Große Baustellen, richtungsweisende Entscheidungen

Was 2022 für Solingen wichtig wird

Eine weitere große Aufgabe für 2022: das Verkehrskonzept für die City. Einzelhandel, Sparkassen-Neubau, neue Wohnungen und eine mögliche Eventarena müssen in den Planungen berücksichtigt werden.
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Eine große Aufgabe für 2022: das Verkehrskonzept für die City. Einzelhandel, Sparkassen-Neubau, neue Wohnungen und eine mögliche Eventarena müssen in den Planungen berücksichtigt werden.

Investitionen in Verkehr, Gesundheit, Tourismus, Kultur – und auch in eine Sportarena?

Von Björn Boch, Manuel Böhnke, Kristin Dowe, Anja Kriskofski, Philipp Müller und Christian Beier (Fotos)

Solingen. Das Jahr 2022 hat begonnen – und bringt für Verwaltung und Politik neben der Bewältigung der Corona-Pandemie weitere Mammutaufgaben mit sich. In einigen Bereichen gilt es, wichtige Weichen für die Stadtentwicklung zu stellen, in anderen müssen Beschlüsse angepackt und umgesetzt werden. Die Tageblatt-Redaktion hat zum Start ins Jahr zusammengetragen, was 2022 wichtig wird für Verkehr, Stadtplanung und Finanzen, aber auch Gesundheit, Kunst, Wirtschaft, Sport, Tourismus, Feuerwehr.
Den Kommentar von ST-Lokalchef Björn Boch dazu lesen Sie hier.

Verkehr, Stadtplanung und Finanzen: Kommt er oder kommt er nicht, der Kreisverkehr am Dickenbusch? Wie sieht die Zukunft des Handels in der Innenstadt aus, rund um den Anker Sparkassen-Neubau? Und wie entwickelt sich die Innenstadt als Wohnstandort? All diese Fragen muss ein Verkehrskonzept für Mitte beantworten, wobei die Ideen der Beteiligten kaum unterschiedlicher sein könnten. Es gilt, die Ansprüche von Öffentlichem Nahverkehr und Individualverkehr ebenso zu vereinen wie die Wünsche nach Erreichbarkeit auf der einen und Aufenthaltsqualität auf der anderen Seite. Diesen Prozess zu begleiten, wird eine der ersten großen Aufgaben für den neuen Planungsdezernenten Andreas Budde sein – neben der neuen Nahverkehrsplanung für die gesamte Stadt.

Auf den neuen Solinger Planungsdezernenten Andreas Budde wartet gleich eine Vielzahl von Aufgaben.

Stadtplanung wird bereits zu Jahresanfang greifbar: Dann sollen die Arbeiten auf dem Ohligser Marktplatz beginnen. Sie werden mindestens bis ins dritte Quartal dauern. Die Umgestaltung der Düsseldorfer Straße beginnt Mitte 2022 – nach dem Dürpelfest, sofern es stattfinden kann – und soll knapp ein Jahr dauern. Die Kosten sind von 4,7 auf 5,8 Millionen Euro gestiegen – unter anderem wegen Baupreissteigerungen und Schlacke-Inseln unter dem Marktplatz.

Für Einnahmen und Ausgaben der Stadt ist ab dem Frühjahr dann der neue Kämmerer Daniel Wieneke zuständig. Vorgänger Ralf Weeke (beide SPD) wird Kaufmännischer Leiter bei den Technischen Betrieben Solingen.
Hier geht es zu den Themen Kunst, Wirtschaft, Sport, Tourismus, Feuerwehr.

Gesundheit: Nicht nur das Aus für die St. Lukas Klinik am Standort Ohligs wird die Kliniklandschaft in Solingen verändern. Viele Augen sind auf das Land gerichtet, das im Frühjahr weiter am Krankenhausplan für NRW feilt.

Sicher ist: Im Städtischen Klinikum geht der Umbau weiter. Haus G soll durch ein neues Bettenhaus ersetzt werden. Im ersten Quartal steht laut Kaufmännischem Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer die Entscheidung für den Generalplaner an. Konkrete Pläne sollen bis Ende des Sommers vorgestellt werden. Auch die Umstrukturierung bei den Abteilungen schreitet voran. Im Februar soll der Schwerpunkt Rhythmologie in der Klinik für Kardiologie etabliert werden, mit Dr. Robert Pölsler als Departmentleiter. „Dies ist eine wichtige Erweiterung im Leistungsangebot der Klinik“, so Eversmeyer.

Nachbesetzt werden soll die Chefarzt-Position in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Der bisherige Leiter Dr. Sebastian Hentsch hatte das Klinikum im Herbst verlassen.

Fachkräftemangel wird das Klinikum auch im neuen Jahr beschäftigen. Die Zahl der Ausbildungsplätze in der eigenen Akademie sei um 30 auf 60 pro Ausbildungsjahr erweitert worden. „Mit dem Neubau werden sich für die Akademie weitere Perspektiven öffnen.“ Qualifizierte Fachkräfte werden zudem im Ausland angeworben. Bis Herbst sollen mehr als 60 ausgebildete Pflegefachkräfte aus den Ländern des Balkans, aber auch aus dem Fernen Osten eingestellt werden, kündigt Eversmeyer an.

Kunst: Das Zentrum für verfolgte Künste ist mit der Raumsituation im früheren Gräfrather Rathaus nicht mehr zufrieden. Die Betriebsgesellschaft teilt sich das Gebäude mit dem Kunstmuseum. Hauptanteilseigner des Zentrums ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR). Er hat Mittel freigegeben, um mit einem Gutachten die Zukunft des Museums mit seinem Wissenschaftsbetrieb zu untersuchen. Direktor Jürgen Kaumkötter hat dazu Vorgaben mit seinem Team erarbeitet. Die reichen von einer Sanierung des Gräfrather Standorts bis hin zu einem neuen Ort „auf der grünen Wiese“. Und der muss nicht zwangsläufig in Solingen sein.

Für das Zentrum für verfolgte Künste, derzeit noch unter einem Dach mit dem Kunstmuseum in Gräfrath, muss eine Lösung gefunden werden. Eines der beiden wird wohl umziehen, verschiedene Ideen liegen auf dem Tisch.

Seit August 2021 kennt das Rathaus die Pläne des LVR. Gelöst werden muss dieses Problem: Soll das Zentrum mit seiner internationalen Ausstrahlung, Vernetzung und Ausstellungsaktivität in Solingen bleiben, wird es nicht anders gehen, als für das eher regional aktive Kunstmuseum einen anderen Standort zu suchen. Der sollte zügig gefunden werden, denn der LVR hat die Probleme des Zentrums in Gräfrath erkannt und drängt auf eine schnelle Lösung. Ein Anbau am Theater und Konzerthaus wird als Idee genannt, auch die Belebung eines Leerstands in der Innenstadt ist eine Option.

Wirtschaft: Die vergangenen beiden Jahre standen für viele Solinger Unternehmen im Zeichen der Corona-Krise. Für Teile der Wirtschaft wird das auch noch 2022 der Fall sein, vermutet Henner Pasch. Dabei denkt der Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK) vor allem an Handel, Gastronomie und Eventbranche.

Die meisten Industrieunternehmen haben sich seiner Einschätzung nach dagegen gut auf die Situation eingestellt. Sie treiben vielmehr die Kosten und Verfügbarkeit von Material und Rohstoffen um.

Der neue IHK-Präsident Henner Pasch.

Die angespannte Lage, schätzt Pasch, wird die bergische Wirtschaft das komplette Jahr 2022 über begleiten. Zugleich werde sich das Fehlen von Fachkräften zuspitzen. Dieses Problem sieht der IHK-Präsident neben der Bewältigung des Klimawandels als größte Herausforderung an – für Wirtschaft wie Gesamtgesellschaft.

Sport: Nichts wurde es mit dem Wunsch von Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), schon im Dezember einen Grundsatzbeschluss für den Bau einer Arena Bergisch Land durch den Rat zu bekommen: Politik verschiebt Grundsatzbeschluss zur BHC-Arena. In der Mehrzweckhalle soll der Handballbundesligist Bergischer HC Hauptnutzer sein. Zwar gibt es ein rund 50-seitiges Gutachten, das aber viele Fragen offenlässt. Es waren vor allem die Fraktionen der CDU und der Grünen, die weiteren Beratungsbedarf anmeldeten. So soll der Beschluss im Frühjahr gefasst werden.

Die Parteien wollen bis dahin prüfen, ob es sich lohnt, eine neue Halle für rund 50 Millionen Euro mit Aussicht auf Einnahmen zu errichten, anstatt die marode Klingenhalle für 20 Millionen zu sanieren. Unter anderem fragt die Politik, wie Besucher zur Halle kommen und wo sie parken sollen. Das muss Teil des neuen Verkehrskonzepts für die Innenstadt werden, die Arena soll mit Veranstaltungen jenseits von Sport bespielt werden.

Unklar ist auch, wo Ersatz für zwei Sportplätze am Weyersberg geschaffen wird, auf denen die Arena stehen soll. Die Stimmung in der Politik reicht von „Das wird nichts mit der Arena“ bis hin zu „Die Chance dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen“.

Tourismus: Auf Schloss Burg, getragen von den Städten Remscheid, Wuppertal und Solingen, wird die Sanierung des Hauptgebäudes, das Palas, in diesem Jahr starten. Bis Ende 2024 soll mit 32 Millionen Euro das Museum nebst der kompletten Schlossanlage modernisiert werden und die Ausstellung mehr Erlebnis-Charakter erhalten. Parallel beginnt die Umsetzung der Ideen, die Wupperinsel in Unterburg touristisch aufzuwerten. In den kommenden Jahren soll der gesamte Stadtteil verschönert werden, Unter- und Oberburg stärker zusammenwachsen. Zuletzt wurde dazu die Ortsdurchfahrt über die Eschbachstraße neu gestaltet.

Feuerwehr: Bei der Feuerwehr steht das Jahr 2022 ganz im Zeichen des Neubaus der drei Feuerwachen: So sollen Anfang April die Abrissarbeiten für den Neubau der Feuerwache II an der Brunnenstraße in Ohligs starten. Im neu errichteten Gebäude soll später dann wieder der Rettungsdienst untergebracht werden, der aktuell in einem Nebengebäude stationiert ist.

Auch laufen laut Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller im neuen Jahr kleinere Umbaumaßnahmen in dem dortigen Bestandsgebäude, so dass die Funktionsbereiche getrennt werden können. Gerade in Zeiten der Pandemie erweist sich das als großer Vorteil für den Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte.

Weiter geht es auch an der Feuerwache III am Frankfurter Damm in Wald, wo in der ehemaligen Krankenwagenhalle neue Räume für den Rettungsdienst und den Grundausbildungslehrgang geschaffen werden. Bis zur geplanten Fertigstellung am 1. Februar ist der Rettungsdienst ausgelagert in das Gerätehaus der Löscheinheit 7 an der Ernst-Barlach-Straße. Nach dem Umzug kann die Freiwillige Feuerwehr nach fast zwei Jahren wieder ihr Gerätehaus nutzen.

Der Standpunkt von Björn Boch: Ein wegweisendes Jahr

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Selten in der jüngeren Geschichte – die zweifelsohne im Bewusstsein von Corona überlagert wird – taten sich gleichzeitig so viele Chancen für die Stadt auf. Wie das mit Chancen aber so ist: Sie gehen mit entsprechender Fallhöhe einher.

Im Idealfall gelingt den Verantwortlichen in diesem Jahr der große Wurf mit einem Verkehrskonzept für Mitte, das auch überzeugende Pläne für eine neue Arena einbindet und das Chaos rund um den Kern der Innenstadt endlich verbessert. Nichts weniger als die Zukunft des Handels in Mitte – und ein lebenswerter Stadtteil – hängen davon ab. Im schlimmsten Fall misslingt die Zukunftsplanung rund um BHC und Klingenhalle ebenso wie der Versuch, das strahlkräftige Zentrum für verfolgte Künste in der Stadt zu halten. Beides wäre fatal.

Zum Glück ist aber nicht alles in der Schwebe: Für die Ohligser City und für Burg samt Schloss sind die Entscheidungen schon gefallen, das Geld ist eingeworben. Diese Projekte – und weitere in den Stadtteilen – zeigen hoffentlich bald Solingen von seiner schönsten Seite. Und beweisen, dass es sich lohnt, mit langem Atem zu planen.

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