Hochwasser

Wipperkotten bleibt ein privates Museum

Viola Rodenkirchen (oben links) steht im Wipperkotten. Die Wupper stand dort am 14. Juli mehr als zwei Meter hoch. Ein Sonnenschirm markiert den Pegelstand (u.l.). Das Wasserrad muss komplett ausgetauscht werden. Die Gefache sind vom Putz befreit und trocken aus.
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Viola Rodenkirchen (oben links) steht im Wipperkotten. Die Wupper stand dort am 14. Juli mehr als zwei Meter hoch. Ein Sonnenschirm markiert den Pegelstand (u.l.). Das Wasserrad muss komplett ausgetauscht werden. Die Gefache sind vom Putz befreit und trocken aus.

Viola Rodenkirchen plant den Wiederaufbau das Solinger Wahrzeichens an der Wupper.

Solingen. Hätte sie doch nur einen Elektriker, sagt Viola Rodenkirchen. Sie steht im Untergeschoss des Wipperkottens, dem oft fotografierten Wahrzeichen Solingens an der Wupper. Im Untergeschoss, es wird als Museum, Café und auch als Wohnraum genutzt, sind die Wände vom Putz befreit. Eine Notstromversorgung liefert die Energie für die Bautrockner – sie werden auch sechs Wochen nach der Flutnacht noch gebraucht. Zudem müssen die alten Balken trocknen, teilweise tragen sie bereits Schimmel. Das alles erträgt Viola Rodenkirchen, denn sie will das Denkmal bald wieder öffnen können.

Um 21 Uhr wurde der Wipperkotten am 14. Juli von der Feuerwehr evakuiert. Familie Rodenkirchen – von der Ur-oma bis zum Urenkel im Säuglingsalter – kletterte durch ein Fenster im ersten Stock über eine Rutsche in die Hände der Feuerwehrleute. Am nächsten Tag wurde das Ausmaß der Schäden bereits sichtbar. „Mein Sohn hat 2,23 Meter gemessen.“ Viola Rodenkirchens Hand reicht bis knapp an die Balken zum ersten Obergeschoss, eine kleine Schlammlinie zeigt den Pegel heute noch.

Die Frau hat hier zwei Tage wirklich geackert.

Viola Rodenkirchen über eine Helferin aus Sachsen-Anhalt
Wipperkotten.

Schnell habe sie Hilfe aus der Nachbarschaft, von Freunden und Bekannten erhalten. Am meisten hat sie der Einsatz einer Frau aus Sachsen-Anhalt beeindruckt. „Sie hat erzählt, wie 2013 Hilfe aus dem Westen gekommen war. Das wollte sie zurückgeben. Die Frau hat hier zwei Tage wirklich geackert.“ Auch von Solinger Firmen freigestellte Mitarbeiter hätten mit angepackt. Es galt, das Vermächtnis ihres Vaters, des Designer Hans Karl „HaKaRo“ Rodenkirchen zu retten.

Solingen: Seit 30 Jahren kümmert sich Viola Rodenkirchen um die Geschicke

Rodenkirchen hatte den Kotten eher im Zustand einer Ruine vor mehr als 60 Jahren 1954 erworben. Den vorderen Teil, der hintere gehörte der Stadt Solingen und wird heute vom Förderverein der Schleiferei betrieben. Mit seiner Frau Lotte hat Hans Karl Rodenkirchen an der Wupper nicht nur ein optisches Schmuckstück geschaffen. Es ist ein Heimatmuseum entstanden mit viel Sinn für Kunst und Kultur. Seit 30 Jahren kümmert sich auch Tochter Viola um die Geschicke. Das Café wurde eröffnet, die Geschichte der Schleiferei an der Wupper und der Menschen dahinter sichtbar gemacht.

Wipperkotten.

Das soll auch bald wieder so sein. Doch es bleibt viel zu tun. Einige Ausstellungsstücke wurden bereits gereinigt. Alte Fotos sind dagegen noch eingefroren. Sie sollen nach dem Auftauen fachgerecht restauriert werden. Ursprünglich hatte sie gedacht, das alles werde rund 100 000 Euro kosten. Doch da ist Viola Rodenkirchen heute skeptisch. Sie löst jetzt Rücklagen auf, die für den Neubau des Wasserrads gedacht waren. Es sollte bald auch Energie liefern können. Ob und wie sie an Mittel aus den Wiederaufbaufonds kommt, ist ihr momentan noch völlig schleierhaft. Umso mehr freut sie sich über jede Spende, die ins Glas an der Brücke zum Kotten geworfen wird.

Jetzt geht es aber um schnelle Maßnahmen. Ein Elektriker – so sie ihn schnell findet – muss Steckdosen, Lichtschalter und Co. instandsetzen. Dann könnte alles wieder verputz werden. Der Wohnraum soll hergerichtet werden. „Ich wohne jetzt im Schlafzimmer in der ersten Etage.“ Mutter Lotte ist noch privat untergebracht, aber die 88-Jährige zieht es auch zurück an die Wupper.

Wipperkotten.

Museum

Im vorderen Bereich will Viola Rodenkirchen bald wieder das Heimatmuseum eröffnen. Dafür sucht sie jetzt Dokumente und Ausstellungsstücke, die vor allem das Leben der Lieferfrauen zeigen. Sie waren die wichtige Kette zwischen den Kotten an der Wupper und den Manufakturen in Solingen. Zugleich hofft Rodenkirchen auch auf eine Wiedereröffnung ihres Cafés. Über fachliche Hilfe ist sie dabei dankbar.

www.wipperkotten.de

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