Creditreform-Analyse

Aktuelle Krisen spiegeln sich in den Zahlen noch nicht wider

Ole Kirschner von der Creditreform.
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Ole Kirschner von der Creditreform.

Zahl der Unternehmensinsolvenzen geht zurück – Mehr Gründungen als Abmeldungen.

Bergisches Land. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Region ist im ersten Halbjahr stark zurückgegangen. Wurden in den ersten sechs Monaten 2021 noch 103 Verfahren registriert, lag der Wert im gleichen Zeitraum dieses Jahres bei 81. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine, die Sorgen um die Energieversorgung, steigender Inflation sowie der andauernden Corona-Pandemie drückt Ole Kirschner jedoch auf die Euphoriebremse. „Es ist zu befürchten, dass unsere nächste Analyse von schlechteren Entwicklungen berichten muss“, erklärt der Geschäftsführer der Creditreform Solingen.

Zweimal pro Jahr veröffentlicht die Wirtschaftsauskunftei Daten zu Neugründungen, Löschungen sowie Insolvenzen. Dabei liegt der Fokus auf den Großstädten Remscheid, Solingen und Leverkusen sowie den umliegenden Orten Burscheid, Haan, Hückeswagen, Langenfeld, Leichlingen, Monheim, Radevormwald und Wermelskirchen. Ausschlaggebend für die Auswertung sind lokale Creditreform-Datenbanken, in denen mehr als 43 000 wirtschaftsaktive Unternehmen erfasst sind.

Bislang machen sich die Folgen des Krieges nicht in Form vermehrter Insolvenzen bemerkbar. Wobei zu beachten sei, dass die Einordnung der Zahlen noch immer Schwierigkeiten bereite. Das liege an den Besonderheiten der vergangenen beiden Jahre. Coronabedingt war die Insolvenzanzeigepflicht für Unternehmen ausgesetzt, zudem gab es erhebliche Staatshilfen. Gleichwohl betont Kirschner: „Allmählich dürfte sich das Insolvenzgeschehen wieder normalisieren.“

Rechnet man die Gesamtzahl der in der Region zu erwartenden Insolvenzen hoch, ergibt sich für 2022 die Zahl 177 (2021: 225). In den ersten zehn Jahren nach Gründung sei das Risiko der Zahlungsunfähigkeit für Betriebe deutlicher höher als für ältere Firmen. Als überdurchschnittlich anfällig für eine Insolvenz erwiesen sich im ersten Halbjahr 2022 Unternehmen des Baugewerbes sowie des Handels. Unterdurchschnittlich häufig traf es Industriebetriebe und Dienstleister. Die durch die 81 Insolvenzen entstandenen Schäden beziffert die Creditreform auf etwa 35 Millionen Euro.

Wirtschaft stemmt sich gegen derzeitige Herausforderungen

Nicht nur mit Blick auf die rückläufige Zahl der Insolvenzen war die erste Jahreshälfte erfolgreich. Auch die Gründungsaktivität nahm zu. „Derzeit stemmt sich die Wirtschaft relativ erfolgreiche gegen die aktuellen Herausforderungen“, schlussfolgert Ole Kirschner.

Die Creditreform rechnet auf Grundlage der bisherigen Daten, dass Ende des Jahres 7670 Gewerbe-Anmeldungen 5440 -Abmeldungen gegenüberstehen. In Solingen wird mit einem Plus von 50 wirtschaftsaktiven Unternehmen gerechnet, in Remscheid sehen die Hochrechnungen einen Zuwachs von 150 vor. In Burscheid wird mit einer Zunahme von 60, in Wermelskirchen von 80 und in Radevormwald ebenfalls von 80 gerechnet. Lediglich in Hückeswagen übersteigt die Zahl der erwarteten Abmeldungen die der Anmeldungen – um zehn.

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