Wie oder was soll ich beten?

Meinrad Funke ist seit 2015 leitender Pfarrer in der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian. Fotos: Michael Schütz, Mona Hüttem-Höhler
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Meinrad Funke ist seit 2015 leitender Pfarrer in der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Pfarrer Meinrad Funke

Liebe Leserinnen und Leser, Dietrich Bonhoeffer schreibt in einem seiner Briefe aus dem Gefängnis: „Unser Christsein wird heute vor allem in zweierlei bestehen: Im Beten und im Tun des Gerechten.“ (Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 435 folgende) Diese Aussage hat seither nichts an Aktualität verloren.

Allerdings wirft sie Fragen auf. Beten: Wie geht das und was ist das überhaupt? Wie bekomme ich (wieder) einen Zugang dazu? Tun des Gerechten: Was heißt das? Wer braucht mich? Wann darf ich anderer Leute Hilfe in Anspruch nehmen? Und: Wie kann ich Hilfe anbieten, so dass sie angenommen werden kann und nicht beschämt? Das Evangelium, das am kommenden Sonntag in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird (Markus 10,46b-52), kann hier Antworten geben. Es geht um die Heilung des blinden Bettlers Bartimäus am Stadttor von Jericho. Er ruft heraus, was er will. Er ruft so laut, dass es seiner Umgebung peinlich ist. Jesus aber bittet ihn zu sich heran. Da wirft der Blinde seinen Mantel weg (ist also ohne jeden Schutz) und geht auf Jesus zu. Im Gespräch mit Jesus und in der völligen Offenheit geschieht eine heilende Begegnung. Das ist das Gebet des Bartimäus. Manchmal fragen mich Menschen: Wie oder was soll ich beten. Sie fragen dann oftmals nach vorgegebenen Texten.

Diese können gut formuliert sein – und eine Stütze. Aber sie ersetzen nicht die spontane Kontaktaufnahme. Jesus / Gott das zu erzählen, was mich beschäftigt, es ihm notfalls entgegenzuschreien. Zu weinen, zu lachen, zu schimpfen im Vertrauen, dass er mich hört und mir begegnen will. Und dann aber auch auf ihn hören – still werden. Darum geht es zuerst und zuletzt im Gebet. Fangen wir einfach damit an, ihm am Abend von unserem Tag zu erzählen und hinzuhören, ob er uns etwas dazu zu sagen hat. Für eine Antwort auf die Frage nach einer angemessenen Hilfe kann ein Satz Jesu aus dem Evangelium ein wichtiger Impuls sein: „Was willst Du, dass ich Dir tue?“(Vers 51).

Manchmal neigen wir zu festen Vorstellungen von dem, was andere brauchen und richten unsere Hilfe nach diesen Vorstellungen aus. Jesus stellt eine Frage, die er selbst beantworten könnte, aber Bartimäus soll sich entscheiden, was er braucht. In dem er diese Entscheidung trifft, steht ihm schon der Weg zur Lösung seines Problems offen. Hilfe nicht im Sinne des Almosens und der Entmündigung, sondern in der Förderung des Selbstbewusstseins.

Lesen Sie gerne noch einmal selbst nach und lassen Sie sich von diesem, wie ich finde, sehr zeitgemäßen Evangelium inspirieren. Und zum „Beten und Tun des Gerechten“ verleiten.

Eine gute Woche wünscht Ihr Meinrad Funke

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