestoppt. Das geht aus dem Konjunkturbericht hervor, den die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) gestern vorgelegt hat. Von den 547 teilnehmenden Unternehmen bewerteten 35 Prozent ihre Geschäftslage als „gut“, 46 als „befriedigend“ und 19 als „schlecht“. Damit sinkt der Geschäftslageindex – die Differenz aus „gut“ und „schlecht“ – um vier Punkte von 20 auf 16.

„Die wirtschaftliche Erholung legt eine Pause ein.“

Henner Pasch, IHK-Präsident

„Die wirtschaftliche Erholung legt eine Pause ein“, ordnete IHK-Präsident Henner Pasch die Ergebnisse ein. Es ist die erste kleinere Delle seit Mitte 2020. Nach dem coronabedingten Einbruch kannte die Kurve knapp eineinhalb Jahre nur den Weg nach oben. Nichtsdestotrotz wollte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge diese Entwicklung nicht als Anlass für Alarmismus nehmen. Zum Vergleich: Die letzten Erhebungen vor Beginn der Corona-Krise ergaben Indexwerte von 15 beziehungsweise 16, also dem aktuellen Niveau.

Henner Pasch führt den gebremsten Aufschwung im Wesentlichen auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen verursache die Omikron-Welle mit ihren hohen Corona-Infektionszahlen „spürbare Verunsicherung“. Hinzu kommen die weltweiten Lieferengpässe und Preissteigerungen für Rohstoffe und andere Vormaterialien, die viele Betriebe zusätzlich belasten.

Besonders problematisch ist diese Entwicklung für Unternehmen, die derzeit ohnehin mit Liquiditätsengpässen zu tun haben. Laut IHK-Angaben trifft das auf jede sechste Firma im Dienstleistungssektor zu. Beruhigend sei jedoch, dass der Anteil der Unternehmen, die sich von einer Insolvenz bedroht sehen, mit vier Prozent deutlich geringer ist. Daran sei ablesbar, dass die staatlichen Corona-Hilfen „im Großen und Ganzen ihre Aufgaben erfüllen“.

Die Wirtschaftszweige haben mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen. Grundsätzlich stellt die Kammer fest, dass „die wirtschaftliche Situation im Verarbeitenden Gewerbe spürbar besser als im Dienstleistungssektor“ sei. Doch vor allem in der Industrie machen sich Preissteigerungen bemerkbar. Mehr als drei Viertel der Betriebe berichten von einem Anstieg „in erheblichem Maße“. Die Hälfte gibt an, von Lieferschwierigkeiten betroffen zu sein.

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Auftragslage im Großhandel hat sich seit dem Herbst 2021 verbessert. Die Kunden versuchen, ihre Lagerbestände zu erhöhen, um Versorgungsengpässen zu begegnen. Das wirkt sich augenblicklich positiv aus. Gleichzeitig ist der Blick vieler Großhändler auf den weiteren Verlauf des Jahres eher pessimistisch, da sie selbst mit Lieferschwierigkeiten und hohen Kosten zu kämpfen haben.

Den stationären Einzelhandel beschäftigen dagegen die Auswirkungen der Corona-Zugangsbeschränkungen. Die 2G-Regel führe zu geringerer Frequenz und weniger spontanen Kunden. Die Hälfte der Händler bewertet ihre Situation als „befriedigend“, 22 Prozent als „schlecht“.

Etwas besser ist die Stimmung im Verkehrsgewerbe, wenngleich sich dort die gestiegenen Kraftstoffpreise stark bemerkbar machen. Die bergische Kreditwirtschaft ist mit ihrer aktuellen Geschäftslage weitestgehend zufrieden. Die sonstige Dienstleistungswirtschaft gibt kein einheitliches Bild ab. Während die Veranstaltungsbranche, Fitnessstudios, Reisebüros und andere Sparten unter den Corona-Einschränkungen leiden, sind IT-Dienstleister, Unternehmensberater, Werbeagenturen, Zeitarbeitsfirmen und Arbeitsvermittler überwiegend zufrieden.

„In der Sportwelt werden Pausen genutzt, um sich neu aufzustellen und Schwung zu holen“, sagte Henner Pasch mit Blick auf die Konjunktur-Delle. Gelingt das der Wirtschaft in der Region? Dafür spricht, dass die Mehrheit der Unternehmen trotz aller Schwierigkeiten in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Umsätzen rechnet.

Teilnehmer

An der Konjunkturumfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer zum Jahresbeginn 2022 haben sich 547 Unternehmen aus dem bergischen Städtedreieck beteiligt. Zusammen zählen sie 25 900 Beschäftigte. Zu den Teilnehmern gehörten 277 Betriebe aus Wuppertal (mit 11 300 Mitarbeitern), 149 aus Solingen (5300) und 121 Remscheider Firmen (9300).

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