Zukunftsdiskurs

„Wir müssen den Iranern Mut zusprechen“

9. Solinger Zukunftsdiskurs der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Aufgewacht in einer anderen Welt“ im Zentrum der Verfolgten Künste.
+
9. Solinger Zukunftsdiskurs der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Aufgewacht in einer anderen Welt“ im Zentrum der Verfolgten Künste.

9. Solinger Zukunftsdiskurs im Zentrum für verfolgte Künste.

Von Sabine Naber

Am 24. Februar 2022 hat die russische Armee einen völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine begonnen. Und vor wenigen Wochen begannen Proteste im Iran, als durch Polizeigewalt eine junge Frau in Teheran getötet wurde. Vor diesem Hintergrund ging es beim 9. Solinger Zukunftsdiskurs unter der Überschrift „Aufgewacht in einer anderen Welt“ um die Sicherheitspolitik nach dem Ukrainekrieg und die Zukunft des Iran.

Auf Einladung des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) trafen sich im Zentrum für verfolgte Künste am Montagabend die SPD-Politikerin Dr. Lale Akgün, die Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Bienert, die Journalistin Nasim Reza-Tehrani, die im Iran geboren, aber in Deutschland aufgewachsen ist und Peer Teschendorf, Referent für Europäische Außen- und Sicherheitspolitik der FES, der aus Berlin zugeschaltet war. Zusammen mit ihnen spannte die Moderatorin Alice Greschkow, Bloggerin und Politikberaterin, einen Bogen von der Ukraine über Russland und den Iran bis nach Europa.

Auf die Frage, welche Erfahrungen er als Büroleiter in Moskau gemacht hatte, antwortete Teschendorf, dass es entsprechende Drohungen von Putin gegeben habe, dass aber auch die Menschen in Russland einen Angriff in diesem Umfang nicht erwartet hätten. „Die Reaktion des Westens auf die Annexion der Krim war 2014 vorsichtig. Die Schlussfolgerung des Kremls war, dass man schnell zur Normalsituation zurückkommen würde. Die Ukraine konnte sich vorbereiten.“ Bienert zeigte sich überzeugt, dass die Eskalation vorhersehbar gewesen sei: „Und zwar schon seit 1991, als die Ukraine unabhängig wurde. 84 Prozent der Ukrainer inklusive der Krim und des Donbas, haben damals für die Unabhängigkeit gestimmt. Die Reaktionen, als die Russen die Krim einnahmen und 2015 in Syrien angriffen, waren einfach zu schwach.“

Auch im Iran seien die jetzigen Konflikte absehbar gewesen

„Waren wir blind – haben wir den großen Denkfehler gemacht, dass man mit Geld die Probleme in Schach halten kann“, diese Frage stellte Akgün in den Raum und zeigte sich überzeugt, dass Stillhalten keine Strategie ist. „Die EU ist eine Werte-, keine Handelsgemeinschaft. Inzwischen aber eine komplizierte Gemengelage. Wir müssen zu einem Mehrheitsstimmrecht kommen.“

In Deutschland sei man überrascht, dass der Tod einer Iranerin zur Folge hat, dass jetzt Tausende Iranerinnen und Iraner auf die Straße gehen. „Das liegt daran, dass versucht wird, immer erst dann zu reagieren, wenn der Konflikt längst da ist“, macht Nasim Reza-Tehrani deutlich. Der Konflikt sei aber bereits seit 2009 erkennbar gewesen und die Proteste schon lange nicht mehr eine feministische Revolution. Es gehe um Misswirtschaft, eine verarmte Mittelschicht, Korruption und Unterdrückung. „Russland und Iran sind zurzeit ziemlich beste Freunde. Dazu kommt der Schulterschluss mit China. Wir müssen genau hingucken“, empfahl sie. Der Iran sei ein Mullah-Staat, in dem die Menschen aber westlich orientiert seien. „Wir brauchen solidarische und moralische Unterstützung. Wir müssen den Iranern Mut zusprechen, dass sie es schaffen können.“

Von Mut, mit dem die Zukunft angegangen werden sollte, sprach auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach, als er sich bei Andreas Schäfer, dem Initiator des Diskurses und der Friedrich-Ebert-Stiftung für die intensiven Vorbereitungen für diesen Abend bedankte.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen

Kommentare