Elektromobilität

Warten auf E-Autos wird Geduldsprobe

Thomas Schönauen ist vorsichtig optimistisch, die meisten Wagen vor dem Jahreswechsel übergeben zu können.
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Thomas Schönauen ist vorsichtig optimistisch, die meisten Wagen vor dem Jahreswechsel übergeben zu können.

Die Zeit drängt: Neuwagen müssen bis zum Jahresende angemeldet sein, um von Förderung zu profitieren.

Von Andreas Römer und Manuel Böhnke

Solingen. Stillhalten und hoffen – das kennzeichnet die Lage der Solinger Autohändler, wenn es um auslaufende und gekürzte Zuschüsse für Elektrofahrzeuge geht. Am 31. Dezember ist Schluss mit der staatlichen Förderung von 4500 Euro für einen Plug-in-Hybrid. Für reine Elektroautos sinkt sie je nach Kaufpreis um bis zu 2000 Euro auf 3000 bis 4500 statt zuvor bis zu 6000 Euro.

Das Problem: Was ist, wenn man den Wagen vor Monaten bestellt hat, er aufgrund der aktuellen Lieferschwierigkeiten aber erst 2023 ausgeliefert wird? Dann wäre es für den Kunden mit der eingeplanten staatlichen Förderung Essig. Dementsprechend groß ist der Druck. „Wir befinden uns im Auslieferungswahn und hoffen, dass alles pünktlich kommt“, sagt Thomas Schönauen. Er ist einer der Geschäftsführer der Schönauen Autohaus GmbH & Co. KG.

Die angespannte Situation führt offensichtlich bislang zu keiner Welle von Stornierungen, wie mehrere Solinger Händler versichern. Namentlich genannt werden möchten einige wegen der unklaren Lage nicht. Die Schönauen-Gruppe lässt Kunden von ihrem Vertrag zurücktreten, wenn die Unsicherheit zu groß ist. Vereinzelte hätten davon Gebrauch gemacht. Aber, betont Thomas Schönauen: „Die meisten haben Hoffnung.“

Das deckt sich mit Uwe Stamms Eindruck. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, fasst der Obermeister der Solinger Kfz-Innung zusammen. Kunden wie Autohändler hoffen noch auf Ausnahmeregelungen für diejenigen, die schon im Frühjahr bestellt haben, bei denen es aber ersichtlich ist, dass die Lage auf dem Weltmarkt zu Verzögerungen führt. Diese Kunden hätte unter anderen Voraussetzungen bestellt, die aktuellen langen Wartezeiten seien nicht absehbar gewesen.
Lesen Sie auch: Nachfrage nach E-Autos steigt stetig an - Stadt setzt auf Elektromobilität

Volkswagen habe zugesagt, in die Bresche zu springen, sollten Fahrzeuge nicht rechtzeitig ankommen, berichtet Thomas Schönauen. Ausschlaggebend sei, ob der Wagen vor einem Stichtag im Frühjahr bestellt wurde. Andere Hersteller hätten sich bislang nicht positioniert.

Derzeit laufen die Drähte zwischen Herstellern und Autohäusern heiß. Schönauen hofft, zumindest Kunden, die vor Ostern bestellt haben, rechtzeitig beliefern zu können. Sollte das nicht gelingen, werde man nach Kulanzlösungen suchen. Etwa 40 bis 50 unsichere Fälle beschäftigen die Unternehmensgruppe derzeit.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Kfz-Obermeister Uwe Stamm über die rechtzeitige Auslieferung von Elektrofahrzeugen.

Engpässe gebe es nicht nur in den Werken, sondern zusätzlich bei der Logistik. Bedeutet: Selbst fertige Fahrzeuge lassen auf sich warten. Der Haken: Die Förderung kann erst beantragt werden, wenn der Wagen zugelassen ist. Deshalb begrüßt Schönauen, dass die Kfz-Anmeldung in Solingen – anders als in anderen Städten – auch zwischen Weihnachten und Neujahr möglich ist. „Viele Autos werden kurz vor knapp kommen.“

Wichtig ist dem Unternehmer, dass die Händler nicht für die unklare Situation verantwortlich sind. „Wir tun alles“, betont er. Das bekräftigt Uwe Stamm. Sie seien abhängig von den Herstellern.

In den Solinger Autohäusern bedauert man das Auslaufen der bisherigen Förderung. Die Anschubfinanzierung für mehr Elektromobilität habe aufgrund von Corona und der unsicheren Lage durch die Energiekrise ihre Wirkung noch nicht richtig entfalten können. „Wir müssen abwarten, wie die Kunden reagieren“, sagt Thomas Schönauen.

Uwe Stamm erwartet grundsätzlich keinen nennenswerten Rückgang bei den bestellten Elektrofahrzeugen. Das sei sein „ganz persönlicher Blick in die Glaskugel“. Die Preise an den Tanksäulen lasse viele über alternative Antriebe nachdenken.

Nachfrage

Die wirtschaftlich unsichere Lage macht sich leicht in den Autohäusern bemerkbar. „Die Nachfrage ist etwas verhalten, es gibt aber keinen Stillstand“, betont Uwe Stamm. Der Obermeister der Kfz-Innung stellt einen Trend zu Leasingmodellen fest. Zudem laufe das Geschäft mit Bestandsfahrzeugen besser als bei Neubestellungen. Das könne auch an den noch immer langen Lieferzeiten liegen. „Wer heute bestellt, muss in vielen Fällen mindestens sechs Monate warten“, sagt Thomas Schönauen vom gleichnamigen Autohaus. Die Zeitspanne schwanke von Modell zu Modell.

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