Corona-Krise

Weihnachtsmärkte in Solingen sind in der Schwebe

Der Weihnachtsdürpel in Ohligs wird in diesem Jahr voraussichtlich coronabedingt ausfallen.
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Der Weihnachtsdürpel in Ohligs wird in diesem Jahr voraussichtlich coronabedingt ausfallen.

Stadt wartet auf Vorgaben des Landes für eine mögliche Umsetzung. Einige Veranstalter sagten bereits ab

  • Schausteller hoffen auf Weihnachtsmarkt in der Solinger City.
  • Der Weihnachtsdürpel in Ohligs wird ebenso wie der Markt in Wald wohl abgesagt.
  • Hoffnung haben die Veranstalter für die Märkte auf Schloss Burg und am Schloss Grünewald.

Solingen. Einige Anträge für Weihnachtsmärkte in Solingen hat Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) schon auf seinem Schreibtisch liegen. Doch ob und unter welchen Bedingungen diese genehmigt werden können, könne die Stadt aktuell noch nicht sagen, da sie auf Vorgaben aus Düsseldorf warte, bedauert Rathaussprecherin Sabine Rische auf Nachfrage: „Bislang gibt es eine Absichtserklärung der Verantwortlichen in Bund und Ländern, die aber noch nicht in rechtliche Normen umgesetzt sind. Rechtsdezernent Jan Welzel hat deshalb im NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales um klärende Informationen gebeten.“ Da für alle Beteiligten die Zeit dränge, müsse unbedingt „Klarheit und Planungssicherheit geschaffen werden“, betont Rische. Momentan verharre die Stadt wie alle NRW-Kommunen aber noch in Warteposition.

Auch Schausteller Frank Decker, der in den vergangenen Jahren das Weihnachtsdorf rund um die Clemens-Galerien organisiert hatte, ist unsicher, ob die Veranstaltung in diesem Jahr wie üblich vom 19. November bis zum 23. Dezember stattfinden kann. „Ich möchte auf jeden Fall einen Antrag bei der Stadt einreichen“, sagt der Schausteller. „Alles Weitere muss sich zeigen.“ Auf Veränderungen stelle er sich aber in jedem Fall ein, zumal auch der Mühlenplatz, wo der Markt sonst stattfand, voraussichtlich im Herbst saniert wird. „Da wird es wohl zeitliche Überschneidungen mit dem Weihnachtsdorf geben.“

„Ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein ist tödlich.“

Frank Decker, Schausteller

Am Mühlenplatz, dem bisherigen Standort mit zahlreichen Zuwegen, sei das Weihnachtsdorf im Hinblick auf die Abstandsregeln schwer umsetzbar, befürchtet Decker. „Da bräuchte ich allein schon für meine Glühweinhütte den halben Platz.“ Diese soll nach Deckers Vorstellung, sofern die Stadt sein Hygienekonzept genehmigt, auf dem Fronhof aufgestellt werden. „Dort könnte man einige Sitzgruppen mit viel Abstand einrichten.“ Ergänzt werden soll sein Glühweinstand von mehreren Verkaufsbuden auf dem Alten Markt.

Schwierig werde es allerdings vor allem für Schausteller wie ihn, wenn das Land den Ausschank von Alkohol verbietet. „Ein Weihnachtsmarkt ohne Glühwein ist tödlich“, ist Decker überzeugt. Bislang gibt es diesbezüglich noch keine Vorgabe des Landes. Einen Antrag auf Genehmigung des Weihnachtsdorfes bei der Stadt wolle Decker erst in einigen Wochen einreichen.

Solingen: Weihnachtsdürpel muss wohl abgesagt werden

Tendenziell abgesagt werden muss nach Einschätzung von Brigitte Kiekenap, Vorsitzende der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG), wohl der beliebte Weihnachtsdürpel in Ohligs, der sonst traditionell am zweiten Adventswochenende stattfand. „Auf den Wegen und im Park ist es relativ eng und auch eine Bühne mit Musikern wäre kaum vorstellbar, wenn man die vorgeschriebenen Abstände einhalten will. Das wäre schwierig zu stemmen“, bedauert die Buchhändlerin. Zwar habe die OWG noch nicht letztgültig entschieden, ob sie doch noch einen Antrag bei der Stadt für den Weihnachtsdürpel einreichen wird, doch sei zurzeit nicht davon auszugehen. Denn auch mit Blick auf den für Ende Oktober geplanten Büchermarkt habe die Stadt in Bezug auf die Hygienevorschriften bereits Bedenken angemeldet. „Da hätte ich mir etwas mehr Entgegenkommen gewünscht“, so Kiekenap.

Optimistischer gibt sich derweil Anke Peters, Geschäftsführerin der Wuppertaler Agentur OpenMind Management, die den Romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Grünewald in Gräfrath veranstaltet. „Unser Weihnachtsmarkt gilt nach der Corona-Schutzverordnung als Spezialmarkt und nicht als Großveranstaltung. Da wir Eintritt nehmen, sind wir sehr gut in der Lage, die Besucherströme zu steuern“, versichert die Veranstalterin. Das Hygienekonzept habe ihr Team bereits bei der Stadt eingereicht. Vergleichbare Veranstaltungen wie ein Kunstmarkt auf Schloss Lembeck in Dorsten seien bereits erfolgreich über die Bühne gegangen. „Wir fühlen uns für unsere Schausteller verantwortlich und werden alles daran setzen, dass der Romantische Weihnachtsmarkt stattfinden kann.“

Ebenfalls guter Dinge ist Daniela Neuschäfer von Schloss Burg mit Blick auf den für den 27. bis 29. November geplanten Adventsbasar. „Die Veranstaltung wäre mit normalem Museumsbetrieb vergleichbar. Wir warten zwar noch auf Rückmeldung von der Stadt, denken aber, dass dem Basar nichts im Wege stehen wird.“

In Wald hat sich der Bürgerverein Wald gegen das Walder Weihnachtsdorf entschieden, sagt der Vorsitzende Wolfgang Müller. „Einbahnverkehr, wie er in den Schutzauflagen vorgesehen ist, können wir im Walder Schlauch nicht leisten. Gemeinsam mit Pfarrer Bernd Reinzhagen, der sonst immer parallel den Wichtelmarkt veranstaltet hat, haben wir deshalb entschieden, dass wir dieses Risiko nicht eingehen möchten.“

Nachbarstädte

In Remscheid wartet die Stadt ebenfalls auf Vorgaben des Landes für die Umsetzung eines Weihnachtsmarktes. Ein Antrag mit Hygienekonzept liege dort bereits vor, über den noch entschieden werden müsse, heißt es aus der Pressestelle.

In Wuppertal sei die Veranstaltung eines Weihnachtsmarktes eher unwahrscheinlich – denkbar sei höchstens ein Modell mit Zugangsbeschränkungen, bei dem die Besucherströme kontrolliert werden, so die Verwaltung.

Standpunkt: Planugssicherheit geben

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Menschen, die sich dicht gedrängt an Ständen tummeln – diese Bilder sind unter dem Eindruck der Corona-Pandemie zurzeit kaum vorstellbar. Denn Weihnachtsmärkte bergen spätestens dann ein Ansteckungsrisiko, wenn mancher es nach dem dritten Glühwein mit den Abstands- und Hygieneregeln nicht mehr so genau nimmt. In Solingen haben einige Veranstalter dies längst erkannt und sich deshalb entweder gar nicht erst um eine Genehmigung bei der Stadt bemüht oder ihren Weihnachtsmarkt bereits prophylaktisch abgesagt. So schmerzhaft eine solche Entscheidung auch ist, so zeugt sie doch von Verantwortungsbewusstsein.

Mehr klare Ansagen wünscht man sich dagegen von der Landespolitik, die sich zu vielen wichtigen Fragen rund um die Weihnachtsmärkte wie etwa der Diskussion um ein Alkoholverbot bislang nicht positioniert hat. Dabei brauchen Veranstalter und Schausteller endlich Planungssicherheit, damit ihnen in ihrer ohnehin schwierigen Situation nicht noch unnötige Kosten entstehen. Klar ist auch: Selbst wenn in diesem Jahr doch noch ein Weihnachtsmarkt unter Auflagen stattfinden kann – er wird anders sein als 2019.

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