Was wäre, wenn ich einmal reich wär. . .

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Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Stadtdechant Michael Mohr

Liebe Leserin, lieber Leser,

„wenn ich einmal reich wär. . .“ das ist wohl der bekannteste Song aus dem Musical „Anatevka“ und vielleicht hat mancher sogar noch Ivan Rebroff im Ohr. Der Milchmann Tevje malt wunderbar aus, wie er dann leben würde und wofür er das Geld ausgeben würde, damit alle auch erkennen, wie reich er ist.

Im Evangelium am Sonntag bekommt Jesus die Frage gestellt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Der junge Mann im Evangelium, der sich keine Sorgen um Geld machen muss, spürt eine innere Unruhe, die ihn antreibt, nach dem Jenseits zu fragen.

In beiden Fällen geht es um Sorgenfreiheit: „Wenn ich einmal reich wär“, dann müsste ich mir keine Sorgen mehr machen in diesem Leben. Und wenn ich das ewige Leben gewinnen würde, dann müsste ich mir keine Sorgen mehr machen im Jenseits. Ob das jeweils mit Geld überhaupt zu beantworten ist, das sei mal dahingestellt.

Und bei Ihnen? Wie wäre das denn bei Ihnen, wenn Sie zum Beispiel im Lotto gewinnen würden? Oder reizt Sie dieser Gedanke gar nicht? Spielt für Sie Geld eher eine untergeordnete Rolle und Sie schauen auf die bleibenden Dinge? Jesus antwortet dem Mann: „Geh, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“ Was für ein Anspruch! Der junge Mann spürt: Das kann ich nicht. Und das will ich auch nicht. Wer könnte da böse auf ihn sein? Die Sicherheit aufgeben? In eine ungewisse Zukunft gehen? Und das freiwillig? Es kann gut sein, dass ich genauso wie der Mann reagiert hätte.

Aber war denn Armut und Unsicherheit überhaupt das Ziel der Antwort Jesu? Das glaube ich wiederum nicht. Ein Detail fällt mir auf: Bevor Jesus die Antwort gibt, schaut er den Mann an und umarmt ihn. Offensichtlich spürt Jesus, dass er ihm die Antwort zumuten kann.

Jesus zeigt so, worauf es ihm wirklich ankommt: Auf Liebe und auf Freiheit. Das ist es, was nicht nur für das irdische Leben wichtig ist, sondern sogar zu einem „Schatz im Himmel“ führt. So wichtig also die Frage nach Sicherheit, nach Geld und Sorgenfreiheit ist, wir müssen uns nicht zu sehr auf sie fixieren. Denn Glück hängt nicht am Geld, sondern vor allem an der Liebe und an der Freiheit. An der Liebe, die nicht auf den Kontostand schaut, sondern auf den Menschen und ihn umarmt. Und an der Freiheit, die sich nicht an eine Million, an ein Haus oder anderen Besitz bindet. Wie steht es eigentlich heute mit diesen beiden Dingen: Liebe und Freiheit? Liebe scheint zu oft mit Besitz und anderen Dingen zusammen zu hängen. Und Freiheit? Nur ein Beispiel: Die Abhängigkeit von Medien hat sich erst vor ein paar Tagen durch den stundenlangen Ausfall von einigen sozialen Medien gezeigt.

Aber letztlich ist die Frage nach Liebe und Freiheit eine, die jeder von uns sich nur selbst stellen und beantworten kann. Mir selbst sind die Verbindungen zu meiner Familie und zu einigen engen Freunden sehr wertvoll und ich weiß, dass nicht wichtig ist, ob ich einflussreich, erfolgreich oder wichtig bin. Es zählt, dass ich „ich“ bin. Bei der Freiheit von materiellen Dingen tue ich mich schwerer, das muss ich gestehen. An viele Annehmlichkeiten habe ich mich gewöhnt. Ich kann die Reaktion des jungen Mannes sehr gut verstehen. Gerade deswegen bleibt die Frage wichtig: Kann ich ohne diese Annehmlichkeiten? Oder, noch spannender: Kann ich vielleicht sogar besser ohne diese Annehmlichkeiten? Wie sieht es bei Ihnen aus?

Ihr Pastor Michael Mohr

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