Andacht

Wer trägt mich und was gibt mir Kraft?

Für Stadtdechant Michael Mohr ist Jesus Christus ein Freund, der immer da ist, wenn er ihn braucht. Archivfotos: Christian Beier/Natalie Kuhls
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Für Stadtdechant Michael Mohr ist Jesus Christus ein Freund, der immer da ist, wenn er ihn braucht.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Stadtdechant Michael Mohr.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Was trägt mich? Das ist eine Frage, die ich mir immer wieder mal stelle, nicht nur in der Fastenzeit. Was sind die Dinge, die in meinem Leben so fundamental, so wichtig sind, dass sie mir Kraft geben?

Die Antwort ist nicht einfach, auch wenn sicher „Gott“ als Antwort immer naheliegt, wenn ein Pfarrer schreibt. Und selbstverständlich spielt er für mich eine wichtige Rolle. Allerdings bringt mich dieser Gedanke darauf, dass die Frage vielleicht auch falsch gestellt ist. Ist es nicht viel besser zu fragen: Wer trägt mich? Denn Gott ist doch kein „was“, sondern ein „wer“.

Und darüber hinaus fallen mir auch eher Personen als Dinge ein, die mich durch mein Leben nicht nur begleiten, sondern stützen und tragen. Als Christen stehen wir am Beginn der Karwoche.

Pastor Michael Mohr

Wir feiern Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern. Das ist, auf eine Woche begrenzt, so ziemlich alles, was in einem Leben an Höhen und Tiefen kommen kann: Der Jubel beim Einzug in Jerusalem, die vertraute Runde enger Begleiter beim letzten Abendmahl, die Angst und der Schrecken des Verrats und der Verhaftung, der Schmerz und das Leid der Haft und der Folter, die Trauer und Bestürzung über den Tod und die Freude und Hoffnung der Auferstehung. Was für eine Woche! Für mich neben den Feiern auch ein Anlass, mich zu fragen, wer mich in solchen Extremsituationen trägt? Beim Jubel wie beim gemeinsamen Essen. Und vor allem auch, wenn es eng wird: Wenn das Leben weh tut und anstrengend ist.

„Vielleicht spüren Sie, dass Jesus Christus ein Freund sein möchte, der durch alle Höhen und Tiefen ein verlässlicher Begleiter ist.“

Bei mir gibt es viele, die in den schönen und freudigen Tagen des Lebens dabei waren und sie mitgetragen haben. Und einige wenige, die in allen Situationen bisher da waren (und auch in Zukunft da sein werden, da bin ich mir sicher).

Enge Begleiter oder ganz einfach: Freunde. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Lesern auch so geht? Natürlich ist es wunderbar, im großen Kreis vor allem die frohen Momente im Leben zu genießen. Noch wichtiger aber ist die wahrscheinlich kleinere Zahl derer, die mit uns durch dick und dünn gehen. Die gerade dann da sind, wenn es darum geht, Leid mit zu tragen. Da helfen Therapeuten (und übrigens auch Seelsorger) zwar, aber noch wichtiger sind Freunde, die immer da sind.

Für mich ganz persönlich ist das auch Jesus Christus: Ich weiß, dass er da ist, wann immer ich ihn brauche. Ich habe das gespürt, immer wieder in meinem Leben und nicht nur in den hellen, frohen Tagen, sondern auch in Sorgen und Trauer. Und umgekehrt möchte ich auch Jesus Christus begleiten: mich mit ihm freuen, an seiner Seite sein, wenn es nach Jerusalem geht. Und auch da sein, wenn es eng wird. Ob ich das damals geschafft hätte? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Heute bin ich froh, dass ich diese Tage zusammen mit anderen Menschen in den Gottesdiensten begehen kann, natürlich unter den entsprechenden Bedingungen, die wir alle kennen und unter denen mittlerweile jeder ächzt.

Aber es tut mir gut, mit anderen den Glauben und die Hoffnung zu feiern! Ist für Sie Jesus auch so ein Freund, der Sie begleitet und trägt? Oder hört sich das für Sie abgehoben an? Probieren Sie es einfach mal aus und feiern Sie die Kar- und Ostertage mit, lesen Sie in den Evangelien nach, fragen Sie andere Christen. . . Vielleicht spüren Sie, dass Jesus Christus tatsächlich ein Freund sein möchte, der durch alle Höhen und Tiefen ein verlässlicher Begleiter ist.

Ob mit oder (noch) ohne Jesus an Ihrer Seite wünsche ich Ihnen jedenfalls Freunde, die mit Ihnen durch dick und dünn gehen. Und vielleicht gelingt es auch, selbst ein solcher Freund zu sein.

Ihr Pastor Michael Mohr

Zur Person

Michael Mohr studierte Theologie in Bonn, Salamanca und Köln. Die Diakonenweihe folgte 2007, die Priesterweihe 2008. Nach Kaplanstellen in Neuss, Wipperfürth und Grevenbroich ist er seit 2016 Pfarrer in Solingen, seit 2017 Stadtdechant.

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