Mein Leben als Papa

Warum aus Michel einfach nur ein Michel werden konnte

Schon ein älteres Bild: Das Michel-Trikot musste ich einfach haben.
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Schon ein älteres Bild: Das Michel-Trikot musste ich einfach haben.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Leben mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Immer wieder, am liebsten ganz spät am Abend, überrascht mich Hannes mit Fragen, auf die es eigentlich keine kurzen Antworten gibt.

„Papa, warum heiße ich Hannes?“, wollte er gegen 20.45 Uhr von mir wissen. „Weil wir den Namen einfach schön fanden“, antwortete ich ihm wahrheitsgemäß, ging aber nicht weiter ins Detail. Zum Glück bohrte er nicht weiter nach, sondern schlief wenig später ein.

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Dass Hannes ein Hannes werden würde, war uns ziemlich früh klar. Eine spektakuläre Erklärung für diese Entscheidung gibt es nicht. Der Name klang für uns seinerzeit einfach irgendwie gemütlich und lässig – und tut das heute immer noch. Außerdem weckte er bei uns keine negativen Assoziationen. Keine doofen Mitschüler oder verzogene Nachbarn, die Hannes hießen. Und besonders streitbare Fußballer mit dem Namen Hannes gab es auch nicht. An Hannes’ Namen stört mich heute eigentlich nur die Schreibweise beim Genitiv. Der blöde Apostroph nervt mich fast jede Woche beim Verfassen dieser Kolumne.

Aber irgendwas ist ja immer. Bin ich nicht gerade in Skandinavien unterwegs, wird bei meinem Namen gerne mal das „r“ am Ende vergessen. Ursprünglich sollte ich gar kein Gunnar, sondern ein Hendrik werden – wenn Bekannte meiner Eltern ihren Sohn damals kurz vor meiner Geburt nicht auch Hendrik genannt hätten. Und das, nachdem ihre Tochter schon Meike hieß – so wie meine große Schwester. Das war meinen Eltern zu doof und sie schwenkten auf Gunnar um. Wer weiß, ob ich als Hendrik Werder-Fan geworden wäre. Denn für Bremen spielte neben meinem Idol Rudi Völler in den 80ern auch ein gewisser Gunnar Sauer, der mich endgültig dazu bewog, ein Fischkopp sein zu wollen.

Michel hat mich bisher noch nicht gefragt, warum er Michel heißt. Es klingt banal, aber die Antwort darauf hat – jedenfalls für mich – auch mit Fußball zu tun. Meine Frau und ich schwankten nämlich zwischen zwei Namen: Sie war eher für Michel, ich für Kalle. Bis ich eines Tages im Auto Radio hörte und sich der Fußballreporter mit folgendem Satz aus dem Stadion meldete: „Michel, der Mann aus Freudenberg, ist heute der Held des Tages.“ Die Rede war von Sven Michel, ein Stürmer mit Wurzeln im siegerländischen Städtchen Freudenberg, der den SC Paderborn 2018 zurück in die Zweite Liga geschossen hatte. Ein im größeren Zusammenhang eher unbedeutendes Ereignis für den Fußball, für mich seinerzeit aber Schicksal.

Michel konnte nur ein Michel werden. Und heute könnte ich mir keinen passenderen Namen für ihn vorstellen. Als Draufgänger, Clown und Charmeur kommt unser Michel zwar nicht aus Lönneberga, wirkt manchmal aber wie von Astrid Lindgren erschaffen. „Weißt du, was man mit Michel aus Lönneberga gemacht hat, wenn er mal wieder Mist gebaut hat? Man hat ihn in den Schuppen gesperrt“, erzählte ich ihm neulich scherzhaft, nachdem er mal wieder Michel-Dinge angestellt hatte. „Ich will lieber in die Mülltonne.“ Michel überrascht mich auch immer wieder. Nicht mit Fragen, sondern mit seinen Antworten.

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