Grundversorgung

Weniger Solingern wird der Strom abgestellt

In 1300 Haushalten sperrten die Stadtwerke voriges Jahr die Versorgung mit Gas oder Strom. Symbolfoto/Montage: Christian Beier
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In 1300 Haushalten sperrten die Stadtwerke voriges Jahr die Versorgung mit Gas oder Strom.

Die Stadtwerke Solingen stellen Grundversorgung der Haushalte mit Strom und Gas sicher.

Von Philipp Müller

Solingen. Vor 10 Jahren wurde jährlich noch rund 2000 Solinger Haushalten der Strom gesperrt. 2020 waren es 1300 betroffene Haushalte, dabei zählen die Stadtwerke Gas- und Stromsperren zusammen. Rund 80 Prozent der Haushalte sind beim örtlichen Energieversorger unter Vertrag. Er sichert auch die Grundversorgung für die Solinger in Sachen Belieferung mit Strom und Gas. Die kann bei einem Anbieterwechsel notwendig sein. Aber auch, wenn ein fremder Anbieter die Lieferung einstellt, stellen die Stadtwerke die Versorgung sicher. Selbst in dem Fall, in dem ein anderer Stromlieferant den elektrischen Saft per Sperre abdreht, springt zunächst die Grundversorgung durch die Stadtwerke an.

Die Themen Grundversorgung und mögliche Liefersperren waren in den vergangenen Wochen aktuelle geworden, weil an den Strom- und Gasbörsen die Preise explodieren. Das wird aller Voraussicht dazu führen, dass neue Verträge teurer werden. Zugleich gibt es erste Anbieter, die generell auch eine Verlängerung von Verträgen zu neuen Konditionen ausschließen.

Letzter Fall ist genau der, in dem dann die Grundversorgung einspringt. Kerstin Griese, Abteilungsleiterin der Kommunikation der Stadtwerke Solingen, erklärt die Zusammenhänge: „Als Grundversorger sind die Stadtwerke Solingen verpflichtet, alle Solingerinnen und Solinger mit Strom und Gas zu versorgen. Darunter fallen dann auch Kundinnen und Kunden, die bei anderen Energieversorgungsunternehmen nicht mehr versorgt werden. Sei es, weil der Anbieter insolvent geworden ist, sei es, dass Kundinnen oder Kunden ihre Zahlungen nicht geleistet haben. Auf diese Art und Weise ist jederzeit eine Versorgung für alle gewährleistet, allerdings bedeutet das auch, dass Grundversorger mit höheren Ausfallrisiken arbeiten müssen. Die Betroffenen müssen dafür gar nichts tun. Der Wechsel erfolgt quasi automatisch in die sogenannte Ersatzversorgung. Wir gehen dann auf die Personen zu und bieten unsere günstigeren Sonderverträge an.“

„Man kann Ratenzahlung mit uns vereinbaren.“

Kerstin Griese, Stadtwerke

Unter dem Strich ist die Grundversorgung aktuell einige Cent pro Kilowattstunde Strom teurer. Daher macht es Sinn, diese Grundversorgung schnell zu verlassen, das können Kunden schon nach 14 Tagen tun. Anders sieht das bei Stromsperren aus, da müssen Betroffene selbst aktiv werden. Denn die Strom- oder Gaszufuhr wird von den Netzen Solingen gekappt. Dann muss aktiv bei den Stadtwerken um Grundversorgung gebeten werden, damit Zähler wieder entsperrt werden.

Vergleichsportal: Zu wenig Geld für Strom in Hartz-IV-Satz

Dass die Zahl der Sperrungen stark zurückgegangen ist, führen die Stadtwerke auch auf ihre Informationspolitik zurück. „Aus unserer Sicht ist das vor allem ein Beiblatt, das wir den Mahnungen beilegen. Dort geben wir Ratschläge, was man in so einer Situation tun kann, zum Beispiel uns ansprechen und eine Ratenzahlung vereinbaren.“ Säumige Zahler von Rechnungen sind auch bei der Caritas und der Verbraucherzentrale stets Thema. Dort gibt es Angebote, mit einem Check durch Fachleute zu prüfen, wo sich Gas und Strom sparen lassen.

Dabei wird die Ausgabensituation beleuchtet und generelle Sparmaßnahmen besprochen. Auch das ist erfolgreich, wie sich durch die Zahl der sinkenden Fälle belegt. Caritas und Verbraucherzentrale raten dringend, auf die Energieversorger zuzugehen, wenn man Rechnungen nicht bezahlen kann und nicht zu warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Energiesperre

Strom- und Gasversorger haben das Recht, eine Versorgungssperre bei Energieverbrauchern vorzunehmen, sofern diese den Umständen entsprechend verhältnismäßig ist (§ 19 StromGVV/GasGVV). Voraussetzungen sind ein Zahlungsrückstand von mehr als 100 Euro sowie eine Sperrankündigung mit Frist von vier Wochen nach zweimaliger Aufforderung zur Zahlung.

Standpunkt: Energie ist eine soziale Frage

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Dass die Zahl der Gas- und Stromsperren zurückgegangen ist, das ist nicht den Preisen zu verdanken. Die sind in den vergangenen Jahren eher gestiegen. Energie ist längst eine soziale Frage. Das haben nicht nur Organisationen wie die Verbraucherzentrale und die Caritas erkannt und trainieren Solinger Haushalte auf Energieeinsparung. Auch die Stadtwerke bieten aktiv Hilfe an, wenn es mit den Rechnungen eng wird. Doch alle drei können nur an den Symptomen herumdoktern. Die Ursache liegt in der Abhängigkeit der Bundesrepublik von Energielieferungen aus dem Ausland. Da zeichnet sich dramatisch ab, dass dies alles offenbar teurer wird. Jetzt wird sich zeigen müssen, ob die Netze, die lokale Berater und Versorger gespannt haben, auch über eine „weitere Auffangebene“ verfügen. Und den muss die neue Regierung zur Verfügung stellen. Mit dem angekündigten Wegfall von 6,5 Cent auf die EEG-Umlage für erneuerbare Energien wird sich nicht alles auffangen lassen, was an Preissteigerungen im Raum steht. Energie persönlich sinnvoll einzusetzen, das ist auch eine Devise.

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