Die Woche von Stefan M. Kob

Wenn wir die Nr. 10 sind, wo stehen dann die anderen? 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Dass Solingen die Nr. 10 unter 403 deutschen Städten ist, die auf dem Weg zur Smart City sind, ist natürlich erst einmal ein Grund zur Freude.

Allerdings muss man einräumen, dass hier der Einäugige König unter den Blinden ist, wenn man das noch so sagen darf. Denn wenn schon Solingen Champions League ist, weiß man, wo die Digitalisierung in Deutschland insgesamt spielt: in der Kreisklasse.

Das soll jetzt keinesfalls die lobenswerten Solinger Anstrengungen schmälern, die unsere Stadt in eine gute Ausgangsposition gebracht haben. Richtigerweise brechen die Verantwortlichen im Rathaus angesichts des Ranking-Erfolgs jetzt nicht in Jubel aus, sondern sehen es als Ansporn, den eingeschlagenen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

Denn wirklich smart ist unsere Stadt noch lange nicht. Der Begriff steht für die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien in allen Bereichen auf kommunaler Ebene. Aber: Das Versenden eines Faxes per E-Mail ist ebenso wenig Digitalisierung wie die Möglichkeit, online einen Termin im Amt zu machen. Auch ist Frontalunterricht, der nicht im Klassenzimmer, sondern im virtuellen Raum per Zoom oder Teams stattfindet, noch lange kein digitales Lernen. Da steht ein ganz anderes Konzept der Inhaltevermittlung dahinter, das es nicht einmal in Ansätzen gibt.

Allenfalls transportieren wir hier unsere gewohnten analogen Prozesse mittels digitaler Technik. Digitalisierung meint etwas völlig anderes, radikales, disruptives. Kurz gesagt: Nichts bleibt, wie es ist. Aber jede lange Reise beginnt nun mal mit den ersten Schritten. Und die hat Solingen offenbar konsequent getan, indem man die richtige Strategie entwickelt hat. Damit ist unsere Stadt ganz weit vorn. In der Umsetzung leider noch nicht, weshalb der Normalbürger nicht viel smarte Veränderung spürt. Immerhin schafft Solingen eine Voraussetzung nach der anderen, damit man im Zug sitzt, wenn dieser mal endlich losfährt. Das fängt beim konsequenten Ausbau des Glasfasernetzes an und endet nicht bei der Ausstattung der Schüler und Lehrer mit digitalen Endgeräten.

Dass der Zug bald losfährt, ist keine Hoffnung, sondern alternativlos. Denn wenn diese verheerende Pandemie in dieser Zeit nur etwas Gutes hat, dann das: Sie wirkt als Turbolader für den Digitalisierungsmotor. Nur so können wir uns unser Leben zurückzuholen. Um mal ein Beispiel zu nennen: Statt in der Gastronomie unleserliche handgeschriebene Gästelisten mit unhygienischen Kugelschreibern zu pflegen, kann man andernorts vor dem Restaurant mittels App einen Barcode scannen und hat damit alle relevanten Daten wie Kontakt, Aufenthaltsdauer und Erreichbarkeit digital hinterlegt. Ein kleines Beispiel, das aber ebenfalls zeigt, worauf es auch ankommt: auf uns. Denn ohne smartes Handy und Internetzugang keine Nutzung digitaler Services. Das wird die zusätzliche Herausforderung sein: eine Generation nicht abzuhängen, für die das alles #neuland ist.

TOP Burg leuchtet: Auch ein Signal in dunklen Zeiten.

FLOP Sperrstunde, verschärfte Maskenpflicht, explodierende Infektionszahlen: Die zweite Welle überrollt uns.

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