Serie im ST

Auf dieser Tour entdecken Wanderer einen Sumpf und die Sage vom versunkenen Schloss

Wanderern bietet sich ein wunderschöner Blick auf Reusrath.
+
Wanderern bietet sich ein wunderschöner Blick auf Reusrath.

Die ST-Wanderroute führt in dieser Woche von Langenfeld-Reusrath über die Dückeburg zum Further Moor.

Von Andreas Erdmann

Schöne Natureindrücke, Wälder, Felder und viele historische Schauplätze bietet die Wanderung von Langenfeld-Reusrath zum Further Moor. Reusrath war schon in der Altsteinzeit besiedelt, worauf Funde von Steinabschlägen für Feuersteinklingen hinweisen. Spätere Funde datieren in die Bronze-, Eisen- und Römerzeit. 1281 wird Reusrath erstmals als „Ruzerode“ erwähnt. Die Vorsilbe „Ruozo“ steht für den Namen Rudolf, die Endsilbe „-rath“ für eine Rodung. Reusrath war also die „Rodung von Rudolf“. Um 1500 zählte es zum „Ampt Monheim“.

Wir starten am Parkplatz der Diakoniestation an der Trompeter Straße 38 (vor dem Friedhof). Der Fachwerkbau an der Straße wurde 1683 als Kirche und Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Reusrath errichtet. Im Obergeschoss lag der Gottesdienstraum mit 162 Sitzplätzen, Altar und Orgel. Als der Raum zu klein wurde, baute man von 1792 bis 1794 die nebenan gelegene Kirche. Die Orgel kam 1802 aus dem aufgelösten Kölner Zisterzienserkloster Mariengarten. Deren hochbarocker Prospekt von 1653 enthält Stilelemente der Renaissance und zählt zu den ältesten im Rheinland.

Die Anfänge der Hofschaft Hapelrath liegen im Dunkeln.

Wir folgen dem Weg vor dem Kirchportal zur Straße Am Markt. Rechtsum gelangen wir zu einem Platz, auf dem man 2008 bei Ausgrabungen Spuren der alten katholischen Kirche St. Barbara freilegte. Man fand Fundamente einer romanischen Kapelle aus der Zeit um das Jahr 1000. 1791 wich die Kapelle einer Barockkirche, die 1913 abgerissen wurde. Ihr Nachfolgebau, die neue Kirche St. Barbara, steht 300 Meter südlich von hier.

An dem Fachwerkhaus vorbei gehen wir vor bis zur Virneburgstraße. Wir folgen dem schräg gegenüber ansetzenden Feldweg zur Alten Schulstraße. Dieser folgen wir rechtsum, sehen ein verwittertes Wegkreuz aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Um 1950 war dort noch zu lesen, es sei gut „für die Verstorbenen zu beten, damit sie von den Sünden erlöst werden“. Beim Blick zurück über die Felder, mutet Reusrath fast dörflich an.

An der Wegkreuzung biegen wir links in die Reusrather Straße, die zur Dückeburg führt. Diese wird erstmals 1444 als „Duckenburch“ aktenkundig. Der Name könnte auf eine sich „duckende“, versteckt liegende Burg hinweisen. Andere Deutungen reichen von der „dicken“ Burg bis zu der Mutmaßung, es handele sich nach dem Wort „dugen“ (sinken) um den Nachfolgebau eines sagenhaften „versunkenen Schlosses“ in Hapelrath. Die Dückeburg ist heute in Privatbesitz.

Wir folgen weiter der Straße. An der Bank biegen wir rechts in den Wanderweg, der durch Mischwald auf die Bahngleise zuführt. Es geht an den Gleisen entlang. Roteichen säumen den Weg. Wir passieren den Bahnübergang, folgen dem Weg zur Linken und umrunden nun den Zentralbereich des 42 Hektar großen Naturschutzgebiets Further Moor. Mit seinen Heidemoorflächen und Bruchwäldern bildet das Moor ein Überbleibsel der früher weit ausgedehnteren Sumpf- und Morastlandschaft zu Füßen des Bergischen Landes. Es gehört zu den Bergischen Heideterrassen. Diese bilden eine drei Kilometer breite und 80 Kilometer lange Geländestufe aus Sand und Kies, die der Rhein vor drei Millionen Jahren anhäufte. Auf dem feuchten Grund gedeihen Schwarzerlen und Moorbirken, Torfmoose, Königsfarn, Sonnentau und Pfeifengras. Ringelnattern, Spechte, Grasfrösche und Teichmolche sind hier zu Hause. Die innere Sumpffläche wird zur Zeit renaturiert.

Als der Raubritter eine Jungfrau gefangen nahm

Vor der Unterführung biegen wir nach rechts, gehen am Moorbirken-Bruchwald entlang bis zur Bergischen Landstraße, die wir überqueren. Rechts beginnt ein Forstweg. Wir folgen ihm kurz, biegen dann rechterhand in den Weg durch den Buchenwald ein, der parallel zur Straße verläuft. Abermals rechts geht es zu einem Parkplatz, dahinter links kurz an der Bergischen Landstraße entlang, die wir überqueren und vor der A 3 der Straße Furth folgen. Sie führt zu dem Ort, der dem Moor seinen Namen gab.

Eine „Furth“ bezeichnet eine Flachstelle in einem Wasserlauf, die zu Fuß, mit Pferd oder Wagen durchquert werden konnte. 1816 wird die Ortschaft erstmals als Bauerschaft mit 14 Einwohnern erwähnt. Wir treffen auf eine Alpaka-Herde. Danach geht es rechts in den Wald, dann linksum über den Feldweg auf die alte Hofschaft Hapelrath zu. Deren Anfänge liegen im Dunkel. Sie wird erstmals 1446 als „Habelrode“ aktenkundig. Aus alter Zeit ist von hier die „Sage vom versunkenen Schloss“ überliefert. Ein Raubritter soll im sumpfigen Land an der heutigen Bahnstrecke eine Burg besessen haben. Nachdem er eine Jungfrau aus vornehmem Haus gefangen nahm, traf ihn die „Strafe des Himmels“: Mit ihm versank das Schloss samt allen geraubten Schätzen.

Die Dückeburg ist heute in Privatbesitz.

Wir folgen der Straße rechtsum. Hapelrath 5 und 6 stellen eine vollständig erhaltene Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert dar. Haus 6 mit der Scheune wurde 1718 von Johann Bernhard Bruchacker erbaut, Haus 5 im Jahr 1756 durch dessen Sohn Wilhelm. Die Scheune davor stammt von 1773. Bald folgt der landwirtschaftliche Hapelrather Hof, vor dem wir Ziegen und Gänse erblicken. Wir unterqueren die Bahnlinie, kommen an einer Pferdewiese vorbei. Hinter dem Wald grasen Heidschnucken und schwarze Nera-Verzasca-Ziegen.

Letztere sind die größten Ziegen der Schweiz. Wir folgen der Alten Schulstraße geradeaus, kommen zum 1752 errichteten Wegekreuz Virneburg gegenüber des gleichnamigen Gehöfts. An der Trompeterstraße geht es dann links und kurz darauf rechts auf den Feldweg. Wir kommen an großen Steinen vorbei, biegen an der Kreuzung rechts in die Gartenstraße, dann links in die Wiesenstraße und gleich in den Heimchenweg. Die Trompeterstraße führt uns rechtsum zum Ausgangspunkt.

Wer einen Abstecher zu dem ungewöhnlichen Fachwerkhaus von Gut Hecke unternehmen will, folgt der Gartenstraße geradeaus (statt rechts) bis zur Opladener Straße. Links sieht man das 1717 errichtete sogenannte „Vorlaubenhaus“. Der Name des Erbauers, Johann Theodor Göddertz, steht über der Haustüre. Der auf vier Holzpfeilern sitzende Vorbau überdacht den Gehweg. Er diente früher als Unterstellplatz für Kutsche und Pferd. Dokumente berichten, Napoleon Bonaparte habe hier bei der Durchreise übernachtet. Zurück geht es über die Opladener Straße Richtung Ortsmitte Reusrath, bis rechts die Trompeter Straße abzweigt.

Tour 57

Länge: 10,1 Kilometer mit Gut Hecke (ohne Gut Hecke: 8,3 Kilometer)

Dauer: 2.40 Stunden mit Gut Hecke

Schwierigkeitsgrad: einfach

Ausrüstungstipp:
festes Schuhwerk

Busverbindung: Linien 206, 232, Haltestelle Grünewaldstraße, Fußweg über Trompeter Straße

Zum Einkehren: Alexander Palace, griechisches Restaurant, Opladener Straße 128, Tel. (0 21 73) 706 15, Reusrather Grill, Opladener Straße 159, Tel. (0 21 73) 1 83 72

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer Serie – mit den GPX-Daten – gibt es als PDF-Download. Die ersten wie die weiteren 20 Teile sind für je 7,90 Euro erhältlich: www.bergisch-bestes.de

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unfall: Eine Person verletzt
Unfall: Eine Person verletzt
Unfall: Eine Person verletzt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Alter Markt: Kuben sind ungepflegt
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Busse fahren in Solingen auf Straßenbahnlinien
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch
Das Landhaus Kovelenberg wird indisch

Kommentare