Zum Essen zu schade

Warme Winter lassen Lavendel und Artischocken gedeihen

Zum Essen zu schade: Im Kleingarten von Klaus Pentzek an der Lehner Straße blühen die Artischocken wie in Südeuropa. Foto: Michael Schütz
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Zum Essen zu schade: Im Kleingarten von Klaus Pentzek an der Lehner Straße blühen die Artischocken wie in Südeuropa.

Kleingärtner merken Folgen des Klimawandels.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Emsig krabbelt die Hummel auf der fast handtellergroßen Blüte herum. Immer wieder bohrt sie ihren Saugrüssel tief in die violette Pracht. „Bei sonnigem Wetter ist in den Artischocken jede Menge los“, sagt Monika Pentzek. „Hummeln und Bienen sind dann im Dauersumm-Modus beim Ein- und Ausfliegen.“ Mehrere dieser imposanten Pflanzen stehen in ihrem Kleingarten an der Lehner Straße, der seit 19 Jahren für sie und ihren Ehemann Klaus ihr Hobby-Glück ist. „Durch die milden Winter der letzten Jahre haben sich diese doch eigentlich mediterranen Gewächse hier supergut entwickeln können.“

Zuletzt habe es gar keinen Frost gegeben, so dass die Pflanze mit dem stärker werdenden Licht im Frühjahr und steigenden Temperaturen sofort stark gewachsen sei, berichtet die Solingerin. Auch die Lavendel-Stauden seien mit der Klima-Entwicklung zufrieden, wie man an ihrer Üppigkeit ablesen könne. „Sie sind bei schönem Wetter eine regelrechte Bienen- und Hummelweide“, sagt Monika Pentzek. Paprika- und Tomatensträucher haben unter einem Regenschutz reichlich Früchte angesetzt. Gegen den unersättlichen Hunger von Schnecken hat Klaus Pentzek die aus Samen gezogenen Pflanzen in ihren Kübeln auf einer Stellage platziert.

Während des Lockdowns haben sie viel im Garten gearbeitet

Mit selbst gezogener Komposterde und gelegentlicher Gabe von Hornmehl wächst und gedeiht unter den grünen Daumen der 78 und 74 Jahre alten Hobbygärtner offenbar alles: gelbe und grüne Zucchini, fußballgroße Salatköpfe und Spaliere mit Himbeeren oder chinesischen Weinbeeren. Aber auch Blüten sind reichlich im rund 350 Quadratmeter großen Paradies der beiden zu finden: Die Orchideenblume säe sich sogar so massiv selbst aus, „dass ich sie wie Unkraut überall herauszupfen muss.“

Mit der Pensionierung entdeckten die beiden ihre Liebe zum Gärtnern. Inzwischen sind sie sogar in die unmittelbare Nähe zum Garten gezogen, um jede freie Minute dort sein zu können. „Die Lockdown-Zeit war für uns nicht schlimm, weil wir bei schönstem Wetter ständig im Freien gewerkelt haben“, erzählt Monika Pentzek. „Nur Freunde durften natürlich nicht kommen.“ Im Winter werde die Wohnung zum Gewächshaus: Klaus Pentzek zieht Gemüse und Co. gerne vor. „Ab einer gewissen Größe kommen die Pflanzen dann ins Gewächshaus auf der Parzelle und schließlich ins Freie.“ So war es auch mit den Artischocken, die beide zum Essen viel zu schade finden.

Mitglieder der Anlage Germanenstraße und in ganz Solingen machen das Beste aus den Kontaktbeschränkungen in der Coronazeit. Aber: „Das Vereinsleben leidet unter der Krise“.

„Oase Ohligs Ost“ heißt der im Juni neu gegründete Verein, der den gleichnamigen Nachbarschaftsgarten im Planetenweg pflegt und gestaltet.

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