Andacht im ST

Wer ist der coolste auf dem Schulhof?

Simone Miklis ist als Pastoralreferentin an St. Sebastian tätig. Heute beschäftigen sie Vergleiche zwischen Menschen.
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Simone Miklis ist als Pastoralreferentin an St. Sebastian tätig. Heute beschäftigen sie Vergleiche zwischen Menschen.

Heute schreibt Simone Miklis, katholische Pastoralreferentin in ST. Sebastian.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Neulich holte ich meine Kinder von der Schule ab und wurde Zeugin von folgendem Dialog zwischen zwei Jungs: Der eine kletterte auf die höchste Reckstange, setzte sich oben drauf und schaute genüsslich von oben herab auf das Geschehen auf dem Schulhof.

Der andere kommentierte das mit den Worten: „Gib nicht so an!“ Woraufhin der erste sagte: „Du kriegst noch nicht mal ein Tor bei mir rein!“ Das sollte wohl so viel wie: „Misch dich nicht ein!“ heißen. Zumindest ging der zweite Junge daraufhin weg.

Ich fragte mich noch, was das eine mit dem anderen zu tun hatte, verstand dann aber auch, dass wohl geklärt werden musste, wer der Coolste auf dem Schulhof ist, egal, ob es sich um Kletter- oder Fußballkünste handelte. „Immer dieses Vergleichen“, ging mir dabei durch den Kopf. Das nervt mich, das können meine Kinder auch ganz gut . . .

Simone Miklis

Tatsächlich mag ich den Vergleich zwischen Menschen nicht. Gerne würde ich diese Eigenschaft, sich mit anderen zu vergleichen, als kindisch abtun, doch das wäre falsch. Für Kinder gehört das Sich-Miteinander-Vergleichen zum Aufwachsen und zum Orientieren, wo sie stehen, dazu. Aber auch viele Erwachsene konkurrieren häufig miteinander darum, wer der Tollste, Beste, Klügste ist. Dieses Verhalten scheint zutiefst menschlich zu sein, immerhin kennt Jesus es auch und widmet ihm seine Aufmerksamkeit. Er erzählt die Geschichte vom Pharisäer und vom Zöllner, die beide die Synagoge zum Gebet besuchen. Der Zöllner schreitet bis ganz vorne und dankt Gott in seinem Gebet dafür, dass er nicht so ist wie die anderen Menschen, „die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.“ Er „faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil“ seines gesamten Einkommens.

Damit ist sein Gebet beendet. Er erzählt Gott davon, wie gut er die religiösen Rituale beachtet und dass er froh ist, ein besserer Mensch zu sein, als alle anderen.

Es gilt als unhöflich, sich über andere zu stellen

Der Zöllner hingegen bleibt ganz hinten in der Synagoge stehen und betet: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Er bleibt ganz bei sich. Er weiß, dass er nicht alles richtig macht, aber auch das hält er nicht für nötig, Gott zu berichten. Es geht ihm beim Gebet nicht darum, Gott über seine Taten Bericht zu erstatten, sondern eine Beziehung zu ihm aufzubauen, auch wenn er weiß, dass er nicht der perfekte Mensch ist. Jesus kommentiert diese Szene mit seinen bekannten Worten: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lk 18,14)

Die Jungs auf dem Schulhof werden es noch lernen, dass sie sich nicht ständig mit anderen vergleichen müssen, um glücklich zu sein. Sie werden im Idealfall auch lernen, dass es als unhöflich gilt, sich über andere zu stellen. Wir Erwachsenen sollten das mittlerweile verinnerlicht haben.

Gerade aber in dem Moment, in dem ich mich vor Gott stelle, ist es egal, wer die anderen um mich herum sind. Dann ist jeder Vergleich hinfällig. Dann ist es nur wichtig, dass ich da bin und wie ich da bin. Das hat Jesus mit seiner Geschichte sehr deutlich gemacht. Im Gebet geht es nur um Gott und um mich. Und darum, dass ich mich ihm zeige, wohl wissend, dass er mich kennt.

Ihre Simone Miklis

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