Zwangspause für die Gastronomie

Corona-Lockdown: Wirte und Gäste bedauern die Schließung

Am Samstagabend hatte Pedro Hernandez in der Casa Pedro gut zu tun. Ab heute muss das Restaurant erst einmal schließen. Foto: Christian Beier
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Am Samstagabend hatte Pedro Hernandez in der Casa Pedro gut zu tun. Ab Montag muss das Restaurant erst einmal schließen.

Die erneute Zwangspause für Restaurants und Kneipen verstärkt bei vielen Gastronomen die Existenzsorgen. Rücklagen konnten viele nicht bilden. Einige setzen auf Gerichte zum Abholen oder Lieferservice.

Von Andreas Erdmann, Susan Jörges und Wolfgang Günther

Solingen. Das Restaurant Casa Pedro in Gräfrath war am Samstagabend ausgebucht. Bereits gegen 18 Uhr waren viele Tische besetzt. „Das ist eine große Ausnahme heute, weil viele vor dem Lockdown ein letztes Mal ausgehen wollen“, erklärt Besitzer Pedro Hernandez. Neben dem Restaurant mit spanischen Spezialitäten hat er mit Frau Christine ein Hotel und einen Catering-Betrieb vor Ort. Seit heute, Mitternacht, dürfen Restaurants nicht mehr öffnen, nur die Lieferung und Abholung von Speisen bleibt erlaubt. Übernachtungen für Touristen sind tabu, voraussichtlich bis Ende November.

Im Sommer sei es noch gut gelaufen, berichtet Pedro Hernandez. Doch seit die Inzidenzwerte anstiegen, seien die Restaurantbesuche zurückgegangen. „Unter der Woche sah man in Gräfrath oft keine Menschen. Es gab Abende, da hatten wir mehr Personal als Gäste im Haus. Die Leute hatten schlicht Angst, zu uns zu kommen – trotz unseres aufwendigen Sicherheits- und Hygienekonzepts.“

Solingen: Ein letztes Bier für die Stammgäste vor der Zwangspause

Der Hotelbetrieb lief gar nicht mehr. Seit März gab es kaum Geschäftsreisen, Messen oder Firmenevents. „Der ganze Catering-Betrieb liegt brach. Es gibt ja keine Feste und Feiern. So wurden die letzten Bestellungen telefonisch abgesagt“, beklagt Hernandez. Die Festangestellten werden in Kurzarbeit gehen. „Wichtig ist, dass wir die versprochenen 75 Prozent staatliche Unterstützung erhalten. Wir haben Kosten, etwa für Miete und Versicherungen, und die Ware wird alt.“ Hernandez schätzt, dass der Lockdown mindestens bis Mitte Januar dauert. Rücklagen habe er in diesem Jahr nicht bilden können, sondern sehr viel Geld in Sicherheit und Hygiene investiert. „Ich hoffe, dass all das, wofür ich 30 Jahre lang hart gearbeitet habe, nicht wegbricht.“

In der Gaststätte Birkenweiher hat Inhaberin Berita Schwarz am Samstagabend ein letztes Bier an viele Stammgäste ausgeschenkt. Die Wirtin der Traditionskneipe hat die erneute Zwangspause kommen sehen und bedauert die Entscheidung der Politik: „Wir haben alle notwendigen Maßnahmen umgesetzt, die Schließung geht an die Substanz, finanziell wie seelisch“, sagt Schwarz, die neben dem Birkenweiher das Mumms und die Cobra-Kantine betreibt.

Seit Bekanntmachung der Zwangspause kamen Stammgäste, um sich von der Wirtin und ihrem Partner Miro Jelic zu verabschieden. Auch am Samstagabend waren alle Tische reserviert. „Ich hoffe, dass wir uns Anfang Dezember hier wiedersehen werden, doch ich glaube nicht daran“, so Silke Gereke, die ihren Geburtstag in kleinstem Kreis im Birkenweiher feierte. Scheiben, Desinfektionsmittel, Abstände zwischen Tischen: „Wir haben alles mitgemacht, unsere Gäste haben sich wohlgefühlt. Die erneute Schließung reißt ein weiteres Loch in die Kasse“, bedauert Schwarz.

„Wir haben akribisch alle Anforderungen erfüllt, auch die Gäste haben sich gut daran gehalten.“

Volker Brandt, Brandy’s

Der Biergarten im Sommer konnte fehlende Einnahmen wett machen

Im Sommer entschädigte der Betrieb im Biergarten fehlende Einnahmen aus dem Frühjahr, dicke Ordner mit Kontaktdaten-Zetteln stapelten sich im Büro. Einen Corona-Verdachtsfall habe es in der gesamten Zeit nicht gegeben. Jetzt im Herbst öffnete die Wirtin nur noch an drei Tagen. Von 40 Mitarbeitern der drei Betriebe arbeiteten noch zehn, meist in Kurzarbeit. Aufgeben ist für Berita Schwarz aber keine Option. „Wir werden hoffentlich mit einem blauen Auge davonkommen.“

Volker Brandt hatte für Sonntag ins Brandy’s zum „Trinkaus“ eingeladen. Mittags waren bereits zwei Sorten Bier leer.

Mit ein wenig Galgenhumor hatte das Restaurant Brandy’s an der Potsdamer Straße für Sonntag zum „Trinkaus“ eingeladen. „Viele Stammgäste sind gekommen und haben sich fleißig beteiligt, das Altbier und eine Pilssorte sind ausgetrunken“, sagte Wirt Volker Brandt am Mittag. Im September konnte das Lokal sein 20-jähriges Bestehen im kleinen Rahmen feiern. Am Sonntag war die Stimmung etwas gedrückt, denn auch das beliebte Restaurant am Rathaus wird auf unbestimmte Zeit schließen. „Es sollen nur vier Wochen sein, aber daran glaube ich nicht“, so Brandt.

Schon im Frühjahr musste das Lokal zu bleiben. Für Brandt ist die Gastronomie das Bauernopfer der Corona-Pandemie: „Wir haben in Abstimmung mit dem Ordnungsamt akribisch alle Anforderungen erfüllt, auch die Gäste haben sich gut daran gehalten, es gab keine Probleme.“ Besonders prangert der Wirt die häufige Uneinigkeit zwischen Bund und den Ländern an.

Corona-Lockdown: Wirte setzen auf Gerichte zum Abholen

Volker Brandt kocht auch in seinem Lokal, „für den Service habe ich gute Aushilfskräfte, ich bin froh, dass ich niemand entlassen muss“. Auf die faule Haut legen wird sich der Wirt aber nicht. Ab Montag wird im Brandy’s schon wieder gekocht. „Es wird jeweils für mittags und abends ein Gericht zur Abholung angeboten“, erklärt Brandt. Für ihn ist die Zukunft ungewiss, er hofft, dass sein Restaurant die Schließung übersteht – und die Gäste wieder den Weg in sein Lokal finden.

Service: Alle Gastronomen, die jetzt einen Liefer- und/oder Abholservice anbieten, können sich kostenlos beim Tageblatt registrieren und ihr Angebot darstellen, das print und online veröffentlicht wird. Alles, was Sie dafür tun müssen: sich und Ihr Angebot kostenfrei eintragen unter: www.solinger-tageblatt.de/lieferservice.

Und hier gibt es eine laufend aktualisierte Übersicht zu den derzeit gültigen Corona-Regeln und -Einschränkungen.

Alle aktuellen Nachrichten rund um das Thema Corona finden Sie in unserem Corona-Blog für Solingen.

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