Die Woche

Warum unsere Wirtschaft besser durch die Krise kommt 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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In diesen extrem anstrengenden und verstörenden Zeiten zeigt sich immer deutlicher, dass es nur eine Gewissheit gibt: Die gemütliche Ecke, in der es sich unsere satte Gesellschaft vor der Krise bequem gemacht hatte, wird verschwunden sein.

Das gilt für alle Lebensbereiche, in denen das Virus neue Einsichten erfordert: wie wir arbeiten, entspannen, wohnen, lernen, feiern, wonach wir streben, wem wir folgen, was uns wichtig wird. Dabei überrascht vielleicht eine Erkenntnis: Die Solinger Wirtschaft, die mit ihrem hohen Industrieanteil eigentlich immer als ein bisschen rückständig galt, kommt besser durch die Krise als gedacht. Mehr als ein Drittel der Wertschöpfung geht nach wie vor auf das Konto des produzierenden Gewerbes, mehr als der NRW-Durchschnitt. Kurzarbeit ist in vielen dieser Firmen meist kein Thema mehr, in einigen brummt sogar das Geschäft. Dabei galt in der Vergangenheit eher die Maxime, den „rauchenden Schlot und der Hämmer Gesaus“, im Bergischen Heimatlied noch stolz besungen, möglichst in ferne Länder zu verbannen und dafür lieber auf feine Weiße-Kragen-Jobs zu setzen. Diese Überzeugung war schon immer so einfältig wie falsch. „Wir können nicht davon leben, dass jeder irgendwann dem anderen die Haare schneidet“, spitzte es Lothar Späth, früherer Ministerpräsident von Baden-Württemberg, einmal zu. Wie recht er hatte. Wenn man plötzlich auf so simple Dinge wie Masken oder komplexere Produkte wie Medikamente oder Schnelltests in großen Mengen angewiesen ist und die nur noch aus China kommen – dumm gelaufen. Noch dümmer, wenn ein einziges verkeiltes Schiff im Suezkanal reicht, um die globalen Lieferketten zu zerreißen.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders erfreulich, dass wir gleich drei gute Nachrichten über alteingesessene Solinger Firmen vermelden konnten. Für die Stanzerei Ernst Ludwig Emde, bei der aufgrund ungelöster Nachfolge zeitweise auch der Verkauf an auswärtige Interessenten im Raume stand (mit ungewissen Folgen für die Arbeitsplätze in Solingen), wurde mit einer Quartettlösung der Fortbestand gesichert: vier namhafte Solinger Unternehmer führen die Firma gemeinsam weiter. Auch der klangvolle Name Kronprinz hatte zuletzt viel von seinem Ruf eingebüßt. Vor zwei Jahren drohte der große Kahlschlag. Doch jetzt wird das Unternehmen in Ohligs, wenn auch unter dem Namen Accuride, wieder einstellen und ausbilden: Mit der Konzentration auf Lkw-Felgen folgt man geradewegs dem Boom des Onlinehandels, der vermehrt Laster braucht. Auch der Stahlhändler Krebs investiert mitten in der Corona-Krise kräftig. Das Familienunternehmen nimmt 5 Millionen Euro für die Erweiterung seines Standortes am Dellenfeld in die Hand.

Diese Erfolgsmeldungen sollten daher auch ein Weckruf an die Politik sein, die sich mit der Ausweisung von Industriegebieten extrem schwertut. Mit ein paar Büros in den neu entstehenden Wohnsiedlungen auf Industriebrachen ist es nämlich nicht getan. Arbeitsplätze brauchen Platz. Zumal es rauchende Schlote und brausende Räder in modernen Fertigungsbetrieben heute gar nicht mehr gibt – siehe unten.

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