Montagsinterview

ISG-Geschäftsführerin: „Wir wollen gut aus der Krise kommen“

ISG-Geschäftsführerin Gloria Göllmann träumt von einer lokalen Plattform, bei der die Händler ihre Waren nach Hause liefern. Foto: Christian Beier
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ISG-Geschäftsführerin Gloria Göllmann träumt von einer lokalen Plattform, bei der die Händler ihre Waren nach Hause liefern.

ISG-Geschäftsführerin Gloria Göllmann über ihre Arbeit in Zeiten der Pandemie

Von Timo Lemmer

Frau Göllmann, der Hans-Ketzberg-Garten wurde vor rund einem halben Jahr als offener Garten und Rückzugsort für alle Ohligser Bürger geschaffen. Wie sind die ersten Erfahrungen, nachdem die vorherige Brachfläche umgestaltet wurde?

Gloria Göllmann: Die ersten Erfahrungen sind sehr gut, hier kommen verschiedene Interessen und Stärken zusammen. Straßenmeister Akim Heil hat im Bauwagen sein Büro und versorgt den Platz mit. Bis Oktober konnten wir hier tagen, dann kamen die Wintermonate. Jetzt geht es langsam wieder los.

Das Garten-Projekt hat Corona nicht beeinflusst. Inwiefern ist die Arbeit der ISG darüber hinaus durch die Pandemie beeinträchtigt?

Göllmann: Uns fehlen natürlich die Veranstaltungen, die Begegnungen, und mit dem Besucherleitsystem ist ein Projekt ein wenig ins Hintertreffen geraten, das nun später umgesetzt wird. Aber persönlich konnte ich in diesem Jahr unheimlich viel lernen. Zum Beispiel, wie wertvoll unser Netzwerk in Ohligs ist, wie viel wir auch aus der Distanz bewegen können. Auf der Arbeitsebene waren wir noch effektiver und konzentrierter.

Auch in Wald macht sich eine ISG auf den Weg. Das Vorhaben scheint aber zu stocken. Sind Sie da froh, dass die Ohligser ISG schon vor Corona eine gutlaufende Institution war?

Göllmann: Man kann definitiv auch jetzt mit einer ISG anfangen und in Wald sehe ich da sehr gute Chancen. Wir geben gerne alles raus, was wir erarbeitet haben. Wir sind im guten Kontakt.

In welchen Bereichen könnte die ISG Ohligs denn als Best-Practice-Beispiel in andere Solinger Stadtteile hineinwirken?

Göllmann: Auf unsere Gemeinschaftsmarke Ohligs haben wir bundesweite Resonanz und Nachfragen erhalten. Die Gemeinschaft sichtbar zu machen, zu zeigen, was ich kann, was Kernkompetenzen sind, das kann Solingen und jeder einzelne Stadtteil. Mein Traum wäre ohnehin eine gemeinschaftliche Plattform für Handel, Service, Dienstleistung, Handwerk, Kunst und Kultur, die sich an meinem Standort orientiert und mir alles anzeigt. Digital und lokal muss es sein.

Vergangene Woche hat die ISG ihre Hauptversammlung erstmals digital abgehalten. Wie lief es auf diesem Wege und wie fällt die Jahresbilanz aus?

Göllmann: Durch Zukunftsforscher Andreas Reiter hatten wir einen super Impulsvortrag, da er klasse aufzeigen kann, wie man als Stadt die Transformation hin zu hybriden Orten, also Orten mit verschiedener Nutzung, schaffen kann. Es war wieder schön, zu sehen, dass unter anderem Eigentümer, ISG, Stadtspitze und Stadtentwicklungsplanung aus allen Richtungen an einem Strang ziehen. Bilanzierend lässt sich sagen, dass für uns 2020 ein gutes Jahr war. Unsere Maßnahmen sind aufgegangen, und von geplanten 178 000 Euro inklusive der von der ISG zusätzlich akquirierten Fördergelder von 28 000 Euro Ausgaben nehmen wir noch 20 000 Euro mit rüber in das aktuelle Jahr.

Am Ende des kommenden Jahres ist der fünfjährige ISG-Zyklus dann vorbei. Wie wird es weitergehen?

Göllmann: Das stimmt, Ende 2022 ist – Stand jetzt – alles vorbei. Wir wollen die Eigentümer für weitere fünf Jahre gewinnen. Unsere Meilensteine können nicht alleine weiterleben. Ich hätte noch Lust und Ideen für weitere fünf Jahre.

Was stünde dann ganz oben auf Ihrer Agenda?

Göllmann: Digitalisierung mit dem Fokus Mensch. Alle wollen glücklich, sicher, friedlich in Ohligs leben, mit allem, was man braucht. Mein Traum bleibt die lokale Plattform, das digitale Ohligs-Kaufhaus, auf der ich aus allen Geschäften alles einkaufen kann, und mir diese Produkte dann mit einer Lieferung mittels Lastenbike gebracht werden. Das werden wir machen, ich weiß aber noch nicht, wer es bezahlt. Der absolute Traum wäre, dass das für alle Stadtteile passiert und in der Solingen-App stattfindet.

Haben in Ohligs schon Händler aufgeben müssen, oder ziehen dies zumindest in Betracht?

Göllmann: Ich befürchte, dass der eine oder andere nicht mehr aufschließen wird. Allerdings ist es auch so, dass wir als ISG weiterhin etliche Anfragen haben, neue Läden und Gastronomie in den Startlöchern stehen, und junge, innovative Ideen loslegen werden.

Wie kann eine lebendige Stadt nach der Pandemie aussehen?

Göllmann: Der Handel wird weiter ein wichtiger Bestandteil sein, aber eben auch Kunst, Kultur, Dienstleistung, Coworking, Gastronomie, Wohnen – eben alles, was die Bedarfe der Menschen abdeckt, und das mit Blick auf die veränderte Mobilität. Wir müssen die Wege kürzer machen, und zugleich die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Wie lautet ihre Prognose für die kommenden zwölf Monate?

Göllmann: Wir wollen gut aus der Krise und auf der Düsseldorfer Straße auch gut aus der Baustelle kommen. Leider sehen wir kein Dürpelfest kommen, sondern bis Ende des Jahres eher kleinere Veranstaltungen wie Balkonkonzerte. Für September haben wir ein Lichtkunstfest vor, am liebsten mit Publikum. Ganz aktuell beginnen wir ein mehrmonatiges Projekt mit Porträts von Zukunftsgestaltern und Mutmachern aus dem Stadtteil.

Gloria Göllmann, die am 29. April 52 Jahre alt wird, lebt mit ihrem Mann Frank in Ohligs. Gemeinsam betreiben sie die Kunstfabrik KP21. Göllmann, die aus Münster stammt und zuvor unter anderem 25 Jahre in der Mode-Branche gearbeitet hat, ist 2014 nach Ohligs gekommen. Seit Ende 2017 ist sie Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Solingen-Ohligs.

Ein Luxusgut verkaufen, das so teuer wie ein Kleinwagen ist? Inmitten einer Pandemie mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen? Tanja Metzger machte sich im Frühjahr des vergangenen Jahres keine Illusionen.

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