Mit dem ST wandern

Traumhafte Ausblicke auf dem Landrat-Lucas-Weg

Der Balkhauser Kotten wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist heute ein Museum.
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Der Balkhauser Kotten wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist heute ein Museum.

Unsere heutige Tour führt an der Wupper entlang und vorbei an einigen historischen Stätten – das ST stellt Wanderrouten vor.

Von Andreas Erdmann 

Bergisches Land. Der Landrat-Lucas Weg bietet imposante Ausblicke ins Tal der Wupper bei Glüder, Balkhausen und Wupperhof sowie auf die umliegenden Höhenzüge. Adolf Lucas (1862-1945) war Landrat des früheren Landkreises Solingen. Nachdem die Klingenstadt 1929 selbst kreisfrei war, verlegte Lucas den Sitz der Kreisverwaltung nach Opladen. Dies ist der Grund, warum der in den 1930er Jahren angelegte Lucas-Weg als Wanderstrecke die Stadt Opladen mit Solingen-Burg verbindet. Wir werden auf unserer Wanderung aber nicht den gesamten 24 Kilometer langen Weg gehen, sondern die Strecke von Glüder nach Wupperhof. Zurück geht es durch die Ortschaft Balkhausen.

Ausgangspunkt unseres Rundwegs ist der Parkplatz vor der Hofschaft Glüder. Der Ort an der Wupper ist erstmals 1633 erwähnt. Zu seinen Einrichtungen zählen ein Campingplatz und eine Minigolfanlage. Früher gab es zudem einen Märchenwald und einen Landgasthof mit Tanzsaal, neben dem von 1979 bis 1992 die Diskothek Getaway betrieben wurde. Deren Gebäude sieht man links etwas eingerückt vor der Wupperbrücke.

Wir überqueren die Brücke, gelangen auf Witzheldener Gebiet und biegen gleich rechts in den Fußweg ein. Diesem folgen wir über den Bröckelchenbach und sehen am anderen Wupperufer den in den 1950er Jahren angelegten Waldcampingplatz. Der Weg führt durch Nadel-, dann durch Laubwald und steigt stetig an. Beim Aufstieg treffen wir links am Hang auf einen vergitterten Eingang. Dahinter liegt ein Stollensystem, in dem man früher nach Kohlen grub. Die Abgründe zur Rechten, die bis zu 100 Meter tief abfallen, mahnen zur Vorsicht und bieten doch beeindruckende Aussichten auf Glüder, den Balkhauser Kotten und hinüber zum Pfaffenberg.

Der von einem Wasserrad angetriebene Schleifkotten stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde 1612 zum Doppelkotten ausgebaut. 1950 fiel der äußere Kotten dem Ausbau der Straße zum Opfer. Viermal wurde der Kotten durch Feuer beschädigt – zuletzt 1969. Heute ist das liebevoll restaurierte Gebäude ein Museum.

Die Wanderung bietet wunderschöne Aussichten auf den Campingplatz Glüder...
...und Burg Hohenscheid.

Älter noch ist die Hofschaft Balkhausen, auf die man nach der Flussbiegung blickt. Bereits 1488 ist ein Hof dieses Namens im Verzeichnis zehntpflichtiger Höfe des Klosters Altenberg gelistet. In der Honschaftsliste des frühen Amts Solingen sind später drei Höfe als Balkhausen I, II, III erwähnt. Neben dem Balkhauser Kotten gehörte der Derichs Kotten zur Hofschaft. 1711 brannte er ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Die Burg Hohenscheid ist einer der Höhepunkte

In entgegengesetzter Richtung erhebt sich Burg Hohenscheid auf einem Felssporn. Nach Stadtschreiber Heinz Rosenthal ist das burgähnliche Gebäude mit Wehrturm eigentlich als „Haus Hohenscheid“ zu bezeichnen, da es sich früher um einen ländlichen Besitz und nicht um den eines Grafengeschlechts handelte. Als erster Namensträger des Rittersitzes ist 1238 urkundlich „Hermanus de Hohenscheid“ genannt. Der Ursprungsbau, hinter dem heutigen Bauernhof, wurde im 18. Jahrhundert durch Brände zerstört. 1907 ließ der Industrielle Artur Hammesfahr die Burg in Anlehnung an die Ritterzeit neu erbauen. Den kompletten Bau, wie er heute da steht, errichtete man in den 1920er Jahren. Um 1940 beherbergte er eine Gastronomie mit Dachterrasse, später ein Hotel, dann ein Wohnheim für Asylbewerber und heute ein christliches Lebenszentrum.

Wir lassen die Abzweigung zur Hofschaft Raderhof links liegen und gehen geradeaus ins Raderhofer Bachtal. Nachdem wir die Holzbrücke über den Bach überquert haben, führt uns ein schmaler Pfad bergauf und dann dicht an einem Abgrund entlang, der bis zu 80 Meter tief zur Wupper abfällt. Den Hügel hinab kommt man ins schattige Betscheider Bachtal. Auf einer Holzbrücke geht es über den Betscheider Bach. Jetzt führt der Pfad sehr steil hinauf, stellenweise über Felsstufen.

An dem wohl schönsten Aussichtspunkt der Strecke bei dem Ort Wolfsstall lädt eine Bank zur Rast ein. Von mehr als 100 Metern Höhe aus haben wir Blick auf Haus Hohenscheid. Die Aussicht reicht vom Widderter Höhenrücken über Vockert bis zur Dorper Kirche. Danach geht es lange stetig bergab. An einem Wehr unweit eines kleinen Wasserkraftwerkes stand früher der Auer Kotten.

Aus dem Nadelwald heraus erreichen wir den Ort Wupperhof mit dem historischen Landhaus Ferres. Schon um 1200 soll sich an dieser Stelle eine Schänke befunden haben. Seit 1983 steht der Fachwerkbau unter Denkmalschutz. Nach der Wupperbrücke biegen wir rechts nach Balkhausen ab. Wir kommen vorbei am ehemaligen Obergraben des Auer Kottens und dem Wasserkraftwerk. Vorbei an alten Fachwerkhäusern gelangen wir auf den Balkhauser Weg und folgen diesem rechtsum zum Balkhauser Kotten. An der Straße entlang geht es zurück nach Glüder.

Weinsbergtal

Bei dem im Wanderbericht zum Weinsbergtal beschriebenen Gebäudekomplex unterhalb des Platzhofes handelt es sich ausschließlich um Bauten des nach Daniel Küllenberg benannten Küllenbergs Kottens. Vorgängerbau war die Platzhofer Mühle. Der Pereskotten stand weiter bachabwärts und existiert nicht mehr.

Route 3: Landrat-Lucas Weg

Dauer: Die Tour über den Landrat-Lucas-Weg dauert etwa 100 Minuten.

Schwierigkeitsgrad: Es gibt mittelschwere bis starke Steigungen sowie steile Abhänge. Daher ist sie für Kinder weniger geeignet.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Landrat-Lucas-Weg

Ausrüstung: Festes Schuhwerk – wegen des steinigen Untergrundes.

Gaststätten: Landhaus Ferres im Wupperhof, Wupperhof 8, donnerstags bis sonntags 12 bis 22 Uhr, Tel. 88 02 24 00.

Museum: Balkhauser Kotten 2, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, 3 83 54 53 (Besuche sind natürlich erst wieder nach dem Lockdown möglich).

Wander-Route 2: Das Weinsbergtal – eines der malerischsten Täler Solingens

Wander-Route 4: Alte Burgen erzählen schaurige Geschichten

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren

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