Mein Blick auf die Woche

Wir brauchen eine gute Fee mit Zauberstab

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Was wir nicht wollen, wissen wir schnell. Was wir wollen, ist auch schnell klar. Für die Lösung der teilweise daraus resultierenden Widersprüche braucht es wohl eine gute Fee, befürchtet ST-Chefredakteur Stefan M. Kob.

Was wir nicht wollen, darin sind wir uns immer schnell einig. Wir wollen keinen Strom aus Atom, Kohle oder Gas. Wir wollen keine surrenden Überlandleitungen und keine Verspargelung unserer schönen Landschaft durch Windräder, keinen Vogelschlag und Schattenwurf durch Rotoren, keine Photovoltaik auf historischen Dächern.

Auch über das, was wir wollen, gibt es wenig Dissens. Preiswerte Energie, um unsere Wohnungen zu wärmen, sichere Arbeitsplätze, um unseren Wohlstand und unseren Sozialstaat zu wahren und unseren verdienten Urlaub in der Sonne zu genießen. Ach ja, und die Regale im Supermarkt und der Apotheke müssen stets mit allem Wichtigen gefüllt sein. Wenn zu Hause die Wasserleitung leckt, soll bei Anruf Hilfe sofort anrücken. Natürlich CO2-neutral mit dem Lastenrad, denn schließlich wollen wir ja vor allem eins: das Klima retten.

So weit, so gut. Blöd nur, dass es keine gute Fee gibt, die diese unvereinbaren Widersprüche mit ihrem Zauberstab auflösen kann. Erst recht nicht können das Politiker, die einem manchmal fast leidtun, wenn sie zum Beispiel grün sind und jetzt die verstörenden Bilder aus Lützerath anschauen müssen.

Das alles muss wohl die Realität sein, von der alle reden, die aber niemand wahrhaben will. 

Wie tief wir uns in unserem selbst gezüchteten Dickicht aus gegensätzlichen Zielen und gesetzlichen Barrikaden verheddert haben, wurde diese Woche wieder einmal deutlich. Da ging es um die Mobilitätswende, die wir natürlich alle wollen. Wegen Klimaschutz und so (siehe oben). Da liegt nichts näher, als noch einmal die Idee der Verkehrsplaner hervorzukramen, die vor über 125 Jahren die Müngstener Brücke geplant und sie sogar gebaut haben! Wer wettet dagegen, dass eine Brücke heute niemals und unter keinen Umständen dort mehr errichtet werden dürfte?) Jetzt geht es lediglich darum, ob man einen bereits vorhandenen Wartungssteg unterhalb der Schienen zu einem Fahrradweg ausbauen und diesen auf Remscheider Seite Richtung Hauptbahnhof sinnvoll weiterführen könnte. 

Dann, so die richtige Überlegung der Initiatoren, würde sich bestimmt der eine oder andere Radler mehr die Reise nach Remscheid zutrauen und dafür das Auto stehen lassen. Sogar jedem Autofan, der zuweilen ja auch Radfahrer ist, leuchtet sofort ein, dass trotz strammen Waden und gutem Willen nur der Hardcore-Radler über die enge kurvige Bundesstraße durch das tiefe Tal der Wupper strampelt, um zwischen Remscheid und Solingen zu pendeln.

Doch statt Applaus kommt Gegenwind von allen Seiten. Die Anwohner am Schaberg fürchten um die himmlische Ruhe in ihrem ländlichen Idyll, die Solinger Naturschützer um das sensible FFH-Gebiet. Denn der sogenannte Skywalk würde nicht nur zur Fortbewegung per Pedes oder Pedal über die Riesenbrücke einladen, sondern wäre noch zusätzlich ein Touristen-Magnet, der womöglich Leute von außen anzöge, die hier überhaupt nichts verloren haben! 

Und der gewünschten Weiterführung des Radwegs auf Remscheider Seite erteilte die Stadt sofort eine Absage. Denn die geplante Trasse verliefe zwar parallel zu den Bahngleisen, aber durch ein Naturschutzgebiet und würde auf einer Strecke von 100 Metern alten Baumbestand tangieren. Logischer Umkehrschluss: Den Bäumen ist also mehr geholfen, wenn alle weiter mit dem Auto über die Bundesstraße fahren. 

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen: So wird das nix mit der Wende – weder bei der Energie noch beim Verkehr. 

Unsere Themen in dieser Woche

Tempo-30-Zonen in Solingen wollen alle: Wir erklären, welche Partei was genau plant.

Traditionsgeschäft gibt nach 44 Jahren bald auf: Euronics Cäsar erklärt die Gründe.

Viele Pläne, wenig zu sehen: Was in der Gläsernen Werkstatt jetzt noch fehlt.

Endlich: Tiefgarage unter den Clemens-Galerien ist wieder geöffnet – aber mit Einschränkungen.

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