Wir nehmen uns jeden Abend Zeit, um zu überlegen, was uns am Tag gut gefallen hat

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Simone Miklis

Heute lädt die katholische Pastoralreferentin Simone Miklis zur Andacht ein

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Es ist ein Donnerstagabend, 19.45  Uhr. Draußen ist es dunkel, kalt und es nieselt. Eine meiner Freundinnen steht vor der Tür und holt mich zu einem Spaziergang ab. Wir freuen uns. So verrückt das auch klingt.

Zugegeben, vor über einem Jahr hätten wir uns wahrscheinlich lieber in einer Pizzeria getroffen. Niemals wären wir auf die Idee gekommen, draußen unsere Runden durch die Straßen zu ziehen. Spazieren war damals nur tagsüber und wenn möglich bei Sonnenschein angesagt. Doch so vieles hat sich in den vergangenen Monaten verändert und dazu gehört auch das Spazier-Verhalten vieler Menschen, die einfach nicht den ganzen Tag lang zu Hause sitzen möchten. Ich gehöre dazu.  Tagsüber wandere ich mit meinen Kindern durch den Wald. Mittlerweile haben wir alle Jahreszeiten durch. Die Zugvögel, die wir im Herbst verabschiedet haben, kommen langsam zurück und bald werden wir wieder Kaulquappen beobachten. Ich genieße es, momentan mehr in der Natur unterwegs zu sein, denn ich habe das Gefühl, das kam viele Jahre einfach zu kurz.

Ich ziehe also weiter meine Runden mit meiner Freundin durch die Stadt. Regenschirme zu tragen, ist uns zu lästig. Dass unsere Outdoorjacken den Regen schon abhalten, wissen wir mittlerweile. Sie haben sich bewährt. Das Schöne am Spazieren ist zum einen das Laufen, das In-Bewegung-Sein. Es fühlt sich gut an und auch hier merke ich, dass ich das in den letzten Jahren zu wenig getan habe.

Zum anderen genieße ich aber auch die Gespräche. Natürlich sprechen wir über unseren Alltag, über das Homeschooling, über Homeoffice, darüber, dass die Kinder langsam zurück in die Kitas und Schulen gehen, darüber, wie es uns geht mit größeren Belastungen auf der einen Seite und weniger Kontakten auf der anderen. Wir reden aber auch über Themen, die uns unabhängig von der Pandemie auf dem Herzen liegen. Meine Freundin zum Beispiel erinnert sich daran, dass meine Kinder und ich uns in der letzten Fastenzeit vorgenommen haben, weniger mit dem Auto zu fahren.

„Es ist schön, dieses neue ‚Mehr’ in unserem Leben.“

Sie fragt mich, was unser Vorhaben für dieses Jahr sei. „Das war wirklich nicht leicht“, erinnere ich mich. Wie die meisten hatte auch ich dieses Jahr das Gefühl, dass wir doch schon auf so viel verzichten. Dann auch noch fasten? Das wirkte verkehrt. Mit der Fastenzeit werden wir regelmäßig wieder aufgefordert, unser Leben unter die Lupe zu nehmen. Was gelingt gut? Was läuft schlecht? Wie komme ich mit mir ins Reine? Wie kann ich mich Gott näher fühlen? Wenn man darauf ehrlich schaut, entdeckt man nicht nur ungeliebte Gewohnheiten, die sich in unseren Alltag eingeschlichen haben, und die man gerne wieder loswerden würde. Man entdeckt auch das, was man in letzter Zeit zu wenig getan hat, was einem fehlt, weil es einem guttut. In unserem Fall war das ein positiver Blick auf den Tag. Wir nehmen uns jetzt jeden Abend kurz Zeit, um uns zu überlegen, was uns am Tag gut gefallen hat. Diesen Dank bringen wir vor Gott. Bisher bereichert das unseren Alltag. Wir haben ein gutes Fasten-Vorhaben gefunden und ich bin gespannt, wie wir es auch nach der Fastenzeit gut in unsere Abende integrieren können. Uns hat es gut getan, dass wir uns dieses Jahr für ein „Mehr“ und nicht für ein „Weniger“ entschieden haben.

Meine Freundin und ich laufen nach Hause. Es ist schön, dieses neue „Mehr“ in unserem Leben zu haben. Mehr Spaziergänge, mehr Gebete. Natürlich bräuchten wir nicht unbedingt die Fastenzeit dazu, um etwas in unserem Leben zu verändern. Aber mir helfen oft solche äußeren Umstände, die mich dazu bringen, mein Leben etwas neu zu sortieren.

Ihre

Simone Miklis

Persönlich

Simone Miklis studierte von 2001 bis 2006 Katholische Theologie in Bonn. Seitdem arbeitet sie als Pastoralreferentin für das Erzbistum Köln. Seit etwa zwei Jahren ist sie nun in der Solinger Pfarrei St. Sebastian im Einsatz. Mit ihrer Familie lebt sie in Haan.

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