Warnstreik im öffentlichen Dienst

Tarifkonflikt: Alle Busse bleiben im Depot

Das Busdepot des Verkehrsbetriebs an der Weidenstraße war gestern wegen des Streiks gut gefüllt. Foto: Christian Beier
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Das Busdepot des Verkehrsbetriebs an der Weidenstraße war am Dienstag wegen des Streiks gut gefüllt.

Rund 250 Beschäftigte im ÖPNV legten nach Aufruf von Verdi gestern die Arbeit nieder.

Von Kristin Dowe

Solingen. Wohl der eine oder andere Fahrgast musste am Dienstag aufs Taxi umsteigen, denn alle 83 Busse des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Solingen blieben den ganzen Tag über im Depot an der Weidenstraße. Grund war ein Warnstreik, zu dem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) bundesweit aufgerufen hatte. Nach deren Angaben legten am Dienstag rund 250 Beschäftigte im Öffentlichen Personennahverkehr in Solingen die Arbeit nieder – davon 186 Busfahrer, aber auch Arbeitnehmer in der Verwaltung.

Etwa 50 Beschäftigte versammelten sich am Vormittag vor dem Rathaus am Walter-Scheel-Platz, um ein Zeichen für bessere Rahmenbedingungen in ihrer Branche zu setzen. Konkret fordert Verdi in dem Tarifkonflikt für bundesweit 87 000 Beschäftigte einheitliche Regelungen bei der Nachwuchsförderung, Entlastung sowie den Ausgleich von Überstunden und Zulagen für Schichtdienste. Darüber hinaus soll die Ungleichbehandlung in den Bundesländern beendet und zentrale Regelungen wie 30 Urlaubstage oder Sonderzahlungen künftig bundesweit vereinheitlicht werden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung von Verdi NRW.

Seit März fordert die Gewerkschaft hierzu die Verhandlung eines bundesweiten Rahmentarifvertrages. Weil sich am Wochenende die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände gegen die Aufnahme von Verhandlungen ausgesprochen hat, will Verdi nun mit bundesweiten Warnstreiks Druck machen.

Dementsprechend verwaist waren am Dienstag zahlreiche Arbeitsplätze bei den Stadtwerken, berichtet deren Geschäftsführer Conrad Troullier. „Wir haben einen Notdienst mit knapp zehn Leuten installiert“, so Troullier über den Streik-Tag. Einen Ersatzverkehr habe man bewusst nicht angeboten, weil zu befürchten gewesen sei, „dass sich dann alle Fahrgäste auf die wenigen Ersatzfahrzeuge stürzen würden und die coronabedingten Abstandsregeln nicht eingehalten werden können“, erklärt Troullier. Die Entscheidung sei aus Schutzgründen getroffen worden. Der Streiktag sei soweit friedlich über die Bühne gegangen.

Über den Arbeitskampf der Beschäftigten ist Troullier zwiegespalten: „Die Auswirkungen des Streiks sind für unsere Fahrgäste natürlich gravierend, deren Vertrauen wir ja zurückgewinnen möchten. Es ist fraglich, ob wir das so erreichen. Andererseits ist es natürlich ein legitimes Recht der Arbeitnehmer, auf diese Weise Lohnforderungen zu stellen“, so der Stadtwerke-Chef.

„Vor uns liegt noch ein schwieriger Weg und wir stehen noch ganz am Anfang“, ist Streikleiter Thomas Lafleur überzeugt, der in der Fahr- und Dienstplanung tätig ist. Die Arbeitgeberseite mache zurzeit keine Anstalten, sich auf die Beschäftigten zuzubewegen. „Dabei stand der Fahrdienst während der Corona-Krise immer Gewehr bei Fuß.“

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