Die Woche von Stefan M. Kob

Wenn der Sturm kommt, lieber Windmühlen als Mauern bauen

stefan.kob@ solinger-tageblatt.de

Vergangene Woche haben wir uns den durchaus gegebenen Chancen der Corona-Krise gewidmet.

Dass dies kein Pfeifen im dunklen Wald ist, zeigt die wachsende Liste von Beispielen, die sich Tag für Tag, Woche für Woche herauskristallisieren.

An vorderster Stelle: Wenn wir irgendwann auf die überstandene Krise zurückschauen können, werden die Städte in NRW ihr bisheriges Dasein als fromme Lämmchen einer allwissenden und allmächtigen Landesregierung abgelegt haben. Sie werden zu selbstbewussten Mitgliedern der Kommunalfamilie erwachsen sein, die sich von Düsseldorf nicht mehr auf diese Weise herumscheuchen lassen. Dafür agiert die Landesregierung in dieser Krisensituation bisher zu ängstlich, zu zögerlich und alles andere als konsistent. Dem bundesweiten Satiremagazin „Postillon” war das den schalen Witz wert, Ministerpräsident Laschet erlaube den Bewohnern seines Bundeslands angesichts der Maskenpflicht, „ihre Masken nur so irgendwie halb zu tragen” – garniert mit einem Bild des Ministerpräsidenten mit falsch angelegtem Mundschutz. Der Spott kommt nicht von ungefähr: Während ein Bundesland nach dem anderen die Maskenpflicht gesetzlich verankerte, drückte man sich in Düsseldorf erneut um eine klare Festlegung. Doch jetzt probten die Städte erfolgreich den Aufstand und machten sich daran, dann eben in Eigenregie lokale Maßnahmen zu beschließen. Unter diesem (Ein)Druck rang sich NRW schließlich doch zu der ab Montag geltenden Regelung durch.

Das Lavieren hat Methode: Dort, wo das Land hätte selbst Verantwortung übernehmen müssen – durch klare Ansagen und unmissverständliche Erlasse –, hat man gezögert und gezaudert und Städte wie Solingen alleingelassen mit der Interpretation der schwammigen Vorgaben. Nur dort, wo man bequem die Verantwortung auf die Kommunen schieben konnte, war man plötzlich sehr forsch: Denn das Vorpreschen des Landes bei der Schulöffnung dürfen die Städte als Schulträger ausbaden. Dass diese das trotz der ultrakurzen Ankündigungszeit mehr als passabel gemeistert haben, dürfte das Selbstbewusstsein in den Schulen und Rathäusern weiter stärken.

Eine weitere Hoffnung muss sich noch mehr erfüllen: dass Unternehmer und Firmenchefs die Krise als Chance verstehen. Die Chinesen sagen, wenn der Sturm aufzieht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen. Welche Strategie die bessere ist, liegt auf der Hand. Natürlich ist es nicht leicht, wenn einen Existenzsorgen quälen, gleichzeitig danach zu forschen, wie man sich technologisch oder organisatorisch weiterentwickeln könnte. Jetzt, wo Aufträge fehlen oder die Produktion stockt, wäre aber die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Dabei wird man feststellen, welche wirklich fantastischen Einrichtungen es hier bei uns gibt, die dabei wertvolle zukunftsorientierte Beratung, Forschung und Hilfestellung anbieten. Nur ein Beispiel, wenn auch ein sehr gutes, haben wir in dieser Woche vorgestellt: die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe (FGW) in Remscheid. Bei der eigentlich absurden Frage, ob man eine Säge digitalisieren kann, kam die klare FGW-Antwort: Ja, man kann. Die Maschine meldet sich, bevor das eingebaute Sägeblatt kaputt geht – ein Musterbeispiel, wie die vielzitierte Industrie 4.0 ganz praktisch umgesetzt werden kann. Ein Beispiel, das Schule machen muss, wenn wir mit unserer Industrie Technologieführer bleiben wollen.

TOP Cobra-Autokino vom Start weg ein großer Erfolg.

FLOP Lockerungen werden zu locker gesehen: In der City halten sich viele nicht mehr an den Mindestabstand.

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