Mein Leben als Papa

Warum es im Moment keinen Spaß macht, für Michel zu kochen

Ein typisches Michel-Gericht: Nudeln mit ganz viel Käse. Den Begriff „Grana Padano“ kennen außer Michel wohl nur wenige Kinder. Foto: lf
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Ein typisches Michel-Gericht: Nudeln mit ganz viel Käse. Den Begriff „Grana Padano“ kennen außer Michel wohl nur wenige Kinder.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2)

Ich weiß gar nicht mehr, was es gab, vermutlich war es Hühnersuppe, da stellte Hannes am Mittagstisch erstaunt fest: „Wir haben ja heute alle das Gleiche auf dem Teller.“ Tatsächlich kommt das bei uns nicht allzu häufig vor. Was aus unterschiedlichen Gründen an uns allen liegt.

Michel, der Anspruchslose: „Im Moment macht es keinen Spaß, für Michel zu kochen“, klagt die Mama. Denn würde es nach ihm gehen, gäbe es Pfannkuchen, Pizza und Nudeln im Wechsel. Wichtig: Der Pfannkuchen darf nicht zu dunkel und die Pizza nicht belegt sein. Manchmal wird sogar der Käse entfernt, wenn er Fäden zieht. Nudeln mag er dagegen nur ohne Soße und mit ganz viel Käse. Und zwar mit frisch geriebenem Hartkäse aus Italien. So anspruchslos er sonst is(s)t, darauf besteht er und beißt auch schon mal voller Genuss in das ganze Käsestück.

Grundsätzlich fordert Michel aber keine Extrawürste ein. Von handgeschnitzten Zucchinimäusen auf dem Teller würde er sich ohnehin nicht beeindrucken lassen. Die Beilagen reichen ihm meistens. Mit Nudeln, Kartoffelpüree oder Brot kommt er klar. Und wenn nicht, greift er eben auf Bananen, Weintrauben oder Äpfel zurück. Obst geht bei Michel immer. Das Absurde: Beim Kochen hilft er nicht nur gerne, sondern probiert auch alles. Aber was ihm am Herd schmeckt, schmeckt ihm am Tisch noch lange nicht. „Ich mag das nicht“, urteilt er über die von ihm eben noch selbst abgeschmeckte Soße. Nur bei Hühnersuppe gelten alle Michelschen Gesetze nicht mehr. Die wird mit Möhre, Sellerie, Porree und Heißhunger vertilgt.

Gunnar Freudenberg

Hannes, der Hungrige: Viel Obst und mittags wenig Abwechslung. Das war auch Hannes’ Motto, als er noch in Michels Alter war. Hat sich total verwachsen. Es gibt fast nichts, was er nicht isst. Oder wenigstens kostet. Avocado? „Kann ich mal probieren?“ Und dann geht sein Daumen nach unten oder oben. Sushi? „Will ich auch essen!“ Und auch wenn er die Avocado nur mit ganz viel Salz und Pfeffer mag und sich beim Sushi den Lachs rausfischt, – mit Hannes macht das Essen Spaß. Finden auch die Erzieherinnen im Kindergarten, die für Reste häufig noch in Hannes einen Abnehmer finden. „Für unsere kleinen Gäste“ – in dieser Karte müssen wir bei unserem nächsten Restaurantbesuch für Hannes nicht mehr schauen.

Mama, die Genügsame: Meine Frau, eine gute Köchin, ist eindeutig die Unkomplizierte am Esstisch. Zwei Sätze von ihr belegen das am besten. Ein Satz fällt fast jede Woche vor dem Großeinkauf, wenn wir die kommenden Tage verplanen: „ICH muss nicht jeden Tag Fleisch essen.“ Der zweite Satz fiel nach meinen ersten Wochen im Homeoffice. „Seit du mittags mitisst, geb ich doppelt so viel Geld aus.“

Papa, der Spätzünder: Wenn ich meiner Mutter vom leckeren Rosen- oder Grünkohl am Mittag erzähle, wird sie fast schon sauer. „Hast du früher nie gegessen“, moniert sie, die dem kleinen (und größeren) Gunnar seinerzeit jeden Sonderwunsch erfüllt hat. „Du versaust ihn“, befürchtete mein Vater – und behielt nicht recht. Heute esse ich fast alles. Zumindest sehr viel mehr als früher. Weil sich der Geschmackssinn im Laufe des Lebens verändert. Und weil man mit zwei hungrigen Jungs am Tisch sehen muss, wo man bleibt. Ich bin gespannt, ob beim Grillen heute alle satt werden. . .

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