Andacht

Wir wollen es gut machen, aber nicht perfekt sein

Superintendentin Dr. Ilka Werner ist Initiatorin und Geschäftsführerin der Pfingstwerkstatt Kirchenmorgen vom 3. bis zum 5. Juni in Solingen. Einzelheiten zum Programm: www.kirchenmorgen.de
+
Superintendentin Dr. Ilka Werner ist Initiatorin und Geschäftsführerin der Pfingstwerkstatt Kirchenmorgen vom 3. bis zum 5. Juni in Solingen. Einzelheiten zum Programm: www.kirchenmorgen.de

Regelmäßig gibt es die Andacht im ST – heute von Superintendentin Dr. Ilka Werner.

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

Nobody is perfect! – Niemand ist perfekt! Wir wissen das, und doch können nur wenige von uns Fehler oder Irrtümer achselzuckend abtun. Stattdessen herrscht in unserer Gesellschaft ein ungeheurer Druck zur Perfektion. Ich weiß nicht genau, woher das kommt. Es mag eine Mischung sein: aus Idealbildern, die uns antreiben, und aus der Chancenvielfalt, die nicht zu nutzen unverzeihlich scheint. Und aus der unversöhnlichen Einstellung, immer nur das Beste verdient zu haben und darum fehlerhafte Ware oder Performance als persönliche Beleidigung aufzufassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass wir als Gesellschaft die Vorstellung des gnädigen Gottes verloren haben. Was ich damit meine? Der christliche Glaube hat seine Pointe in der Überzeugung, dass Gott gnädig mit den Fehlern, Defiziten und Sünden der Menschen umgeht. Weil nicht nur die Menschen in der Welt und in unserer Zeit handeln, sondern auch und gerade und viel effektiver Gott. Beides führt dazu, dass menschliche Perfektion kein hoher Wert ist im Glauben. Christinnen und Christen sagen: Gott nimmt uns an, wie wir sind. Und das gibt uns die Kraft, uns so zu verändern, dass wir unsere Sache gut machen. Und es gibt uns die Überzeugung, dass Gott die Welt nicht ganz uns und erst recht nicht sich selbst überlässt. Kirchenmenschen sagen darum: Wir wollen es gut machen. Aber nicht perfekt sein.

Was für die einzelnen Christenmenschen gilt, gilt auch für die Kirche: Sie will es gut machen. Aber nicht perfekt sein. Die Zeit, in der sie den Anspruch auf moralische Überlegenheit vor sich hergetragen hat, ist vorbei. Die Kirche weiß, dass dieser Anspruch der Grund für schlimmste Fehler war. Es ist ihr schwer gefallen, sie zuzugeben. Und sie ist noch damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass es jetzt besser gemacht wird. Aber die Kirche weiß sich auch als diese fehlerhafte Kirche von Gott angenommen. Und sie schöpft daraus die Kraft, um Verzeihung zu bitten und sich so zu verändern, dass sie es jetzt gut machen kann. Nicht perfekt, aber gut. Wie es gut ist, was die Kirche tut, hängt einmal davon ab, ob sie auf Gott hört und ob ihr Gottvertrauen sie trägt. Und zum zweiten hängt es davon ab, was die Menschen von ihr wollen, wozu sie Kirche brauchen.

Beides, das Hören auf Gott und das Hören auf die Menschen, ist nie abgeschlossen und fertig, sondern immer in Veränderung. Darum veranstalten wir zu Pfingsten in Solingen den Kirchenmorgen (Eigenschreibweise: KIRCHEnMORGEN). Eine große Werkstatt, bei der es darum geht, was Menschen der Kirche sagen wollen. Und in der es darum geht, über die Gestalt der Kirche nachzudenken. Über das, was sie für die Menschen und die Gesellschaft tut. Und auch um zu reden und etwas auszuprobieren. Ganz unperfekt. Aber mit dem ernsthaften Willen, es gut zu machen.

Kirchenmorgen besteht aus zehn einzelnen Werkstätten, zu denen Sie eingeladen sind. Da gibt es etwa den „Imbiss“ und die Frage: „Was macht mich satt und nicht nur voll?“. Da gibt es „Dear white church, dear colourful church“ und die Frage, wie Kirche sensibel für Rassismus auch in den eigenen Reihen werden kann.

Kirchenmorgen ist einExperiment, das gut tun will

Da ist die „Baustelle“, die meditativ den persönlichen Bildern von Glaube, Kirche und Gemeinschaft nachspürt. Da ist der „Garten Eden“, in dem es um praktische Nachhaltigkeit geht. Und da sind noch sechs andere Werkstätten, die auch jenseits von Perfektion danach fragen, wie wir es gut machen können. Für uns persönlich, in der Kirche, in unserer Stadt und Gesellschaft.

Kirchenmorgen ist ein Experiment, das guttun will: den Menschen, die mitmachen oder vorbeischauen, der Kirche, die sich veränderungsbereit zeigt. Ein Experiment, das den Druck zur Perfektion nicht mitmacht, aber hilft herauszufinden, wie wir es gut machen. In der Bibel heißt es: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist: Gottes Wort halten. Liebe üben. Und demütig sein vor Gott (Micha 6,8). Ich lade Sie herzlich ein zum Kirchenmorgen!

Bleiben Sie behütet!
Ilka Werner

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise
So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise

Kommentare