Müngstener Brücke

Widerstand gegen Skywalk formiert sich

Anwohnerin Ulla Hösterey erklärt am Bahnsteig den Interessierten, worum es geht. Foto: Christian Beier
+
Anwohnerin Ulla Hösterey erklärt am Bahnsteig den Interessierten, worum es geht.

Anwohner und Naturschützer schauten sich die Situation im Brückenpark und an der Müngstener Brücke an

Von Peter Klohs

Solingen. Dass der Skywalk in der Müngstener Brücke die Gemüter spaltet, wurde einmal mehr bei einem Treffen von Vertretern der bergischen Umweltorganisationen und besorgten Anwohnern am Solinger Bahnhof Schaberg klar. Die Brückenquerung ist in 100 Meter Höhe direkt unterhalb der Schienen vorgesehen.

Mit Moritz Schulze und Christoph Kalde waren die Vorstände des Naturschutzbundes (Nabu) für Remscheid und Solingen anwesend. Prof. Dr. Jörg Krone, Sprecher von Greenpeace in Remscheid, reiste mit der S 7 an. Der Bund für Umwelt und Naturschutz wurde von Sabine Vogel repräsentiert. Zahlreiche besorgte Anwohner, die von ihrer Sprecherin Ulla Hösterey vertreten wurden, kamen hinzu, so dass insgesamt 30 Personen die Gegebenheiten rund um die Müngstener Brücke in Augenschein nahmen.

„Die Idee des Skywalkes hat auf den ersten Blick etwas Charmantes.“

Jörg Krone

„Die Idee des Skywalkes hat auf den ersten Blick etwas Charmantes“, sagte Jörg Krone zu Beginn. Wenn man tiefer in die Materie eindringe, zeigten sich recht schnell die eigentlichen Probleme. Ein neuer Parkplatz für etwa zehn Fahrzeuge soll hinter dem Bahnhof am Gleis in Richtung Remscheid entstehen. Die noch vorhandene große Baustelle unmittelbar am Brückenbeginn soll renaturiert werden. Die Versiegelung von großen Naturflächen wird befürchtet.

Wie Moritz Schulze berichtet, habe sich die Stadt bei den angenommenen Besucherzahlen für den Brückenpark schon arg verschätzt. „Und das wird beim angedachten Skywalk nicht anders sein“, vermutet der Naturschützer. Offiziell rechnet man wegen des Skywalks mit rund 1,3 Millionen Touristen jährlich. „Es werden deutlich mehr werden“, vermutet Schulze. „Außerdem ist das hier“, und er zeigt auf die nähere Umgebung, „Landschaftsschutzgebiet, zum Teil auch FFH-Gebiet. Änderungen an der Landschaft sind nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Neue Wege anlegen, geht gar nicht.“

Anwohner machten auf andere Probleme aufmerksam: „Wer immer denkt, er könne fahrradfahrend die Wupper in 100 Meter Höhe überqueren, irrt. Auf der Plattform befinden sich Schienen für ein Wartungsfahrzeug. Und die werden erhalten bleiben.“ Das sei für Radler viel zu gefährlich. „Und wer garantiert“, fragt Ulla Hösterey, „dass niemand etwas vom Skywalk nach unten wirft? Das kann für Spaziergänger unter der Brücke lebensgefährlich werden. Netze aufspannen geht nicht, das sind Vogelfallen.“ Außerdem vermutet sie, dass die wenigen geplanten Parkplätze nur der Anfang seien. „Typische Salamitaktik“, sagt die Sprecherin der Anwohner. „Da kommen dann nach und nach immer mehr.“

Andere Meinungen sind zu hören. „Das ganze Projekt Skywalk“, äußert ein Anwohner, „ist nur der vorsorgliche Ersatz für das möglicherweise nie zu realisierende DOC. Treibender in dieser Angelegenheit ist ja wohl die Stadt Remscheid.“ Über die Versiegelung ist Sabine Vogel besorgt: „Seit acht Jahren wird an der Brücke gebaut, und die Natur hat sich bereits deutlich verändert. Der Boden ist schon jetzt durch die Schwerfahrzeuge so verdichtet, dass keine Versickerung mehr stattfinden kann.“

Wenn sich die Idee des Skywalkes durchsetzen sollte, sind Anwohner und Umweltschützer bereit, es den Verwaltungen so schwer wie möglich zu machen. Ulla Hösterey: „Wir wollen den Skywalk nicht. Die Meinung der Stadtverwaltung interessiert mich nicht. Und wenn die Bahn als Eigentümer des Geländes sagt: Njet, dann ist die ganze Geschichte sowieso schnell vergessen.“

Hintergrund

Ein FFH-Gebiet ist ein europäisches Schutzgebiet, das nach den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien ausgewiesen wird und dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensraumtypen dient. Rund um den Bahnhof Solingen-Schaberg befinden sich neben Naturschutzgebieten auch solche Naturabschnitte. Die Anwohner und Naturschützer fürchten die Zerstörung dieser Gebiete durch den Bau des Skywalks. Dazu kommt die Sorge vor Massen an Touristen im Gebiet.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Seniorin stürzt im Bus und verletzt sich schwer - Polizei sucht Zeugen
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet
Corona: Inzidenz sinkt leicht - Teststelle im Theater und Konzerthaus öffnet

Kommentare