In der Weite des Meeres fand sie ihren Ausgleich

Die Seiten von Gertrud Kortenbach: Wild im Umgang mit Pferden, konzentriert und voller Schaffensdrang im Atelier, humorvoll, wie die Zeichnung zeigt, und formvollendet und tief spirituell empfindend, wie die „Caritas“. Repros: ST

GERTRUD KORTENBACH Ein schreckliches Unglück: Die Künstlerin wurde vor 50 Jahren durch einen Torflügel erschlagen. Da war sie 36 Jahre.

Von Susanne Koch

Ihre kleinen und großen Werke in Holz, Bronze, Ton und auf Papier haben eine große Strahlkraft und ihre künstlerische Aussage wirkt heute wie gestern. Das, was Gertrud Kortenbach in ihrem kurzen Leben schuf, ist zeitlos, künstlerisch ausgereift und immer noch sehr berührend: Im öffentlichen Raum in Solingen zu sehen sind der Engel, der vor dem Kunstmuseum Solingen steht, das Relief, das sie als Mahnmal gegen die Schrecken des Krieges und als Denkmal für die 217 im 2. Weltkrieg gefallenen und getöteten Schüler und Lehrer des Humboldtgymnasiums schuf, die Büste von Professor Paul Woenne, die im Deutschen Klingenmuseum zu sehen ist, und das zweiteilige Relief „Adam und Eva“. Letzteres ist im Museum Baden zu finden.

Welche künstlerische Laufbahn hätte die Meisterschülerin von Ewald Mataré noch eingeschlagen, wenn sie nicht mit 36 Jahren beim Schließen des Gartentores ihres Elternhauses in Solingen-Wald durch einen herabstürzenden Torflügel erschlagen worden wäre? Hatte sie ihren frühen Tod erahnt? Ihre Schwester Hildegard Terp erzählt, dass sie sich in ihrem letzten Lebensjahr sehr intensiv mit dem Tod und der Ewigkeit beschäftigt hat. Ihre Werke zeugen von einem großen Feingefühl, von Menschenliebe, von Humor und Heiterkeit und hoher Spiritualität. Sie stellte sich dienend unter ihr Werk. Maßlosigkeit war ihr verhasst. Am Meer, an den sich endlos am Strand brechenden Wellen, dem Wind, dem Licht und die in die Ewigkeit führende Weite fand sie immer wieder einen Ausgleich zu ihrer dunklen, schweren Seite. Ist die letzte Aufzeichnung der Künstlerin - das untenstehende Gedicht - ein Signal?

„Im Spiegel gleiten müde Augen über ein Bild ein Gesicht, einen Körper. Die Zeit rast, rast über alles hinweg und setzt ihre Zeichen. Ewig weiter so.“

Gertrud Kortenbach

Gezeichnet hat sie schon als kleines Kind, daran kann sich ihre Schwester erinnern. Sie war lebhaft, eigensinnig, liebte die Natur, Pferde und den Hund. Dr. Eugen Stamm, ein wichtiger Lehrer auf der August-Dicke-Schule, sagte von ihr, dass sie „ein mit der Schule oft nicht einverstandenes Mädchen“ war. Er war es auch, der ihren Eltern empfahl, dass sie Kunst studieren soll. In seinem Unterricht durfte sie immer nebenbei zeichnen.

Die künstlerische Begabung, aber auch die fundierte Bildung, die Auseinandersetzung mit Religion, Philosophie und Literatur, hat sie von ihrer Mutter Henriëtte Pauline, die aus einer niederländischen Familie stammt, in die Wiege gelegt bekommen. Ihre Fähigkeit, angestrengt und diszipliniert zu arbeiten, sich persönlich nicht zu schonen, von ihrem Vater August Kortenbach - einem strengen Praktiker und Fabrikant. Die Eltern ließen sie die Kunstakademie in Düsseldorf besuchen. Gemeinsam mit Joseph Beuys war sie Meisterschülerin von Mataré, der ihr tief verbunden war. Ihr Atelier hatte sie in den Räumen der Firma Kortenbach und Rauh.

 Im Museum Baden war im vergangenen Jahr eine Retrospektive zu sehen - mehr davon wäre zu wünschen. Der Katalog ist dort am Samstag noch im Museums-Shop zu beziehen, auch eine weitere kleine Schrift.

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