Märkte

Weihnachtsdürpel steht auf der Kippe

Bald beginnt die vorweihnachtliche Zeit und damit auch die Weihnachtsmärkte.
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Bald beginnt die vorweihnachtliche Zeit und damit auch die Weihnachtsmärkte.

Planungen für die Weihnachtsmärkte in Mitte und Wald laufen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Zwei Jahre lang musste der Ohligser Weihnachtsdürpel coronabedingt ausfallen. Auch 2022 steht die beliebte Veranstaltung auf der Kippe. „Wir würden gerne, doch es gibt viele Unwägbarkeiten“, sagt Brigitte Kiekenap. Sie ist die Vorsitzende der verantwortlichen Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG). In Wald und Mitte sollen die traditionellen Weihnachtsmärkte in diesem Jahr dagegen auf jeden Fall stattfinden.

Corona hat man bei der Planung natürlich im Hinterkopf, das ist aber nicht der entscheidende Punkt“, berichtet Kiekenap. Vielmehr gebe es organisatorische Gründe. Dabei bezieht sie sich zum einen auf die Nachhaltigkeitsziele der Stadt. Diese sehen vor, dass bei öffentlichen Veranstaltungen Mehrweg-Geschirr zum Einsatz kommt.

Das Spülen gestalte sich an den einzelnen Ständen im Park an der Wittenbergstraße allerdings schwierig. Die Alternative wäre, ein Spülmobil zu mieten. Doch auch diese Lösung wirft Kiekenap zufolge Fragen auf: Wo könnte der Wagen stehen? Wer stellt Personal? Wer kommt für die Kosten auf? Wegen ähnlicher Erwägungen hatte die OWG vor der coronabedingten Absage im vergangenen Jahr geplant, den Weihnachtsdürpel auf dem Marktplatz stattfinden zu lassen. Dieser stehe wegen des Umbaus im Dezember allerdings nicht zur Verfügung.

Traditionelle Holzhütten: Alternativen zu finden, ist schwierig

Gleiches gilt voraussichtlich für die Holzhütten, die das Bild des Weihnachtsdürpels normalerweise prägen. Alternativen zu finden, sei kompliziert und deutlich teurer. „Wir sehen extreme Schwierigkeiten“, fasst Kiekenap zusammen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Die Verantwortlichen für das Walder Weihnachtsdorf sind bereits einen Schritt weiter. „Wir haben mit der Planung begonnen und sind schon ziemlich weit“, berichtet Wolfgang Müller. Der Vorsitzende des Walder Bürgervereins rechnet damit, dass etwa 30 Stände vom 2. bis zum 4. Dezember rund um die Walder Kirche stehen werden. Die Anbieter von Speisen und Getränken habe man weitgehend zusammen, auch für die anderen Stellplätze gebe es Interessenten. Parallel zum Weihnachtsdorf finde der Wichtelmarkt der evangelischen Gemeinde statt. Zudem wird es Livemusik geben. Unter anderem kündigt Müller für Samstagabend einen Auftritt der Kotten-Band an, die auch Weihnachtliches im Repertoire habe.

Dann soll der Weihnachtsmarkt in Mitte beginnen

Bereits am 17. November, dem Donnerstag vor Totensonntag, möchte Schausteller Frank Decker seinen Weihnachtsmarkt in Mitte eröffnen. Dieser soll sich wie in den vergangenen Jahren auf den Mühlenplatz beschränken.

Am 10. und 11. Dezember plant der Werbe- und Interessenring Solinger Innenstadt ein Weihnachtsdorf auf dem Fronhof. Ziel sei, Vereine einzubinden und etwas für den guten Zweck zu tun. Auch kündigt Susanne Garpheide-Keusen für den Verein ein Musikprogramm an. Samstags sollen unter anderem verschiedene Chöre auftreten.

Die Energiekrise beschäftigt alle Verantwortlichen bei der Planung der Märkte. Wolfgang Müller kündigt beispielsweise an, dass in Wald in diesem Jahr auf Heizgeräte verzichtet werde. Zudem richten sich die Stadtteile in puncto Weihnachtsbeleuchtung auf die Situation ein. In Mitte wird sie auf vier Stunden reduziert, in Wald ebenfalls. Die Arbeitsgemeinschaft der Gräfrather Vereine beschränkt sich beim Schmücken auf den Bereich rund um den Brunnen auf dem Markt, sagt Sprecher Dragan Denic. Darüber hinaus gebe es Überlegungen, die Leuchtzeiten zu verkürzen. Die OWG möchte ebenfalls nicht auf Weihnachtsbeleuchtung verzichten. Diese sei in Ohligs ohnehin eher dezent, zudem kommen größtenteils stromsparende LEDs zum Einsatz. Die Ersparnis bei einem Verzicht wäre marginal, betont Brigitte Kiekenap. Außerdem gelte: „In dunklen Zeiten brauchen die Menschen Licht.“

Weitere Weihnachtsmärkte

Keine Weihnachtsmärkte wird es 2022 auf Schloss Burg und in Höhscheid geben, teilen Schlossbauverein und Fördergemeinschaft Höhscheid/Grünewald auf Anfrage mit. Thomas Rauh vom Heimatverein Gräfrath hofft noch, auf dem dortigen Marktplatz einen Markt auf die Beine stellen zu können. Jedoch sei es schwierig, Ehrenamtler zu motivieren. Bereits 2018 und 2019 – vor Corona – fiel die Veranstaltung im Ortskern aus. Der „Romantische Weihnachtsmarkt“ auf Schloss Grünewald soll 2022 dagegen erstmals an allen vier Adventswochenenden stattfinden.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Etwas Besinnlichkeit

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

In den vergangenen zwei Jahren überschattete die Corona-Pandemie die Vorweihnachtszeit, 2022 scheint die Energiekrise die Vorfreude auf das Fest zu trüben. Für die Veranstalter der Solinger Weihnachtsmärkte bringt das neue Unsicherheiten. Dennoch scheinen zumindest die Veranstaltungen in Mitte, Wald und auf Schloss Grünewald auf dem richtigen Weg zu sein.

Das ist eine gute Nachricht. Gleiches gilt für die Tatsache, dass es in den Stadtteil-Zentren wohl Weihnachtsbeleuchtung, wenn auch in abgespeckter Form, geben wird. Das könnte man mit Blick aufs Energiesparen kritisieren. Doch auf Weihnachtsmärkte und festliche Beleuchtung, für die meist energiesparende LEDs sorgen, zu verzichten, wäre angesichts des geringen Effekts Symbolpolitik. Die Nachrichten im Frühherbst 2022 versprechen einen trüben Winter – da dürfte etwas Besinnlichkeit guttun.

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