Mein Leben als Papa

Und wenn sich Michel jetzt noch seine Handschuhe anziehen ließe. . .

Gestatten, Hannes und Michel, das ist Schnee. Eine willkommene Abwechslung im Lockdown. Foto: gf
+
Gestatten, Hannes und Michel, das ist Schnee. Eine willkommene Abwechslung im Lockdown.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt immer samstags vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Das Wetter kann noch so schlecht sein – im Lockdown gilt bei uns mehr denn je das Motto: Raus an die Luft! Auch wenn das Anziehen manchmal länger dauert als der Aufenthalt im Freien, lohnt sich der Aufwand, wenn der Tag einen entspannten Verlauf nehmen soll. Draußen sind Hannes und Michel immer zufrieden, powern sich aus und brauchen kein großes Programm. Schon gar nicht im Schnee.

Vor ziemlich genau einem Jahr schimpfte ich in dieser Kolumne über Winter, die keine mehr sind. Und darüber, dass meine Kinder richtigen Schnee noch gar nicht kennengelernt haben. Schnee von gestern. . .

Ungläubig schlendert Michel auf der weißen Wiese im Garten hin und her und schaut in den Himmel. Ein bisschen wie Franz Beckenbauer nach dem WM-Triumph 1990 in Rom. „Es regnet, es regnet“, sagt er immer wieder und wird von Hannes berichtigt. „Nein, Michel, es schneit!“

Wozu nach Winterberg? Hier gibt es doch auch Steigungen hinterm Haus. Der rosafarbene Lenkschlitten, mit dem die Mama früher schon gefahren ist, wird von Hannes trotz seiner „Mädchenfarbe“ akzeptiert, weil er ganz schön abgeht. Bis über die wenig befahrene Straße hinaus flitzen die Jungs damit – beobachtet von den Nachbarn am Fenster. „Wir freuen uns, weil ihr so einen Spaß habt“, ruft uns Helga, die immer ein Schokolädchen für die Kinder in der Tasche hat, zu.

gunnar.freudenberg@b-boll.de

Abdullah und Zeliha, die über uns wohnen, lassen noch auf sich warten. Unter dem Jubel meiner Kinder werfe ich einen Schneeball nach dem anderen an deren Wohnzimmerfenster. Sie kommen gleich auch raus. In der Zwischenzeit zaubern Hannes und Michel Schneeengel und bauen einen Schneemann. Ab und zu muss ich sie ermahnen, nicht das zu machen, was ich selbst oft als Kind getan habe: Schnee zu naschen. Da kommt Abdullah um die Ecke, nimmt sich eine Handvoll Schnee und steckt sie sich in seinen Mund. Das sehen auch Hannes und Michel. „Aber esst bitte nur ganz wenig und zumindest nicht den dreckigen Schnee“, gebe ich meine harte Linie auf. Die folgende Schneeballschlacht zeigt, wie viel Spaß man im Schnee auch auf Abstand haben kann. Sieg nach Punkten für Familie Freudenberg, aber Michel geht k.o. –nicht, weil ihn ein Schneeball trifft, sondern weil er sich weigert, Handschuhe anzuziehen und bitterlich friert.

Auch am nächsten Schneetag will er nicht hören – und muss fühlen. Wir haben eine Wiese irgendwo im Bergischen gefunden, auf der wir ganz alleine sind. Michel jauchzt vor Freude, während er ganz alleine nach unten saust. Dreimal. Dann frieren seine Hände wieder. Ich wärme sie mit meinen Händen wieder auf, denn Handschuhe lehnt er weiterhin ab. So kann ich nur beobachten, wie Hannes zum Hackl Schorsch mutiert. Ist vielleicht auch besser so. Als mein Vater früher mal mit mir zusammen Schlitten gefahren ist, fiel er auf mich, was eine Gehirnerschütterung zur Folge hatte. Oder wie meine Mutter heute noch übertreibt: „Du hättest ihn fast umgebracht.“

Wieder zu Hause angekommen, ist Hannes’ und Michels Bedarf an Schnee fürs Erste gedeckt. Sie wollen nicht mehr in den Garten, sondern nur noch drinnen spielen. Bis die Kinderzimmer im Chaos versinken. Wenn ich sehe, wie hübsch und friedlich der Garten im Schnee aussieht, bin ich am Abend versucht, einen Sack Mehl in ihre Zimmer zu kippen und ein Stück Winter ins Haus zu holen.

Zuletzt ging es bei Hannes und Michel um   Vergangenheit und Zukunft: Hannes entdeckt die Zeit

Und in der Woche davor um Wohnzimmersport: Da ist das Ding! Jubel über die gemeinsame Goldmedaille kennt keine Grenzen

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Corona: Inzidenz liegt am Donnerstag erneut über 50 - Stadt verhandelt
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Stadt Solingen warnt vor dem Betreten von Waldwegen
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare