Bergische Kunstaustellung

Werke beschäftigen sich mit dem Selbst

Joschua Pesch (r.) gab gestern einen Einblick in die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung. Foto: Christian Beier
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Joschua Pesch (r.) gab einen Einblick in die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung.

Bergische Kunstausstellung im Kunstmuseum: Künstler griffen viele aktuelle Themen auf.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Mit seinen Bildern, die auf den ersten Blick eine düstere Szenerie in einem vermeintlichen Urlaubsparadies erahnen lassen, möchte Künstler Tim Sandow eine bewusste Haltung beim Betrachtenden provozieren. Mit gedeckten Farben sowie starken Kontrasten lässt er das Urlaubsparadies Lanzarote aufleben und verarbeitet zugleich autobiografische Erfahrungen, welche die Bilder dennoch mit Lebendigkeit füllen.

„Die Werke haben bewusst keinen roten Faden.“

Joshua Pesch, Kunstmuseum Solingen

Zur Sonderausstellung im Rahmen der 74. Internationalen Bergischen Ausstellung im Kunstmuseum Solingen gastierte Tim Sandow als Gast-Guide gemeinsam mit Joshua Pesch, Mitarbeiter des Kunstmuseums. Zum zweiten Mal führte Pesch rund 16 interessierte Besucher durch die Sonderausstellung im Kunstmuseum. Die Führung wurde gemeinsam vom Solinger Tageblatt und der Stadt-Sparkasse Solingen präsentiert. „Die ausgestellten Werke der Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs haben erstmal bewusst keinen roten Faden“, so Joshua Pesch. „In diesem Jahr ging es erstmals um unterschiedliche Themen wie Geschlecht und Körperlichkeit, Sexualität sowie die Dechiffrierung von Zeichen und den Umgang mit Normen und Werten.“

Von Malerei bis hin zu Skulpturen, Installationen und Arbeiten auf Leinwänden, präsentieren rund 16 Aussteller ihre Werke. Philipp Valentas Soundinstallation spielt mit den Sinnen und der ästhetischen Erfahrung von Klängen. Was eingangs als Gitarrenmusik erscheint, sind in Musik übersetzte Ratings von Bonitätsstufen der Finanzkrise von 2008.

Beim Wettbewerb um einen Ausstellungsplatz habe die Malerei erstmals wieder an Bedeutung gewann, so Pesch weiter, so seien viele Arbeiten auf Leinwänden eingereicht worden. Ob Panoramalandschaften, die Abbildung der Arbeit in einem Atelier oder die Einbringung des Künstlers und seines Körpers in die Arbeiten – die Werke der Ausstellung 2020 lassen erahnen, dass viele der Künstler sich thematisch vielseitig aufstellen.

Auch die Beschäftigung mit dem Selbst ist eines der aktuellen Themen, das nicht nur während der Corona-Pandemie Eingang in die Kunst fand. So ist der überdimensionale Warmwassertank mit der Aufschrift „Think outside the Box“ nicht nur ein Rückzugsort, um externe Reize und Wahrnehmungen bewusst auszuschließen, sondern die innere kognitive Wahrnehmung, auf sich selbst zu konzentrieren. Überhaupt erzeugt die Sonderausstellung den Eindruck, dass künstlerisch alles erlaubt ist und Grenzen bewusst überschritten werden.

Von einer Hommage an den Minimalismus der 1980er Jahre zeugen nicht nur die Arbeiten von Petra Deta Weidemann, sondern auch die Videoperformance von Nicholas Grafia und Mikolaj Sobczik, die sich mit Homosexualität auseinandersetzt. Überhaupt nimmt das Thema Sexualität in all ihren Erscheinungsformen eine wichtige Rolle eine. So wirft die Ausstellung einen Blick auf Frauenrechte oder beschäftigt sich mit Homosexualität in Russland. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werke des diesjährigen Preisträgers der National-Bank AG Max Pimpernelli (Max Hölter). Seine Bilder erinnern bisweilen an Einflüsse des russischen Malers Wassily Kandinsky.

„Es geht hierbei auch um die Übersetzung der eigenen Gefühle in der Kunst sowie den Einsatz des eigenen Körpers“, erklärt Joshua Pesch.

Preisträger des 74. Internationalen Bergischen Kunstpreises 2020 ist Max Hölter – mit Künstlernamen Max Pimpernelli – mit seinem Werk „dancing clown“.

AUSSTELLUNG

Jährlich werden während des Wettbewerbs zur Bergischen Kunstausstellung, dessen Preis die National-Bank AG verleiht, verschiedene Werke von Künstlern des Städtedreiecks bewertet und gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. November im Kunstmuseum zu sehen.

Infos gibt es online unter: kunstmuseum-solingen.de

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