Netzwerk erarbeitet Konzept

Wirtschaft in Solingen setzt auf digitalisierte Schule

Das Projekt „Umdenken“ zu Schule und Wirtschaft wurde von der Wirtschaftsförderung als Video-Pressekonferenz vorgestellt. Foto: Michael Schütz
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Das Projekt „Umdenken“ zu Schule und Wirtschaft wurde von der Wirtschaftsförderung als Video-Pressekonferenz vorgestellt.

Netzwerk erarbeitet Konzept mit Modellcharakter von der Grundschule bis zum Gymnasium.

  • Stadt Solingen und Lehrerschaft starteten das Projekt „Umdenken“.
  • Eltern, Lehrer und Schüler sind dabei mit eingebunden.
  • Solingen liegt bei Versorgung der Schulen mit Breitbandanschlüssen und mobilen Endgeräten vorne.

Von Philipp Müller

Solingen. Auf der einen Seite steht der chronische Fachkräftemangel der Wirtschaft bei der Informationstechnologie (IT). Auf der anderen Seite ringen die Solinger Schulen um den schnellsten Weg, die Digitalisierung der Schulgebäude und des Unterrichts umzusetzen. Geht das nicht gemeinsam, digital Inhalte auch für das spätere Berufsleben zu vermitteln? „Doch“, sagen Wirtschaftsförderung und Wirtschaftsjunioren. Zusammen mit Experten aus Wirtschaft, Stadt und Lehrerschaft startete das Projekt „Umdenken“. Jetzt gibt es erste Ergebnisse.

Mit der Grundschule Bogenstraße und dem Gymnasium Schwertstraße entsteht eine Blaupause, wie die Digitalisierung umfänglich in den Schulen umgesetzt wird. Eltern, Lehrer und Schüler sind dabei mit eingebunden. Das alles passiert in einer Stadt, die gerade auf zwei Feldern punktet. Bei der Versorgung der Schulen mit Breitbandanschlüssen und mobilen Endgeräten (siehe unten) liegt die Klingenstadt vorne. Die auf Digitalisierung spezialisierte Unternehmensberatung Haselhorst Associates stufte Solingen am Freitag auf Platz 10 unter 403 deutschen Großstädten beim Digitalisierung-Stand ein.

Es sei jetzt Zeit, ganzheitlich zu denken, erklärte der IT-Unternehmer Mirko Novakovic (Instana) bei der Vorstellung von „Umdenken“. „Es ist ein riesiges Kow-how-Thema, wie man Software und mobile Geräte richtig einsetzt.“ Daher mache er gerne bei dem Projekt mit. Seine Mitarbeiter würden mit Wissen aus der Praxis helfen. Das machen auch die IT-Experten der Firma Codecentric. Vorstand Lars Rückemann berichtete, dass es eine gemeinsame Plattform für die Lehrer gebe, über die Erfahrungen und Ergebnisse ausgetauscht werden. In diese Plattform sollen alle Schulen eingebunden werden, um den Transfer der Lösungen der Modellschulen zu verbreiten.

Das alles sei vom Gedanken geprägt „Wir machen jetzt einfach“, erklärte Ulrich Nachtkamp, Direktor des Gymnasiums Schwertstraße. Es sei an der Zeit, einen Roten Faden für die Digitalisierung zu spinnen.

„Es geht um die Beschleunigung des digitalen Wandels.“ 

Lars Rückemann, Codecentric

Das wird von einer Freitagsrunde aus Wirtschaftsförderung, Schulen, Wirtschaftsjunioren (WJ), Stadt und Wirtschaft begleitet. Benjamin Dietrich, WJ-Vorstand, erläuterte: „Es geht um die zielgerichtete Beschleunigung des digitalen Wandels an Schulen.“ Da müssten auch Bund und Land mehr tun. Corona sei der Beschleuniger. Das griff der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol, auf. Das Homeschooling in der Corona-Zeit habe viele Mängel digitaler Wege offengelegt.

Nicole Wrana, Leiterin der Grundschule Bogenstraße, lobte die laufende Arbeit. Die Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft funktioniere. Mit im Bund ist der IT-Fachanwalt Alexander Goldberg. Er sagte, es sei ein ganz wichtiger Teil des Prozesses, Eltern die Angst vor der digitalen Welt zu nehmen

Hintergrund

Schule und Digitalisierung ist auch bei der Stadt ein wichtiges Thema. Um Eltern den Zugang zu den mobilen Endgeräten zu erleichtern, entwickelt die Stadt gerade ein Modell, die Finanzierung auf Basis monatlicher Zahlungen zu strecken. Dazu gibt es eine Lenkungsgruppe, an der auch die IT-Abteilung der Stadt beteiligt ist. Ergebnisse werden zum Frühjahr 2021 erwartet.

Standpunkt: Revolution der Bildung

Von Philipp Müller

Betrachtet man die Ernsthaftigkeit, mit der Vertreter der Wirtschaft und Schulen an den digitalen Wandel der Schulen herangehen, bleibt nur ein Fazit zu ziehen:

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Da startet in Solingen eine Revolution der Bildung. Vorbei werden die Zeiten sein, die Welt mit dem Diercke Weltatlas zu erklären. Länder und Zahlen erscheinen auf dem iPad. „1 plus 1 ist nicht 3“, auch das wird das Display anzeigen. Solinger Wirtschaftslenker und Lehrer wollen die Schüler auf die kommende digitale Realität vorbereiten. 

Eltern sollen mit ins Boot genommen werden. Das kostet Geld, Mühe und Zeit. Die Entschlossenheit der Beteiligten offenbart: „Es gibt keinen anderen Weg, lasst ihn uns beschreiten.“ Je besser erklärt er ist, je mehr auf dem Weg mitgenommen werden, desto besser wird das Ziel erreicht: Junge Solinger sind gut für die Zukunft aufgestellt. Braucht es da noch Schule? Na klar, und nicht nur für soziale Kompetenz. 

Ihr reguläres Praktikum musste schon coronabedingt ausfallen, aber auch beim Ausweichtermin in dieser Woche fanden einige Schüler der Solinger Alexander-Coppel-Gesamtschule keinen Platz in einem Unternehmen.

Seit gut zwei Monaten gibt es die Ausbildungsprämie. Von Corona betroffene Unternehmen, die ihre Ausbildungsleistung beibehalten oder steigern, bekommen Geld aus dem Programm „Ausbildungsplätze sichern“.

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