Mit dem ST wandern

Alte Burgen erzählen schaurige Geschichten

In der einst stattlichen Burg Nesselrode befindet sich heute der Landwirtschaftsbetrieb Gut Nesselrath. Ein Teil der Vorburg mit zweigeschossigem Torhaus, spitzbogiger Durchfahrt und Fachwerk im Giebel, Kreuzstock im Fenster und hofseitigem Treppenturm ist noch erhalten. Foto: Andreas Erdmann
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In der einst stattlichen Burg Nesselrode befindet sich heute der Landwirtschaftsbetrieb Gut Nesselrath. Ein Teil der Vorburg mit zweigeschossigem Torhaus, spitzbogiger Durchfahrt und Fachwerk im Giebel, Kreuzstock im Fenster und hofseitigem Treppenturm ist noch erhalten.

Das ST stellt Wanderrouten vor – heute von Nesselrath über Leysiefen nach Friedrichsaue.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Einen reizvollen Rundweg durch das Tal der Wupper, an einer Reihe historischer Schauplätze vorbei, bietet die Strecke von Nesselrath zur Friedrichsaue und zurück über Hohlenpuhl.

Wir beginnen unsere Wanderung am Parkplatz Haasenmühle, überqueren die provisorische Wupperbrücke nach Nesselrath und biegen auf Leichlinger Gebiet links in den Straßenzug Nesselrath ein. Rechts zweigt bald eine kleine Straße zur Hofschaft Altenhof ab. Auf den Feldern davor fand 1199 die sogenannte „Böhmenschlacht“ statt: Eine „Horde wilder Böhmer“ zog aufgehetzt vom Stauferkönig Philipp von Schwaben, nach ihrer erfolglosen Belagerung Bensbergs plündernd und mordend durchs Bergische Land. Graf Adolf I. von Berg und seine Ritter stellten sich gegen sie. An die 500 Opfer sollen die Felder bedeckt haben.

Wir folgen weiter der früheren „Schlossstraße“ und kommen zu den Resten der 1536 wieder errichteten, ehemals stattlichen Burg Nesselrode. Darin befindet sich heute der Landwirtschaftsbetrieb Gut Nesselrath. Ein Teil der Vorburg mit zweigeschossigem Torhaus, spitzbogiger Durchfahrt und Fachwerk im Giebel, Kreuzstock im Fenster und hofseitigem Treppenturm ist noch erhalten. Die Ringmauer stammt aus dem Mittelalter. Die Ursprünge der Burg aber liegen im Dunkeln. In einer Urkunde von 1303 ist erstmals von einem „Fleck von Nesselrode“ die Rede. 1511 kam das Rittergut durch Heirat an das Geschlecht Ketteler und wurde 1536 von Ritter Gotthard von Ketteler grundlegend vergrößert und umgebaut. Nach einem Brand 1847 wurde das zugehörige Schloss abgerissen.

Ein Stück weiter eröffnet sich uns an diesem Weg der wohl schönste Blick auf den Wipperkotten. Wir sehen die Doppelkottenanlage von der Wehrseite aus. Im Jahr 1605 ist der durch Wasserkraft betriebene Schleifkotten das erste Mal in Akten erwähnt. Nahe den heute noch gut erhaltenen Fachwerkgebäuden stand zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch der Schaafenkotten als weiterer Schleifbetrieb. Die „Schlossstraße“ führt uns an einem Fachwerkhaus vorbei und auf den historischen Ort Leysiefen zu. Schon 1280 ist der Wohnort als „Leyginsyphen“ (felsiges Bachtal) verzeichnet. Er dürfte aber älter sein. Eine Karte von 1715 zeigt drei Höfe. 1885 zählt man zehn Wohnhäuser mit 69 Bewohnern.

An der Kreuzung in Ortsmitte biegen wir links in den Straßenzug ein. Abermals links, vor dem großen, verschachtelten Fachwerkbau am Tümpel, folgen wir dem Weg zum Waldrand. Nun halten wir uns gleich zweimal links und gelangen über den Bach Leysiefen zu der Anhöhe mit der verfallenen Burgruine des alten Rittersitzes Leyensiefen, im Volksmund auch „Zobbesmur“ (Zobbes Mauer) genannt. Umsäumt von Bachläufen erhebt sich der Burghügel von 50 Metern Basisdurchmesser in etwa 8 Metern Höhe. Noch zu erkennen sind Reste einer Ringmauer am Rand des Hügelplateaus und ein kräftiger Wall zur Talseite hin. Errichtet wurde die Burg um 1200 oder früher. Bauherr war das Adelsgeschlecht Zobbe, das später den Beinamen „de Leysiefen“ annahm.

Raubritter Zobbe wurde von einem Fuhrmann brutal erschlagen

Von Raubritter Zobbe wurden grausige Dinge erzählt. So soll er aus Rache Ritter Bruno bei lebendigem Leib mit einer Säge zerteilt haben. Einen schuldig gewordenen Kölner Geistlichen soll er nach Schloss Burg gebracht haben. Dort soll er entkleidet, mit Honig bestrichen und in einen Käfig an der Außenmauer gesperrt worden sein, wo ihn Wespen und Bienen zermarterten. Zobbe selber wurde von einem Fuhrmann brutal mit einer Hacke erschlagen. Die Burg verfiel, nachdem Graf Adolf sie für 400 Kölnische Mark von Adolf von Leysiefen erwarb. Nach 1280, mit Erstarken von Nesselrath, wurde sie nie mehr genannt.

Wir folgen dem Pfad durch den Wald rechts auf den Hauptweg und gehen an der Wupper entlang. Bei Friedrichsaue passieren wir die Wupperbrücke. In dem Schieferhaus am Weg befand sich bis vor einigen Jahren die Gaststätte Haus Friedrichsaue. Um 1900 eröffnet, entwickelte sie sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Straße Friedrichsaue trifft auf den Hohlenpuhler Weg.

Wir halten uns links, kommen durch Wald und schließlich zu einer Brücke, die früher über den Untergraben des Hohlenpuhler Kottens führte. Der Schleifbetrieb wird erstmals 1683 erwähnt. 1858 ist dann von einer Doppelkottenanlage die Rede. Im Innenkotten arbeiteten nach dem Krieg noch einige Schleifer, wobei er zuletzt auch als Unterkunft für Lazarettpersonal und ausgebombte Familien, Entlausungsanstalt und Holzschneiderei diente. 1950 wurden die Gebäude abgerissen. Ein Feldweg führt auf den Wipperkotten zu. Das Vorderhaus dient als Museum. An der Wipperauer Straße steht das Hotel-Restaurant Wipperaue. Dessen Geschichte begann 1832, als Peter und Margarete Evertz vor Ort eine einfache Gartenwirtschaft eröffneten. In den 1920er Jahren baute man an. Attraktion war damals ein Musikpavillon im Freien. Ab 2010 wurden Gebäudeteile kernsaniert und durch neue Flächen ergänzt.

An der Straßenkurve vor der Haasenmühle liegt ein Steinbruch, in dem noch vermutlich im 19. Jahrhundert ein fester Grobsandstein als Baumaterial gewonnen wurde. Der Abbau erfolgte auf drei Sohlen, von denen die mittlere gut zu erkennen ist. Auf dem dahinter gelegenen Höhmannsberg hat man Steinzeitwerkzeuge gefunden.

Letzte Etappe der Tour ist die Haasenmühle. Die erstmals 1711 genannte Kornmühle wurde von einem Wasserrad betrieben. Wer zum Abschluss eine Stärkung möchte, kann – sobald es die Pandemielage wieder zulässt – im Restaurant Wipperaue oder im Café-Bistro Haasenmühle einkehren.

Tour 4: Von Nesselrath nach Friedrichsaue

Dauer: etwa 70 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, auch für Familien mit Kindern geeignet

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Von Nesselrath zur Friedrichsaue

Ausrüstungsempfehlung: festes Schuhwerk.

Tipps zum Einkehren (sobald das coronabedingt wieder möglich ist):

Museum Wipperkotten, Wipperkotten 1, Tel. 2 47 39 58, geöffnet nach Vereinbarung, freitags 12 bis 16 Uhr, sonntags 14 bis 16 Uhr;

Hotel-Restaurant Wipperaue, Wipperauer Straße 1, Tel. 2 33 62 70, geöffnet mittwochs und freitags 17 bis 22 Uhr, samstags und sonntags 12 bis 22 Uhr;

Café-Bistro Haasenmühle, Haasenmühle 1, Tel. 2 47 40 12, geöffnet freitags und samstags 10 bis 22 Uhr, sonntags und donnerstags 10 bis 18 Uhr.

Wander-Route 3: Traumhafte Ausblicke auf dem Landrat-Lucas-Weg

Wander-Route 5: Auf Entdeckungstour durch die Ohligser Heide

Alle Folgen unserer Serie „Wandern mit dem ST“ haben wir hier für Sie aufgelistet: Wandern rund um Solingen mit unseren Entdeckungstouren

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